Ja, das 0:3 in Leipzig war ernüchternd. Ja, da hat einiges noch nicht gepasst. Und ja, auch Ko Itakura hatte bei seinem Startelf-Comeback keinen Abend, den er sich ins Fotoalbum kleben wird.
Aber jetzt schon wieder alles infrage zu stellen? Das halte ich für reichlich übertrieben.
Wir Gladbach-Fans haben uns über Itakuras Rückkehr nicht ohne Grund gefreut. Wir wissen, was er kann. Wir haben gesehen, wie wichtig er für Borussia schon einmal war. Und genau deshalb werde ich nach einem einzigen Spiel ganz sicher nicht so tun, als wäre seine Rückkehr plötzlich ein Missverständnis.
Itakura war noch nicht der alte – na und?
Natürlich kann man über seine Leistung in Leipzig sprechen.
Beim 0:1 konnte er den Doppelpass vor dem Treffer nicht verhindern, beim 0:2 war die Defensive insgesamt zu passiv und beim dritten Gegentor kam er gegen Rocco Reitz zu spät.
Das war nicht gut.
Auch die gemessene Höchstgeschwindigkeit von 27,96 km/h liest sich nicht gerade so, als hätte Itakura zwischendurch heimlich einen Sprintkurs bei Usain Bolt besucht.
Aber vielleicht sollte man bei der ganzen Aufregung eine Kleinigkeit nicht vergessen:
Der Mann kommt gerade zurück.
Bei Ajax hatte Itakura zuletzt keine Saison, in der er Woche für Woche über 90 Minuten auf höchstem Niveau gespielt hat. Wenn jemand Spielpraxis, Rhythmus und Selbstverständlichkeit fehlen, dann sieht man das nun einmal.
Und zwar gerade auf einer Position, auf der ein halber Schritt zu spät schnell aussieht wie eine halbe Weltreise.
Ein Spiel macht noch keinen Fehltransfer
Was mich inzwischen wirklich nervt: Im Fußball gibt es offenbar nur noch zwei Zustände.
Entweder ein Spieler macht ein starkes Debüt und ist sofort der „Königstransfer“.
Oder er spielt einmal schlecht und plötzlich heißt es: zu langsam, außer Form, Fehlentscheidung.
Dazwischen scheint es nichts mehr zu geben.
Dabei wäre genau das vielleicht einmal ganz gesund.
Itakura muss besser werden.
Natürlich.
Er muss schneller in die Abläufe kommen, seine Zweikämpfe sauberer führen und wieder diese Ruhe ausstrahlen, wegen der wir ihn in Gladbach so geschätzt haben.
Aber ich traue ihm das zu.
Und ich bin froh, dass wir einen Spieler zurückgeholt haben, von dem wir bereits wissen, welches Niveau er erreichen kann.
Nicht nur auf Itakura zeigen
Was mir beim 0:3 außerdem zu einfach ist: Jetzt wird wieder ein einzelner Spieler herausgepickt.
Als hätte Itakura allein gegen Leipzig gespielt.
Hat er aber nicht.
Wenn du drei Gegentore bekommst, liegt das selten nur an einem Innenverteidiger.
Da geht es um Abstände.
Um Pressing.
Um Rückwärtsbewegung.
Um Unterstützung aus dem Mittelfeld.
Um Zuordnung.
Und manchmal schlicht darum, dass der Gegner schneller und entschlossener ist.
Das war Leipzig in einigen Situationen.
So ehrlich müssen wir sein.
Aber daraus jetzt die komplette Saison hochzurechnen, wäre Unsinn.
Natürlich hat einiges noch nicht gepasst
Man muss das 0:3 auch nicht schönreden.
Gladbach war in einigen Phasen zu passiv.
Die Defensive war nicht stabil genug.
Im Umschalten fehlte teilweise die Konsequenz.
Und wenn Spieler wie Nusa, Gomis oder Reitz Platz bekommen, wird es eben unangenehm.
Da muss Borussia besser werden.
Keine Frage.
Aber wir sind am Anfang einer Entwicklung und nicht am Ende.
Genau jetzt muss sich eine Mannschaft finden.
Neue und zurückgekehrte Spieler müssen Abläufe lernen.
Automatismen entstehen nicht dadurch, dass man sie Montagmorgen auf eine Taktiktafel malt.
Das braucht Spiele.
Und leider gehören dazu manchmal auch Spiele, nach denen man sich fragt, warum man eigentlich 90 Minuten seines Wochenendes dafür geopfert hat.
Willkommen im Leben eines Gladbach-Fans.
Itakura braucht Rhythmus – und wir etwas Geduld
Ich wünsche mir, dass Itakura schnell wieder der Spieler wird, den wir kennen.
Einer, der Situationen früh erkennt.
Der nicht jedem Sprint hinterherlaufen muss, weil er schon vorher richtig steht.
Der Ruhe am Ball ausstrahlt.
Und der einer Abwehr Stabilität gibt.
Das alles war in Leipzig noch nicht ausreichend zu sehen.
Aber deshalb schreibe ich ihn nicht ab.
Im Gegenteil.
Vielleicht braucht er drei Spiele.
Vielleicht fünf.
Vielleicht ein paar Wochen.
Dann bewerten wir das Ganze noch einmal.
Kritik ja – Panik nein
Das ist eigentlich alles, was ich mir wünsche.
Wir dürfen kritisch sein.
Wir sollten sogar kritisch sein.
Ein 0:3 darf niemanden zufriedenstellen.
Aber zwischen Kritik und Weltuntergang liegen noch ein paar Kilometer.
Deshalb mein Fazit nach Leipzig:
Da hat einiges nicht gepasst.
Itakura war noch nicht auf seinem alten Niveau.
Die Defensive hatte Probleme.
Die Mannschaft muss besser werden.
Alles richtig.
Aber jetzt schon Rückkehr, Kaderplanung und Spieler grundsätzlich infrage zu stellen?
Nein.
Gebt dem Mann ein bisschen Zeit.
Gebt der Mannschaft ein bisschen Zeit.
Und wenn es nach zehn Spielen immer noch so aussieht, können wir immer noch gemeinsam meckern.
Wir sind schließlich Gladbach-Fans.
Das Meckern läuft uns nicht weg.
Richtig, das Meckern läuft uns nicht weg, weil die Mannschaft über weite Längen des Spiels so Auftritt wie letztes Jahr, vorletztes Jahr…. Da kann man schon mal aus der Haut fahren. Eben, weshalb lässt man nicht mal einen Leszczynski spielen oder einen Leopold statt Stöger. Ich hoffe doch sehr wenn ein Herold, Konoplia, Castrop, Nguefack oder Zento wieder fit sind, dass die von Beginn an spielen. Ansonsten ist für mich ein Trainerwechsel überfällig. Die Seele brennt…
Richtig, das Meckern läuft uns nicht weg, weil die Mannschaft über weite Längen des Spiels so Auftritt wie letztes Jahr, vorletztes Jahr…. Da kann man schon mal aus der Haut fahren. Eben, weshalb lässt man nicht mal einen Leszczynski spielen oder einen Leopold statt Stöger. Ich hoffe doch sehr wenn ein Herold, Konoplia, Castrop, Nguefack oder Zento wieder fit sind, dass die von Beginn an spielen. Ansonsten ist für mich ein Trainerwechsel überfällig. Die Seele brennt…
Wir haben doch mit Jan Leszczynski eine vielversprechenden Nachwuchs-Verteidiger, der einen guten Eindruck macht. Dann soll der spielen und Itakura sich derweil wieder in Form bringen.
Sehr gut. Genau so 👍
Perfekt. Sehr gut kommentiert