Es gibt Konflikte, die die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigen: Gut gegen Böse, Links gegen Rechts, Ananas auf Pizza. Und dann gibt es noch den erbitterten Kampf von Meta gegen jede Form von Brustwarze – selbst dann, wenn sie aufgemalt ist.
Seit Jahren berichten Tätowiererinnen und Tätowierer, die Brustkrebspatientinnen nach einer Operation mit medizinischen Brustwarzen-Tattoos helfen, von einem ganz besonderen Gegner: dem Facebook-Algorithmus. Während Betrüger, Fake-Gurus und Verschwörungstheoretiker oft ungestört durch die sozialen Netzwerke spazieren, schlägt bei einer tätowierten Brustwarze sofort die digitale Alarmglocke an.
Die Logik dahinter scheint einfach zu sein: Brustwarze gesehen, Gehirn ausgeschaltet, Beitrag gelöscht.
Besonders frustrierend ist das für Tätowiererinnen wie Emma Roberts oder Vicky Martin. Sie helfen Frauen nach Brustkrebs dabei, ein Stück Normalität und Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Doch statt Applaus gibt es von Meta regelmäßig Sperren, Reichweitenverluste oder die Verbannung in die berüchtigte digitale Schattenwelt des sogenannten Shadow Banning.
Dort landen Beiträge offenbar direkt neben verschollenen Socken, verlorenen Fernbedienungen und dem gesunden Menschenverstand mancher Algorithmen.
Die Betroffenen protestierten sogar vor Metas Londoner Zentrale. Mit einer sechs Meter hohen aufblasbaren Brust. Man muss anerkennen: Wenn man gegen künstliche Intelligenz kämpft, braucht man manchmal auch künstliche Körperteile.
Meta versprach daraufhin Besserung. Man traf sich, führte Gespräche, sammelte Listen gesperrter Konten und versprach Lösungen. Kurz gesagt: Es gab Meetings. Viele Meetings. Das ist bekanntlich die elegante Form, Probleme in die Zukunft zu verschieben.
Heute klagen die Betroffenen allerdings noch immer über dieselben Schwierigkeiten. Offenbar erkennt der Algorithmus den Unterschied zwischen Pornografie und medizinischer Hilfe ungefähr so zuverlässig wie ein Staubsaugerroboter den Unterschied zwischen Wohnzimmer und Treppenhaus.
Besonders kurios: Die Plattform erklärt offiziell, dass Brustwarzen-Tattoos nach Brustkrebs selbstverständlich erlaubt seien. Gleichzeitig werden genau solche Bilder regelmäßig entfernt. Das erinnert ein wenig an ein Restaurant, das stolz verkündet: „Natürlich servieren wir Pizza“ – und dann jedem Gast den Teller wegnimmt, sobald der Käse darauf liegt.
Experten sprechen inzwischen von einer regelrechten Obsession sozialer Netzwerke mit Brustwarzen. Gewalt, Hass und Falschinformationen schaffen es oft erstaunlich weit. Eine medizinisch tätowierte Brustwarze dagegen scheint für manche Algorithmen die größte Bedrohung der westlichen Zivilisation darzustellen.
So bleibt der Eindruck eines bizarren digitalen Kulturkampfes: Auf der einen Seite Frauen, die nach einer Krebserkrankung sichtbar machen wollen, wie stark sie sind. Auf der anderen Seite ein Algorithmus, der offenbar bei jeder Brustwarze einen kleinen Nervenzusammenbruch erleidet.
Der Krieg geht weiter. Brustwarze gegen Serverfarm. Mensch gegen Maschine. Und momentan steht es ungefähr Unentschieden.
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