Vor einer Haft- und Abschiebeeinrichtung der US-Einwanderungsbehörde ICE im Bundesstaat Colorado ist eine Demonstrantin durch einen Schuss verletzt worden. Nach Angaben der Polizei von Aurora soll ein dienstfreier Mitarbeiter der Betreiberfirma der Einrichtung mit einer privaten Waffe auf die Frau geschossen haben.
Der Vorfall ereignete sich am 16. Juli in der Nähe des Aurora ICE Processing Center, das auch als Denver Contract Detention Facility bekannt ist. Die Polizei wurde kurz vor 19.30 Uhr Ortszeit wegen einer Schussabgabe alarmiert. Vor Ort fanden die Beamten eine Frau mit einer Schussverletzung im unteren Körperbereich. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht; ihre Verletzungen galten nach Behördenangaben nicht als lebensbedrohlich.
Kurze Zeit später stoppte die Polizei in der Nähe ein Fahrzeug. Darin saß der 42-jährige Brandon Booth, der nach Angaben der Ermittler für die GEO Group arbeitet. Das Unternehmen betreibt die ICE-Einrichtung in Aurora im Auftrag staatlicher Stellen. Booth wurde festgenommen; in seinem Fahrzeug fanden die Beamten eine Schusswaffe.
Nach der bisherigen Darstellung der Polizei gehörte die verletzte Frau zu einer Protestgruppe vor der Einrichtung. Booth habe sich mit weiteren Beschäftigten in seinem Auto aufgehalten, weil die Proteste ihnen den Zugang zu ihren Arbeitsschichten erschwert hätten. Im weiteren Verlauf sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen und den wartenden Beschäftigten gekommen. Die Frauen sollen außerdem Fotos von den Fahrzeugen gemacht haben, bevor sie sich entfernten.
Anschließend, so die Polizei, habe Booth seine private Pistole geholt und einen Schuss in Richtung der beiden Frauen abgegeben. Dabei sei eine der Frauen getroffen worden. Danach sei er in sein Fahrzeug gestiegen und vom Ort weggefahren, bevor ihn die Polizei stoppte.
Booth wurde auf Grundlage eines Anfangsverdachts unter anderem wegen versuchten Mordes zweiten Grades, schwerer Körperverletzung, versuchter schwerer Körperverletzung, Bedrohung mit einer Waffe sowie unerlaubten verdeckten Führens einer Schusswaffe festgenommen. Ob er bereits anwaltlich vertreten wird, war zunächst nicht bekannt.
Das US-Heimatschutzministerium erklärte, an dem Vorfall seien keine ICE-Mitarbeiter beteiligt gewesen, und verwies für weitere Auskünfte auf die Polizei sowie die GEO Group. Das Unternehmen teilte mit, man sei über den Vorfall informiert und kooperiere mit den Behörden. Der betroffene Mitarbeiter sei unbezahlt vom Dienst freigestellt worden.
Die GEO Group betreibt nach eigenen Angaben die Einrichtung in Aurora im Auftrag von ICE und des U.S. Marshals Service. Welche genaue Funktion Booth dort ausübte, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.
Der Vorfall ereignet sich in einer Phase erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit für ICE-Einsätze. In den vergangenen Tagen waren bereits zwei tödliche Schüsse im Zusammenhang mit Einsätzen gegen Migranten in Texas und Maine gemeldet worden. Diese Fälle haben die Debatte über das Vorgehen der Einwanderungsbehörde erneut verschärft.
Menschenrechtsgruppen und Kritiker fordern unter anderem, Fahrzeugkontrollen durch ICE auszusetzen und den Einsatz von Körperkameras auszuweiten. Das Heimatschutzministerium erklärte zuletzt, künftig solle mindestens ein Beamter pro Festnahmeteam eine Körperkamera tragen.
Der Schusswaffenvorfall in Aurora dürfte die Diskussion zusätzlich befeuern. Zwar betonen die Behörden, dass keine ICE-Bediensteten direkt beteiligt gewesen seien. Der Fall zeigt jedoch, wie angespannt die Lage rund um Einrichtungen der Einwanderungsbehörde inzwischen ist – und wie schnell Proteste, Sicherheitsinteressen und bewaffnete Privatpersonen in gefährlicher Weise aufeinandertreffen können.
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