Zwanzig Jahre nach dem ersten Teil kehrt „Der Teufel trägt Prada“ zurück – und landet unsanft in der Gegenwart. Die Fortsetzung zeigt eine Mode- und Medienwelt, die mit Glamour nur noch bedingt zu tun hat. Statt Champagner und Chauffeuren dominieren Sparzwang, Klickzahlen und Existenzangst.
MIRANDA MUSS SELBST ZUPACKEN
Die einst gefürchtete Chefredakteurin Miranda Priestly ist nicht mehr unantastbar. Werbeetats schrumpfen, die Macht der Magazine bröckelt – und plötzlich hängt sie ihren Mantel selbst auf. Eine fast revolutionäre Entwicklung für eine Figur, die früher allein durch einen Blick Karrieren beenden konnte.
Auch Andy Sachs trifft die neue Realität hart: Kündigung per SMS, Sekunden vor der nächsten Preisverleihung. Willkommen im modernen Journalismus.
ZWISCHEN NOSTALGIE UND NÜCHTERNHEIT
Der Film spielt geschickt mit bekannten Motiven, traut sich aber nur halb, wirklich bissig zu werden. Zwar blitzt die Krise der Medienbranche auf – doch statt konsequenter Analyse gibt es schnell wieder das gewohnte Märchen: Ein Jobangebot rettet alles.
Die Mode hat sich ebenfalls verändert. Statt Haute Couture dominiert funktionale Luxuskleidung – weniger Stil, mehr Rendite. Der „Teufel“ trägt heute Performance-Stoff.
REALITÄT? NUR IN DOSIERTER FORM
Auffällig: Die wirklich prägende Gegenwart – Social Media, Influencer, Algorithmen – bleibt weitgehend außen vor. Dafür setzt der Film auf erkennbare Anspielungen und reale Vorbilder, etwa bei Figuren aus der Tech-Welt.
Das sorgt für Wiedererkennungswert, ersetzt aber keine echte Auseinandersetzung mit der Branche.
GLANZ MIT KRATZERN
Optisch liefert der Film, was Fans erwarten: große Namen, opulente Looks, Cameo-Auftritte von Designern und Stars. Doch inhaltlich bleibt vieles Oberfläche. Eine Nebenromanze wirkt überflüssig, zentrale Wendungen konstruiert.
FAZIT: SCHÖN, ABER ZU VORSICHTIG
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist ein unterhaltsamer Balanceakt zwischen Nostalgie und Gegenwart. Er zeigt, wie sehr sich die Branche verändert hat – ohne jedoch den Mut zu haben, diese Veränderung konsequent auszuerzählen.
Am Ende bleibt ein modernes Märchen mit Realitätseinschlag. Nur glaubt diesmal niemand mehr wirklich daran.
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