Der Krieg der USA gegen den Iran hat sich zu einer strategischen Sackgasse entwickelt. Neue amerikanische Angriffe konnten Teheran bislang nicht zu Verhandlungen zwingen. Gleichzeitig ist auch ein zuvor angekündigter diplomatischer Ansatz gescheitert.
US-Präsident Donald Trump bleiben damit kaum attraktive Optionen. Ein Bodenkrieg würde das Leben zahlreicher amerikanischer Soldaten gefährden. Eine Anerkennung iranischer Kontrolle über die Straße von Hormus käme hingegen einem politischen Rückschlag gleich.
Globale Folgen des Konflikts
Die Auswirkungen reichen längst über die Kriegsparteien hinaus. Solange große Teile der Straße von Hormus für zivile Schiffe kaum passierbar bleiben, drohen weitere wirtschaftliche Belastungen.
Öl, Diesel und Düngemittel werden teurer, während Europa im Winter mit Engpässen bei Flüssiggas rechnen könnte. Auch die Golfstaaten leiden, weil Tourismus, Handel und das Vertrauen internationaler Unternehmen beschädigt werden.
In den USA wird der Krieg zunehmend zu einem innenpolitischen Problem. Laut einer im Artikel genannten Umfrage liegt die Zustimmung zu Trumps Iranpolitik und zum Umgang mit steigenden Treibstoffpreisen unter 30 Prozent. Das könnte den Republikanern bei den Zwischenwahlen schaden.
Gemeinsame Verwaltung der Meerenge
Ein möglicher Ausweg könnte in einer internationalen Verwaltung der Straße von Hormus liegen. Dabei würden die Anrainerstaaten, einschließlich des Iran, gemeinsam für Sicherheit, Organisation und wirtschaftliche Nutzung der Wasserstraße verantwortlich sein.
Ein früheres Memorandum zwischen Iran und Oman hatte bereits vorgesehen, mit weiteren Golfstaaten über eine künftige Verwaltung und maritime Dienstleistungen zu beraten.
Oman lehnt direkte Durchfahrtsgebühren für Öltanker ab, da internationale Meerengen grundsätzlich frei passierbar sein sollen. Als Kompromiss wird jedoch eine Gebühr für maritime Dienstleistungen diskutiert.
Ein solches Modell könnte sich an der Straße von Malakka orientieren, wo mehrere Staaten gemeinsam für eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt zuständig sind.
Gebühren statt Blockade
Denkbar wäre, dass Schiffe einen moderaten Beitrag für Sicherheit, Infrastruktur und Umweltschutz leisten. Nach Berechnungen eines Londoner Forschungsinstituts könnte bereits eine geringe Abgabe Einnahmen in Millionenhöhe schaffen.
Für den Iran könnte ein solches Modell attraktiv sein. Teheran könnte behaupten, nach dem Krieg politischen Einfluss bewahrt zu haben, ohne die Meerenge dauerhaft blockieren zu müssen. Im Gegenzug könnten Sanktionserleichterungen oder eine bessere Vermarktung iranischen Öls verhandelt werden.
Für die Weltwirtschaft wäre selbst eine überschaubare Gebühr wohl weniger belastend als stark schwankende Ölpreise und dauerhafte Unsicherheit.
Europa könnte wieder gebraucht werden
Trump hat das Verhältnis zu vielen europäischen Partnern durch Zölle, Drohungen und mangelnde Abstimmung erheblich beschädigt. Trotzdem könnten europäische Staaten bei einer späteren diplomatischen Lösung eine wichtige Rolle spielen.
Europa verfügt über Kontakte zum Iran und könnte bei der Sicherung der Schifffahrt helfen. Militärische Unterstützung, etwa durch Minenräumung, dürfte jedoch nur nach einer Beendigung der Kampfhandlungen erfolgen.
Das größte Hindernis bleibt die fehlende amerikanische Gesamtstrategie. Solange Washington militärisch eskaliert und zugleich Verhandlungen fordert, wird Teheran kaum bereit sein, seine Kontrolle über die Meerenge aufzugeben.
Ein internationales Verwaltungsmodell würde weder den Atomstreit noch Irans Raketenprogramm lösen. Es könnte aber den wirtschaftlich gefährlichsten Teil des Konflikts entschärfen und beiden Seiten ermöglichen, einen Rückzug als politischen Erfolg darzustellen.
Damit wäre es kein idealer Frieden – aber möglicherweise der realistischste Ausweg aus einer Krise ohne gute Optionen.
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