Marine Le Pen hat die französische Politik über viele Jahre geprägt wie kaum eine andere Oppositionspolitikerin. Nun könnte ausgerechnet ein Gerichtsurteil das Ende ihrer Präsidentschaftsambitionen bedeuten. Sollte das Pariser Berufungsgericht ihre Verurteilung bestätigen und sie von einer Kandidatur ausschließen, wäre die Präsidentschaftswahl 2027 für die langjährige Vorsitzende des Rassemblement National (RN) wohl endgültig verloren.
Die 57-jährige Politikerin erklärte bereits im Vorfeld, dass sie im Falle eines Kandidaturverbots ihren politischen Einsatz vollständig auf die Unterstützung ihres Parteivorsitzenden Jordan Bardella konzentrieren werde. Der erst 31-Jährige gilt seit längerem als designierter Nachfolger und Hoffnungsträger der französischen Rechten.
Le Pen war bereits dreimal Präsidentschaftskandidatin. Nach Platz drei im Jahr 2012 unterlag sie Emmanuel Macron sowohl 2017 als auch 2022 in der Stichwahl. Für die Wahl 2027 galten ihre Chancen als so gut wie nie zuvor, da Macron nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten darf.
Politisch stammt Marine Le Pen aus einer der bekanntesten Familien Frankreichs. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen gründete in den 1970er-Jahren den Front National und machte die Partei zu einer festen Größe am rechten politischen Rand. Nach ihrer Übernahme der Parteiführung im Jahr 2011 leitete Marine Le Pen einen tiefgreifenden Wandel ein. Sie distanzierte sich schrittweise von den offen rassistischen und antisemitischen Positionen ihres Vaters, benannte die Partei in Rassemblement National um und versuchte, sie als wählbare Kraft der politischen Mitte rechts der Konservativen zu etablieren.
Gleichzeitig blieb ihre Partei mit juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Im vergangenen Jahr wurde Le Pen wegen der missbräuchlichen Verwendung von Geldern des Europäischen Parlaments verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts spielte sie eine zentrale Rolle in einem System, bei dem Mitarbeiter der Partei über Mittel des Europaparlaments finanziert worden sein sollen. Gegen dieses Urteil läuft das Berufungsverfahren.
Auch außenpolitisch sorgte Le Pen wiederholt für Diskussionen. Über Jahre pflegte sie ein vergleichsweise positives Verhältnis zu Russland und Präsident Wladimir Putin. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine distanzierte sie sich zwar teilweise von früheren Aussagen, ihre früheren Positionen blieben jedoch ein wiederkehrendes Thema im politischen Wettbewerb.
Sollte das Berufungsgericht ihre politische Zukunft tatsächlich beenden, würde nicht nur die Ära Marine Le Pen zu Ende gehen. Gleichzeitig könnte damit der Generationenwechsel innerhalb des Rassemblement National endgültig vollzogen werden – mit Jordan Bardella als neuem Gesicht der französischen Rechtsnationalen.
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