Offener Aufstand gegen den Premierminister
Die Krise bei der britischen Labour-Partei spitzt sich dramatisch zu. Nach den schweren Wahlverlusten Anfang Mai wächst der Druck auf Premierminister Keir Starmer weiter. Nun bringen sich gleich mehrere prominente Politiker offen für seine Nachfolge in Position.
Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting erklärte am Samstag erstmals eindeutig, dass er bei einem möglichen Führungsduell kandidieren werde. „Wir brauchen einen echten Wettbewerb mit den besten Kandidaten“, sagte Streeting.
Streeting rechnet mit Brexit ab
Streeting hatte erst vor wenigen Tagen als Gesundheitsminister hingeworfen und Starmer öffentlich das Vertrauen entzogen. Nun verschärft er den Kurs weiter – auch inhaltlich. Der Brexit sei ein „katastrophaler Fehler“ gewesen, erklärte der Politiker auf einer Labour-Konferenz. Großbritannien müsse eines Tages in die Europäische Union zurückkehren.
Das Land sei heute „ärmer, schwächer und weniger handlungsfähig“ als vor dem EU-Austritt. Großbritanniens Zukunft liege in Europa.
Andy Burnham will Labour „retten“
Parallel dazu bringt sich auch Andy Burnham in Stellung. Der Bürgermeister von Greater Manchester kündigte an, die Partei „retten“ zu wollen.
Burnham plant eine Kandidatur bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield. Ein Sitz im Unterhaus ist Voraussetzung, um später offiziell für den Labour-Vorsitz antreten zu können.
Der Politiker erklärte, Labour müsse wieder näher an die Arbeiterklasse heranrücken. Großbritannien befinde sich seit Jahrzehnten auf einem falschen Weg – geprägt von Privatisierungen, Deregulierung und dem Verlust industrieller Arbeitsplätze.
Starmer kämpft ums politische Überleben
Trotz wachsender Kritik weigert sich Keir Starmer bislang, zurückzutreten. Nach Informationen der BBC fordern inzwischen fast 90 Labour-Abgeordnete offen seinen Rückzug oder zumindest einen klaren Zeitplan für seinen Abschied.
Gleichzeitig stellen sich aber weiterhin mehr als 150 Abgeordnete hinter den Premierminister oder halten einen Machtkampf derzeit für falsch.
Starmer warnte intern bereits vor „Chaos“, sollte es zu einem offenen Führungsstreit kommen. Stattdessen wolle er sich weiter auf das Regieren konzentrieren.
Partei droht Zerreißprobe
Streeting versucht bislang noch, den Eindruck eines offenen Putschversuchs zu vermeiden. Zwar bestätigte er Unterstützung innerhalb der Fraktion, zugleich betonte er aber, die Partei dürfe nicht vorschnell handeln. Ohne Burnham als Kandidaten würde ein neuer Parteichef keine ausreichende Legitimation besitzen.
Burnham wiederum präsentiert sich bereits als Kandidat eines politischen Neustarts. Die Nachwahl in Makerfield sei notwendig, um Labour wieder näher an die Bevölkerung zu bringen und das Vertrauen enttäuschter Wähler zurückzugewinnen.
Die Abstimmung im Wahlkreis dürfte nach aktuellen Informationen am 18. Juni stattfinden – und könnte zum Wendepunkt für die Zukunft der Labour-Partei werden.
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