Über Washington ist es offenbar zu einem jener Momente gekommen, bei denen man sich fragt, ob die Flugsicherung gerade gleichzeitig telefoniert, Kaffee kocht und noch schnell eine E-Mail beantwortet hat.
Ein US-Militärhubschrauber mit Präsident Donald Trump an Bord soll einem gestarteten Passagierflugzeug näher gekommen sein, als es die Sicherheitsregeln eigentlich vorsehen. Die zuständige Transportsicherheitsbehörde untersucht nun, ob der vorgeschriebene Abstand zwischen „Marine One“ und der Verkehrsmaschine tatsächlich unterschritten wurde.
Das Weiße Haus teilte vorsorglich mit, der Präsident sei zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen. Das ist die offizielle Version für: Es war alles unter Kontrolle, nur eben etwas näher als geplant.
Nach einem Bericht der „New York Times“ näherte sich der Präsidentenhubschrauber dem Passagierjet auf weniger als eine Meile, also rund 1,6 Kilometer. Das klingt auf dem Boden nach einer ordentlichen Entfernung. In der Luftfahrt ist es eher die Sorte Abstand, bei der man lieber noch einmal nachfragt, ob wirklich alle denselben Plan hatten.
Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass unter den gegebenen Bedingungen mindestens 1,5 Meilen Abstand vorgesehen gewesen wären. Es fehlte also nicht viel – nur ungefähr jene halbe Meile, die man aus Sicherheitsgründen lieber nicht wegdiskutieren sollte.
Als Ursache gilt offenbar eine missverständliche Kommunikation mit der Flugsicherung. Das ist der höfliche Fachausdruck für eine Situation, in der mehrere Beteiligte vermutlich dachten, der jeweils andere habe schon verstanden, was gemeint war.
Besonders beruhigend wirkt der Vorfall nicht, weil die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Washington National Airport erst vor gut anderthalb Jahren deutlich verschärft worden waren.
Grund dafür war die tödliche Kollision zwischen einem Passagierflugzeug und einem Armeehubschrauber im Januar 2025, bei der 67 Menschen ums Leben kamen. Danach sollte eigentlich klar sein, dass Luftfahrzeuge über Washington nicht nach dem Prinzip „Wird schon passen“ koordiniert werden sollten.
Nun wird untersucht, warum die vorgeschriebenen Abstände offenbar trotzdem nicht eingehalten wurden.
Für den Präsidenten bestand laut Weißem Haus keine Gefahr. Für die Flugsicherung besteht dagegen möglicherweise erhöhter Erklärungsbedarf.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Selbst Marine One genießt zwar besondere Rechte – aber offenbar keine eigene Luft.
Kommentar hinterlassen