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Wut nach Erdbeben in Venezuela: Überlebende werfen Regierung schweres Versagen vor

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela wächst der Zorn der Bevölkerung auf die Behörden. Während die offizielle Zahl der Todesopfer inzwischen bei mindestens 1.700 liegt, werfen zahlreiche Betroffene der Regierung vor, viel zu spät und unzureichend auf die Katastrophe reagiert zu haben.

Besonders schwer getroffen wurde der Küstenstaat La Guaira, wo mehrere mehrstöckige Wohnhäuser vollständig einstürzten. Angehörige der Vermissten berichten, dass sie tagelang nahezu auf sich allein gestellt gewesen seien und selbst mit bloßen Händen nach Überlebenden suchen mussten.

„Wir wurden einfach allein gelassen“

Immer wieder unterbrechen Rettungskräfte ihre Arbeiten und bitten um absolute Ruhe. Vielleicht lebt noch jemand unter den gewaltigen Betonmassen. Doch für viele Familien schwindet mit jeder Stunde die Hoffnung.

Miguel Oscar Nunez wartet verzweifelt auf Nachrichten von seinem 34-jährigen Sohn Angel, der sich zum Zeitpunkt des Bebens in einem eingestürzten Hochhaus befand.

„Vielleicht hat ihn das Erdbeben nicht getötet. Vielleicht stirbt er am Ende, weil Hilfe zu spät kommt“, sagt der Vater und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden.

Auch Kevin Montilla sucht seine Ehefrau und seine 16-jährige Tochter. Nach seinen Angaben seien zunächst ausschließlich Nachbarn und freiwillige Helfer im Einsatz gewesen.

„Die Polizei war zwar vor Ort, hat aber kaum geholfen. Die staatliche Reaktion war frustrierend und völlig unzureichend“, sagt er.

Freiwillige graben mit bloßen Händen

An zahlreichen Unglücksstellen bot sich ein ähnliches Bild. Während schwere Räumgeräte zunächst fehlten, versuchten Bewohner mit Schaufeln, Brechstangen oder sogar bloßen Händen, Verschüttete zu retten.

Die alleinerziehende Mutter Deilisbeth Herreira sucht noch immer ihre beiden Töchter im Alter von zwölf und dreizehn Jahren.

„Niemand hilft uns. Es gibt keine Maschinen und keine Rettungskräfte. Man fühlt sich vollkommen allein gelassen“, sagt sie unter Tränen.

Rettungsteams kamen erst Tage später

Besonders scharf kritisiert wird der aus Sicht vieler Betroffener verspätete Beginn der offiziellen Rettungsmaßnahmen. Nach Aussagen von Anwohnern trafen die ersten staatlichen Einsatzkräfte teilweise erst rund zwei Tage nach dem Erdbeben ein.

Später unterstützten auch internationale Teams, unter anderem aus El Salvador und den USA, die Bergungsarbeiten. Dennoch glauben viele Einwohner, dass wertvolle Zeit verloren gegangen sei.

Regierung spricht von historischer Katastrophe

Die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez bezeichnete die Erdbeben als die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes.

Doch diese Worte reichen vielen Betroffenen nicht aus. Sie verlangen Aufklärung darüber, warum Hilfe nach ihrer Darstellung vielerorts so spät eintraf und warum zahlreiche Stadtteile offenbar zunächst völlig sich selbst überlassen blieben.

In einigen besonders schwer zerstörten Wohnvierteln befürchten Anwohner sogar, dass zahlreiche Opfer niemals geborgen werden können. Damit könnte das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe deutlich größer sein als bislang offiziell bekannt.

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