Weniger als 100 Tage vor den US-Zwischenwahlen wächst der Wunsch vieler Wähler nach einem politischen Kurswechsel in Washington. Laut einer neuen CNN-Umfrage des Instituts SSRS liegen die Demokraten bei der sogenannten Sonntagsfrage unter registrierten Wählern acht Prozentpunkte vor den Republikanern.
Besonders deutlich ist der Vorsprung bei der Wahlmotivation. Unter denjenigen, die angeben, äußerst entschlossen zur Wahl gehen zu wollen, führen die Demokraten mit 20 Punkten.
38 Prozent der Befragten glauben, dass sich die Lage im Land verbessern würde, wenn die Demokraten im November die Kontrolle über den Kongress übernehmen. 33 Prozent erwarten eine Verschlechterung, während 29 Prozent keinen größeren Unterschied sehen.
Deutlicher Wunsch nach Veränderung
Die Unzufriedenheit mit dem politischen Betrieb ist groß. Eine Mehrheit der Wähler ist der Ansicht, der Kongress wäre besser aufgestellt, wenn ein Großteil seiner derzeitigen Mitglieder abgewählt würde.
Dieser Wunsch nach personeller Erneuerung fällt sogar deutlich stärker aus als vor der demokratischen Erfolgswahl im Jahr 2006 während des Irakkriegs.
Gleichzeitig genießen weder Demokraten noch Republikaner besonders viel Vertrauen. Viele Bürger werfen beiden Parteien vor, sich nicht ausreichend mit den wirtschaftlichen Sorgen der Bevölkerung zu beschäftigen.
63 Prozent sagen, die Republikaner widmeten den steigenden Lebenshaltungskosten zu wenig Aufmerksamkeit. Bei den Demokraten vertreten 52 Prozent diese Ansicht.
Demokraten gelten wieder als Partei des Wandels
Die Demokraten werden inzwischen häufiger als die Partei angesehen, die für Veränderung steht. Ihr Vorsprung gegenüber den Republikanern beträgt in dieser Frage zehn Punkte.
Noch im Frühjahr des Vorjahres lagen die Republikaner bei dieser Bewertung sieben Punkte vorne.
Auch ihr früherer Vorteil bei der Einschätzung, welche Partei politische Vorhaben tatsächlich umsetzen könne, ist kleiner geworden. Rund die Hälfte der Bevölkerung meint allerdings, dass keine der beiden Parteien diese positiven Beschreibungen verdient.
Demokratische Basis verlangt Erneuerung
Auch innerhalb der Demokratischen Partei ist der Wunsch nach Veränderung groß. Fast sechs von zehn demokratisch orientierten Erwachsenen halten grundlegende Reformen oder zumindest erhebliche Änderungen für notwendig.
Besonders häufig werden jüngere Kandidaten, eine neue Führung und eine deutlichere Abgrenzung von Präsident Donald Trump gefordert. Eine klare Verschiebung nach links oder in die politische Mitte wird dagegen seltener als entscheidender Lösungsweg genannt.
Die Ablehnung Trumps bleibt der wichtigste Mobilisierungsfaktor. Sieben von zehn demokratisch orientierten Wählern wollen mit ihrer Stimme vor allem ein Zeichen gegen den Präsidenten setzen.
Auf republikanischer Seite sagen nur 41 Prozent, ihre Wahlentscheidung solle ausdrücklich Unterstützung für Trump ausdrücken.
Trumps Einfluss auf die Republikaner nimmt ab
Auch innerhalb der Republikanischen Partei zeigen sich Veränderungen. 56 Prozent der republikanisch orientierten Befragten bewerten Trumps Einfluss auf die Partei positiv. Zu Jahresbeginn waren es noch 67 Prozent.
Grundlegende Reformen wünschen sich dort allerdings nur etwa ein Drittel. Unter Republikanern, die sich nicht der MAGA-Bewegung zurechnen, ist die Reformbereitschaft deutlich größer.
Wirtschaft bleibt das zentrale Thema
Die Umfrage zeigt, dass Kulturkampf, Korruption und außenpolitische Fragen zwar eine Rolle spielen, die wirtschaftliche Lage aber weiterhin im Mittelpunkt steht.
Viele Wähler fühlen sich von beiden Parteien bei Themen wie Inflation, Preisen und Lebenshaltungskosten nicht ausreichend vertreten.
Die Demokraten starten damit zwar mit einem klaren Vorsprung in die entscheidende Phase des Wahlkampfs. Der Erfolg dürfte jedoch davon abhängen, ob sie ihre höhere Motivation tatsächlich in Stimmen umwandeln und glaubhaft vermitteln können, wie sie die wirtschaftlichen Sorgen der Bevölkerung angehen wollen.
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