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Mailand schmeißt einfach alle raus – daran sollte sich der VfL Wolfsburg mal ein Beispiel nehmen

jorono (CC0), Pixabay
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In Italien versteht man Fußballkrisen offenbar noch richtig dramatisch. Beim AC Mailand hat das Verpassen der Champions League jetzt zu einem Großreinemachen geführt, bei dem fast die komplette Chefetage gleich mit entsorgt wurde. Trainer weg. Geschäftsführer weg. Sportdirektor weg. Technischer Direktor weg. Vermutlich mussten sogar irgendwo vorsichtshalber die Espressomaschinen zittern.

Nur einer darf bleiben: Zlatan Ibrahimovic. Natürlich. Wenn in Mailand die Hütte brennt, schmeißt man eben nicht den Feuerwehrdrachen raus.

Auslöser für den großen Knall war das völlig unnötige 1:2 gegen Cagliari am letzten Spieltag. Ein einziges Unentschieden hätte gereicht, um die Champions League klarzumachen. Stattdessen landete Milan „nur“ in der Europa League – und in Italien gilt das bei Traditionsvereinen ungefähr als mittelschwere Staatskrise.

Besonders herrlich ist die Konsequenz, mit der der Klub reagiert. Kaum ist das Saisonziel verpasst, wird nicht lange analysiert, moderiert oder in Arbeitsgruppen diskutiert. Nein, man drückt einfach kollektiv auf den roten Knopf. „Umfassende Reorganisation des Fußballbetriebs“ nennt sich das offiziell. Auf gut Deutsch: Alle raus.

Und genau an diesem Punkt darf man ruhig einmal Richtung Wolfsburg schauen.

Denn beim VfL hatte man nach dem historischen Bundesliga-Abstieg zuletzt eher den Eindruck, dass man erstmal in aller Ruhe prüfen möchte, wer vielleicht trotz Katastrophensaison doch noch eine neue Rolle bekommen könnte. Während Mailand gefühlt das halbe Vereinsgebäude räumt, überlegt Wolfsburg angeblich, ob Trainer Dieter Hecking künftig vielleicht Geschäftsführer, Berater oder Oberaufpasser wird.

In Mailand heißt verpasstes Ziel: Konsequenzen.
In Wolfsburg heißt verpasstes Ziel: Vielleicht neue Visitenkarten drucken.

Natürlich ist italienischer Aktionismus auch nicht immer sinnvoll. Aber wenigstens zeigt der AC Mailand, dass sportliches Scheitern Folgen haben kann. Beim VfL dagegen wirkt vieles weiterhin wie ein Treffen der Abteilung „War halt unglücklich“.

Dabei wäre gerade nach einem Abstieg ein klarer Schnitt vielleicht genau das Signal, das Fans erwarten würden. Neue Verantwortliche, neue Ideen, neuer Aufbau. Stattdessen entsteht oft der Eindruck, als hoffe man in Wolfsburg, dass sich die 2. Liga schon irgendwie von allein erledigt.

Der AC Mailand jedenfalls macht vor, wie brutal der Profifußball inzwischen funktioniert: Ziel verpasst, Tür offen, danke fürs Kommen. Und ganz ehrlich – daran sollte sich der VfL Wolfsburg zumindest ein kleines Beispiel nehmen.

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