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Leipzig sucht einen Oberbürgermeister – und bisher klingt alles eher nach Casting-Show mit Restpostencharme

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Leipzig wählt 2027 einen neuen Oberbürgermeister. Nach 21 Jahren endet die Ära Burkhard Jung – und ganz ehrlich: Wenn das bisherige Kandidatenfeld die Zukunft der Stadt sein soll, dann braucht Leipzig dringend noch ein paar Nachmeldungen.

Denn aktuell wirkt das Rennen weniger wie der Aufbruch einer europäischen Boomstadt – sondern eher wie ein sehr langes Bewerbungsgespräch für die Leitung eines mittelgroßen Bürgeramts.

Da wäre zum Beispiel der parteilose „Macher“ Dirk Thärichen. In Deutschland erkennt man echte Macher traditionell daran, dass sie sich selbst öffentlich als „Macher“ bezeichnen. Unterstützt wird er von einem extra gegründeten Verein namens „Leipzig jetzt“ – was klingt wie ein Start-up, das entweder die Stadt retten oder vegane Lieferdienste revolutionieren möchte.

Das BSW schickt Eric Recke ins Rennen. Kommunikationswissenschaftler, Fraktionschef, Landtagsabgeordneter. Klingt solide. Gleichzeitig klingt es aber auch exakt nach jemandem, den man nach drei Minuten Talkshow wieder googeln muss.

Die Linke setzt auf Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Politisch erfahren, verwaltungsfest und tief in der Stadt verankert. Man könnte auch sagen: sehr Leipzig. Also angenehm seriös, leicht akademisch und ungefähr so aufregend wie ein gut organisierter Kulturausschuss am Dienstagabend.

Die FDP versucht es mit Start-up-Förderer Alexander Türpe. Natürlich. Irgendwo musste schließlich noch das Wort „Innovation“ fallen. Vermutlich dauert es keine drei Wochen bis zum ersten Satz über „smarte Verwaltungsprozesse“, „digitale Chancenräume“ und „unternehmerisches Mindset für die Stadtgesellschaft“.

Volt wiederum schickt Falk Fiebig ins Rennen. Fünffacher Familienvater, Mittelständler und laut eigener Aussage jemand, der „Ideen in die Tat umsetzt“. Das sagen bei Wahlen allerdings auch Leute, die später monatelang darüber diskutieren, ob neue Papierkörbe klimaneutral genug sind.

Immerhin ehrlich unterhaltsam bleibt „Die Partei“. Kandidat Tom Rodig verspricht „Politik des Kahlschlags“ und will den „Behördendschungel roden“. Rein satirisch betrachtet ist das aktuell möglicherweise sogar eines der konkreteren Programme.

Die SPD wiederum versucht mit Wirtschaftsminister Dirk Panter das Rathaus zu verteidigen. Das Problem: Jeder Satz über ihn klingt schon jetzt wie ein Lebenslauf auf Seite 37 einer Verwaltungsbroschüre. „Politisch erfahren“, „beste Kontakte“, „kann Ministeramt und Wahlkampf sauber trennen“ – genau die Art Beschreibung, bei der Menschen spontan anfangen, an Steuerformulare zu denken.

Und die CDU? Die sucht offenbar selbst noch verzweifelt nach jemandem, der freiwillig antreten möchte. Sebastian Gemkow hat abgesagt, die Gerüchteküche brodelt, und vermutlich hofft die Partei aktuell einfach darauf, dass irgendwann plötzlich jemand mit Charisma durch die Tür kommt.

Bei den Grünen herrscht ebenfalls kreative Orientierungslosigkeit. Wunschkandidatin abgesprungen, Alternativen unklar, Zukunft offen. Man könnte sagen: sehr authentisch basisdemokratisch organisiert.

Die AfD wiederum hält ihre Kandidaten noch geheim. Vermutlich auch deshalb, weil heutzutage jede Partei gelernt hat, dass Überraschung manchmal besser funktioniert als längere öffentliche Vorstellungsgespräche.

Kurz gesagt:
Leipzig ist eine der dynamischsten Städte Deutschlands – wirtschaftlich, kulturell, wissenschaftlich. Aber das bisherige Kandidatenfeld wirkt noch nicht so, als würde hier gerade um die Zukunft einer europäischen Metropole gekämpft.

Vielleicht kommt da noch jemand.
Irgendjemand.
Bitte.

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