Warum gute Beratung allein nicht genügt und was EKD jetzt verändern sollte
Energiekonzepte Deutschland, kurz EKD, gehört zu den größeren Anbietern von Photovoltaikanlagen für Privatkunden. Das Unternehmen bietet Solarmodule, Speicher, Wallboxen und weitere Komponenten als Komplettlösung an. Auf Trustpilot erreicht EKD insgesamt eine vergleichsweise gute Bewertung. Das Bild ist dennoch widersprüchlich: Rund 21 Prozent der dort veröffentlichten Bewertungen entfallen aktuell auf nur einen Stern.
Bei mehr als 10.000 Rezensionen handelt es sich nicht um eine unbedeutende Randgruppe. Gleichzeitig erhält EKD zahlreiche sehr gute Bewertungen für freundliche, kompetente und ausführliche Beratung.
Wie passt das zusammen?
Die Antwort liegt offenbar im Zeitpunkt der Bewertung. Viele positive Rezensionen entstehen während oder unmittelbar nach dem Verkaufsgespräch. Die kritischen Bewertungen werden dagegen häufig erst später abgegeben – wenn Termine eingehalten, Handwerker koordiniert, Anlagen in Betrieb genommen oder technische Probleme gelöst werden müssen.
Die Schwachstelle scheint damit weniger im Verkauf als in der vollständigen Abwicklung und Nachbetreuung zu liegen.
Kundenbewertungen geben persönliche Erfahrungen wieder. Sie beweisen nicht automatisch ein allgemeines Fehlverhalten des Unternehmens. Wiederholen sich bestimmte Beschwerden jedoch über einen längeren Zeitraum, sollte ein Unternehmen sie als Frühwarnsystem verstehen.
Freundliche Beratung und anschließend Funkstille
Zahlreiche Kunden loben die Berater von EKD als freundlich, fachkundig und engagiert. Angebote würden verständlich erklärt, Termine für Erstgespräche kurzfristig vereinbart und individuelle Wünsche berücksichtigt.
Ein Teil der Fünf-Sterne-Bewertungen bezieht sich ausschließlich auf diese frühe Phase. Manche Kunden weisen sogar ausdrücklich darauf hin, dass ihre Anlage noch nicht installiert oder in Betrieb genommen wurde.
Damit bewerten sie nicht das vollständige Produkt, sondern zunächst nur die Beratungsleistung.
Die Ein-Stern-Bewertungen entstehen häufig an einem anderen Punkt. Kunden berichten dort unter anderem über:
- ausgefallene Termine,
- wechselnde Ansprechpartner,
- fehlende Rückrufe,
- lange Wartezeiten nach der Dachmontage,
- Verzögerungen bei Elektroarbeiten,
- Probleme mit der Netzanmeldung,
- ausstehende Zählersetzungen,
- langsame Mängelbeseitigung,
- technische Ausfälle,
- Rechnungen oder Mahnungen trotz offener Arbeiten.
Eine externe Auswertung aktueller Kundenberichte nennt Verzögerungen bei der Inbetriebnahme und eine schlechte Erreichbarkeit des Kundenservice als häufigste Ursachen negativer Bewertungen. Hinzu kommen Probleme bei der Netzanmeldung, Zahlungsaufforderungen trotz offener Leistungen und Informationsverluste zwischen verschiedenen Abteilungen.
Diese Prozentangaben sind keine offizielle Statistik von Trustpilot oder EKD. Die darin beschriebenen Themen stimmen jedoch mit zahlreichen öffentlich sichtbaren Erfahrungsberichten überein.
Die Anlage ist montiert, produziert aber keinen Strom
Ein besonders konfliktträchtiger Punkt ist die Trennung zwischen Dachmontage und vollständiger Betriebsbereitschaft.
Aus Sicht des Anbieters kann die Montage der Module bereits einen wichtigen Projektfortschritt darstellen. Für den Kunden ist eine Photovoltaikanlage jedoch erst dann wirtschaftlich nutzbar, wenn auch Wechselrichter, Speicher, Elektrik, Netzanmeldung, Zähler und Steuerung funktionieren.
Eine schnell montierte Anlage hilft wenig, wenn sie anschließend über Wochen oder Monate keinen Strom produziert.
Genau an dieser Schnittstelle scheinen wiederholt Probleme zu entstehen. Dachmontage, Elektroinstallation und Netzanschluss werden offenbar nicht immer als ein einheitlicher Prozess wahrgenommen. Mehrere Unternehmen und externe Partner können beteiligt sein. Fällt ein Gewerk aus oder fehlen Unterlagen, steht das gesamte Projekt.
Der Kunde weiß dann häufig nicht, ob EKD, der Elektriker, der Montagepartner oder der Netzbetreiber verantwortlich ist.
Organisatorisch bleibt EKD trotzdem der erste Ansprechpartner. Wer eine Komplettlösung verkauft, muss auch die Koordination der einzelnen Beteiligten übernehmen.
Gute Verkäufer ersetzen keinen Projektverantwortlichen
Nach Vertragsabschluss wechselt die Zuständigkeit offenbar häufig vom persönlichen Berater zu verschiedenen Fachabteilungen. Damit geht aus Kundensicht ein wesentlicher Vorteil verloren: der erreichbare Ansprechpartner, der das Projekt kennt.
Kunden berichten, dass sie von einer Abteilung zur nächsten verwiesen werden. Andere erhalten standardisierte Antworten, ohne einen konkreten Lösungstermin zu erfahren.
Genau hier sollte EKD ansetzen.
Jeder Kunde benötigt nach dem Vertragsabschluss einen namentlich benannten Projektverantwortlichen. Dieser sollte vom Abschluss bis zur vollständigen Inbetriebnahme zuständig bleiben. Er muss auf sämtliche Projektdaten zugreifen und interne Eskalationen auslösen können.
Der Kunde sollte jederzeit erkennen können:
- Welcher Arbeitsschritt abgeschlossen ist
- Welche Leistung noch fehlt
- Wer dafür verantwortlich ist
- Welche Unterlagen vorliegen
- Wann der nächste Termin stattfindet
- Welche Abhängigkeit vom Netzbetreiber besteht
Ein Kundenportal kann diese Informationen anzeigen. Es ersetzt jedoch keinen erreichbaren Menschen, der bei Abweichungen tatsächlich handeln kann.
Keine Montage ohne vollständige technische Vorprüfung
Eine neuere positive Bewertung beschreibt ein von EKD eingeführtes Sechs-Augen-Prinzip. Dachdecker und Elektriker hätten die örtlichen Gegebenheiten gemeinsam mit der Planung vorab per Video geprüft. Dadurch sei das Projekt reibungslos verlaufen.
Falls dieses Verfahren bereits systematisch eingesetzt wird, sollte EKD es als verbindlichen Standard für jedes Projekt etablieren.
Vor der Montage müssten mindestens folgende Punkte geklärt sein:
- Eignung und Zustand des Daches
- Leitungswege
- Anforderungen an den Zählerschrank
- Verfügbarkeit des Elektrikers
- Anschlussbedingungen des Netzbetreibers
- genaue Komponenten
- Speicher- und Wallboxkonfiguration
- mögliche Notstromfunktion
- notwendige Zusatzarbeiten
- Termine für alle beteiligten Gewerke
Die Dachmontage sollte grundsätzlich erst beginnen, wenn feststeht, wie und wann die elektrische Fertigstellung erfolgen kann. Damit ließe sich vermeiden, dass zwar Module auf dem Dach liegen, aber wochenlang kein betriebsfähiges Gesamtsystem vorhanden ist.
Die Netzanmeldung muss früher beginnen
Ein Teil der Verzögerungen entsteht bei Netzbetreibern. Auf deren Bearbeitungszeiten hat EKD nur begrenzten Einfluss.
Das entbindet das Unternehmen jedoch nicht von der Pflicht, Anträge frühzeitig, vollständig und nachweisbar einzureichen.
Die Netzanmeldung sollte so weit wie möglich vor der Montage vorbereitet werden. Für jeden Netzbetreiber müsste EKD eine aktuelle Unterlagen- und Prozessliste führen. Das System sollte automatisch anzeigen, wann eine Anmeldung eingereicht wurde, welche Unterlagen fehlen und wann zuletzt nachgefasst wurde.
Der Kunde sollte diesen Status einsehen können.
Dadurch ließe sich auch klar unterscheiden, ob eine Verzögerung tatsächlich vom Netzbetreiber verursacht wurde oder ob notwendige Unterlagen von EKD beziehungsweise einem beauftragten Elektriker noch nicht eingereicht wurden.
Rechnungen trotz offener Arbeiten verschärfen den Konflikt
Besonders problematisch wirken Zahlungsaufforderungen oder Mahnungen, wenn eine Anlage noch nicht vollständig funktioniert oder Mängel offen sind.
Selbst wenn vertraglich bereits nach der Dachmontage ein erheblicher Teil der Vergütung fällig sein sollte, entsteht beim Kunden der Eindruck, für eine nicht nutzbare Anlage vollständig bezahlen zu müssen.
EKD sollte den Zahlungsplan stärker an messbare Projektfortschritte koppeln:
- erste Rate nach abgeschlossener technischer Planung,
- zweite Rate nach ordnungsgemäßer Dachmontage,
- weitere Rate nach vollständiger Elektroinstallation,
- Schlusszahlung erst nach Funktionstest und betriebsbereiter Übergabe.
Ein angemessener Restbetrag sollte bis zur vollständigen Inbetriebnahme und Beseitigung dokumentierter Mängel offenbleiben.
Außerdem muss ein automatischer Mahnstopp greifen, sobald ein berechtigtes Mängel- oder Leistungsticket besteht. Es ist kaum vermittelbar, wenn der Kundenservice noch nach einer Lösung sucht, während die Buchhaltung bereits Mahnungen verschickt.
Die Qualität externer Montagepartner muss messbar werden
EKD arbeitet bundesweit mit zahlreichen Handelsvertretern und Montagepartnern. Dieses Modell ermöglicht eine große regionale Reichweite, erschwert jedoch eine einheitliche Qualität.
Positive Bewertungen zeigen, dass viele Montageeinsätze schnell, sauber und professionell durchgeführt werden. Gleichzeitig berichten andere Kunden über regionale Qualitätsunterschiede, fehlerhafte Elektroarbeiten oder lange Nachbesserungszeiten.
EKD sollte jeden Partner anhand einheitlicher Kennzahlen bewerten:
- Termintreue
- Mängelquote
- Nacharbeitsquote
- Beschwerden je 100 Installationen
- Zeit bis zur Mängelbeseitigung
- Vollständigkeit der Dokumentation
- Kundenzufriedenheit nach Inbetriebnahme
Partner mit dauerhaft auffälligen Ergebnissen sollten weniger Aufträge erhalten, nachgeschult oder aus dem Partnernetz entfernt werden. Besonders zuverlässige Betriebe können im Gegenzug bevorzugt eingesetzt werden.
Keine Bewertungsanfrage nach einem ausgefallenen Termin
Eine öffentlich sichtbare Ein-Stern-Bewertung schildert einen besonders vermeidbaren Vorgang: Ein bestätigter Beratungstermin habe nicht stattgefunden. Eine Absage sei ebenfalls nicht erfolgt. Anschließend habe der Kunde ausgerechnet eine Aufforderung erhalten, den Service zu bewerten.
Unabhängig von den Hintergründen zeigt dieser Fall einen offensichtlichen Systemfehler.
Vor dem Versand einer Bewertungsanfrage muss automatisch geprüft werden:
- Hat der Termin tatsächlich stattgefunden?
- Wurde die vereinbarte Leistung erbracht?
- Ist ein Beschwerdeticket offen?
- Befindet sich das Projekt in einer Eskalation?
- Ist die Anlage vollständig in Betrieb?
Ist ein Termin ausgefallen, sollte keine Bewertungsanfrage versendet werden. Stattdessen muss automatisch eine Entschuldigung mit einem neuen Terminvorschlag und einem erreichbaren Ansprechpartner folgen.
Standardantworten lösen keine Beschwerden
EKD reagiert sichtbar auf viele Trustpilot-Bewertungen. Das ist grundsätzlich positiv. Häufig bleibt es jedoch bei freundlichen Formulierungen und dem Hinweis, der Fall sei an die zuständige Abteilung weitergeleitet worden.
Ein verärgerter Kunde benötigt mehr als eine höfliche Antwort. Er benötigt eine erkennbare Lösung.
Eine gute Reaktion auf eine Ein-Stern-Bewertung sollte enthalten:
- eine individuelle Zusammenfassung des Problems,
- eine Fall- oder Ticketnummer,
- den nächsten konkreten Bearbeitungsschritt,
- eine verbindliche Rückmeldefrist,
- einen verantwortlichen Ansprechpartner.
Statt „Wir haben Ihr Anliegen weitergeleitet“ sollte es beispielsweise heißen:
„Wir haben Ihren Fall unter der Nummer EKD-12345 an die Eskalationsleitung übergeben. Bis spätestens Donnerstag erhalten Sie einen verbindlichen Termin für die noch ausstehende Elektroinstallation.“
Nach der Lösung sollte EKD die öffentliche Antwort ergänzen. So erkennen auch andere Leser, ob Beschwerden tatsächlich bearbeitet werden.
EKD sollte Bewertungen später einholen
Wer Kunden unmittelbar nach einem freundlichen Beratungsgespräch um eine Bewertung bittet, erhält vor allem Aussagen über den Vertrieb. Die schwierigen Projektphasen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchlaufen.
Ein aussagekräftigeres Bewertungssystem würde Rückmeldungen zu mehreren Zeitpunkten erheben:
- nach der Beratung,
- nach der Montage,
- nach der vollständigen Inbetriebnahme,
- sechs Monate nach der Übergabe,
- nach Abschluss eines Servicefalls.
Die wichtigste öffentliche Bewertungsanfrage sollte erst nach der vollständigen Inbetriebnahme erfolgen. Dadurch würden Beratung, Installation und Nachbetreuung gemeinsam bewertet.
Das könnte kurzfristig zu weniger Bewertungen führen, langfristig aber die Aussagekraft und Glaubwürdigkeit des Profils verbessern.
Alte Ein-Stern-Fälle erneut bearbeiten
Die Ein-Stern-Bewertungen der vergangenen zwölf Monate sind nicht nur ein Reputationsproblem. Sie bilden eine kostenlose Datenbank betrieblicher Schwachstellen.
EKD sollte diese Bewertungen nach Ursachen kategorisieren und die Kunden erneut kontaktieren. Vorrang sollten folgende Fälle haben:
- montierte, aber nicht betriebsbereite Anlagen,
- vollständige Anlagenausfälle,
- offene Elektro- oder Montagemängel,
- Speicher- und Wechselrichterprobleme,
- strittige Rechnungen und Mahnungen,
- fehlende Dokumente oder Netzanmeldungen.
Erst wenn ein Problem tatsächlich gelöst wurde, kann der Kunde neutral darauf hingewiesen werden, dass er seine Bewertung freiwillig aktualisieren darf. Vorteile, Rabatte oder Gegenleistungen für eine bessere Bewertung sollten nicht angeboten werden.
Ein realistischer Verbesserungsplan
Innerhalb der ersten 30 Tage könnte EKD folgende Maßnahmen umsetzen:
- Bewertungsanfragen bei offenen Beschwerden stoppen
- jedem Ein-Stern-Fall einen Verantwortlichen zuweisen
- Mahnläufe bei dokumentierten Mängeln aussetzen
- alle montierten, aber nicht betriebsbereiten Anlagen erfassen
- die zehn häufigsten Beschwerdeursachen veröffentlichen und intern zuordnen
Innerhalb von 90 Tagen sollten folgen:
- ein durchgängiger Projektverantwortlicher,
- ein transparentes Netzbetreiber-Dashboard,
- verbindliche Reaktionszeiten für den Kundenservice,
- ein Bewertungssystem für Montagepartner,
- öffentliche Bewertungsanfragen erst nach Inbetriebnahme.
Mittelfristig sollte EKD außerdem seine Zahlungs- und Abnahmeprozesse überarbeiten. Die vollständige Vergütung sollte möglichst nicht fällig werden, bevor die Anlage technisch funktionsfähig und ordnungsgemäß übergeben wurde.
Nicht der TrustScore, sondern die Betriebsqualität entscheidet
Bei aktuell rund 21 Prozent Ein-Stern-Bewertungen wäre eine Senkung auf weniger als 15 Prozent innerhalb von sechs bis neun Monaten ein realistisches erstes Ziel. Anschließend sollte die Quote unter zehn Prozent sinken.
Die Geschäftsführung sollte dafür nicht nur den durchschnittlichen TrustScore betrachten. Wichtiger sind operative Kennzahlen:
- durchschnittliche Zeit zwischen Dachmontage und Inbetriebnahme,
- Anteil der Projekte, die nach 30 Tagen noch nicht laufen,
- offene Servicefälle nach 7, 14 und 30 Tagen,
- Rückrufquote innerhalb eines Arbeitstags,
- Fehlerquote bei Netzanmeldungen,
- Nacharbeitsquote je Montagepartner,
- Mahnungen trotz offenem Beschwerdeticket,
- Zufriedenheit sechs Monate nach Inbetriebnahme.
Fazit
Energiekonzepte Deutschland verfügt offenbar über eine starke Vertriebsorganisation und zahlreiche engagierte Berater. Auch Technik und Montage werden von vielen Kunden positiv bewertet.
Die kritischen Erfahrungen beginnen überwiegend dort, wo das Unternehmen mehrere Gewerke, externe Partner und Behördenprozesse zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbinden muss. Lange Wartezeiten, wechselnde Ansprechpartner und langsame Mängelbeseitigung können eine zunächst positive Kundenerfahrung vollständig ins Gegenteil verkehren.
EKD wird die Ein-Stern-Quote nicht dauerhaft durch mehr Bewertungsanfragen oder freundlichere Standardantworten senken. Der wirksamste Weg besteht darin, die zugrunde liegenden Probleme zu lösen.
Ein verantwortlicher Ansprechpartner bis zur Inbetriebnahme, eine vollständige technische Vorprüfung, transparente Netzprozesse, Zahlungen nach wirklichem Baufortschritt und verbindliche Fristen für die Mängelbeseitigung würden an den Stellen ansetzen, an denen der größte Kundenfrust entsteht.
Wenn diese Prozesse zuverlässig funktionieren, verbessert sich nicht nur das Bewertungsprofil. Vor allem erhalten Kunden tatsächlich die Leistung, die ihnen beim ersten Beratungsgespräch versprochen wurde.

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