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Schweres Erdbeben erschüttert Japan – Sorge um Vermisste und Verletzte

Angelo_Giordano (CC0), Pixabay
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Ein schweres Erdbeben hat am Dienstag den Südwesten Japans getroffen und in der Region Kumamoto große Zerstörungen angerichtet. Nach ersten Medienberichten kamen mehrere Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt oder werden noch vermisst. Viele Familien warten weiter auf Nachrichten über ihre Angehörigen.

Das Beben erreichte eine Stärke von 7,1. Sein Epizentrum lag in der Präfektur Kumamoto auf der Insel Kyushu. Die japanischen Behörden hatten zunächst eine Tsunami-Warnung ausgegeben, diese später jedoch wieder aufgehoben.

Menschen in Einkaufszentrum eingeschlossen

Besonders dramatisch ist die Lage in einem Einkaufszentrum in der Stadt Kashima. Dort stürzten Teile des Gebäudes ein. Japanische Medien berichteten von mehreren Todesopfern und einer größeren Zahl eingeschlossener Menschen. Zwischen 20 und 30 Beschäftigte sollen noch vermisst werden.

Nach Angaben der Polizei gab es zudem Hinweise auf eine mögliche Explosion in der Aeon Mall. Ob sie durch das Erdbeben ausgelöst wurde und welche Schäden sie verursachte, war zunächst unklar.

Ein Augenzeuge berichtete von einer heftigen Druckwelle und einer großen Rauchwolke. In der Umgebung habe es ausgesehen, als falle Vulkanasche vom Himmel. Kundinnen, Kunden und Beschäftigte seien unmittelbar nach dem Beben aus dem Gebäude gebracht worden.

Rettungskräfte suchen unter schwierigen Bedingungen nach Verschütteten. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen sind es Stunden großer Ungewissheit.

Weiteres Todesopfer nach Hauseinsturz

Auch aus anderen Teilen der Präfektur wurden schwere Schäden gemeldet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo kam ein Mensch beim Einsturz eines Hauses ums Leben.

In der Stadt Yatsushiro werden mehrere Personen vermisst, nachdem der Schornstein einer Papierfabrik eingestürzt war. Mindestens zwölf Wohnhäuser sollen zusammengebrochen sein. Teilweise wurden Menschen unter den Trümmern eingeschlossen.

Mindestens 50 Verletzte mussten nach bisherigen Berichten in Krankenhäuser gebracht werden. Bilder aus der Region zeigen zerstörte Brücken, beschädigte Straßen, ausgebrannte Gebäude und umgestürzte Fahrzeuge.

Ein Reporter des Senders NHK schilderte, die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass er nicht habe stehen können. Die Behörden warnten die Bevölkerung vor weiteren Nachbeben. Seit dem Hauptbeben wurden bereits mehr als 60 schwächere Erdstöße registriert. Auch ein weiteres starkes Beben könne nicht ausgeschlossen werden.

Stromausfälle, Brände und zerstörte Verkehrswege

Das Erdbeben ereignete sich um 16.27 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von rund zehn Kilometern. Nach Angaben der japanischen Regierung kam es in mehreren Gebieten zu Stromausfällen und Bränden. Rund 48.000 Haushalte und Einrichtungen in Kumamoto waren zeitweise ohne Elektrizität.

Straßen und Brücken wurden beschädigt, mehrere Autobahnabschnitte gesperrt. Der Bahnbetreiber JR Kyushu stellte den Zugverkehr einschließlich der Hochgeschwindigkeitsverbindungen ein. Auch der Flughafen Kumamoto setzte seinen Betrieb aus.

Die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi erklärte, eine Einsatzgruppe sei eingerichtet worden, um das Ausmaß der Katastrophe zu erfassen und die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Das Verteidigungsministerium entsandte Flugzeuge zur Erkundung des betroffenen Gebiets. Rund 3.600 Soldaten sollen die Einsatzkräfte unterstützen.

Etwa 300.000 Menschen wurden aufgefordert, Schutz in Evakuierungszentren zu suchen.

Große Belastung durch extreme Sommerhitze

Die Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen werden zusätzlich durch die schwüle Sommerhitze erschwert. Das Umweltministerium rief die Bevölkerung dazu auf, ausreichend Wasser zu trinken, Salz zu sich zu nehmen und möglichst kühle Orte aufzusuchen. Besonders ältere Menschen, Kinder und Verletzte sind in dieser Lage gefährdet.

Mehrere große Unternehmen evakuierten ihre Fabriken in der Region. Dazu gehören der Chiphersteller TSMC sowie Sony und Fujifilm. Mobilfunkanbieter meldeten Störungen in ihren Netzen, wodurch es für viele Menschen noch schwieriger wurde, Angehörige zu erreichen.

Bei den Atomkraftwerken in der Region wurden nach Angaben der Aufsichtsbehörden zunächst keine Auffälligkeiten festgestellt. Drei laufende Reaktoren blieben in Betrieb.

Erinnerungen an die Katastrophe von 2016

Die Region Kumamoto war bereits 2016 von zwei verheerenden Erdbeben getroffen worden. Damals starben 273 Menschen, mehr als 2.800 wurden verletzt.

Für viele Bewohnerinnen und Bewohner dürften die aktuellen Erschütterungen schmerzhafte Erinnerungen geweckt haben. Während die Rettungsarbeiten weiterlaufen, richtet sich die Hoffnung darauf, noch Vermisste lebend zu finden und den Betroffenen schnell Schutz, medizinische Versorgung und Unterstützung zu geben.

Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht absehbar. Die Angaben zu Todesopfern, Verletzten und Vermissten können sich im Verlauf der Rettungsarbeiten weiter verändern.

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