Deutschland erlebt 2026 eine echte politische Sensation: Der Staat gibt Geld nicht automatisch komplett aus, nur weil es irgendwo herumliegt.
Laut Bericht wurden aus dem milliardenschweren Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität im vergangenen Jahr „nur“ 24 statt der geplanten 37 Milliarden Euro ausgegeben. Sofort schlagen natürlich wieder alle Alarm:
„Skandal!“
„Stillstand!“
„Zu langsam!“
Dabei könnte man die Sache auch deutlich entspannter sehen:
Vielleicht ist es schlicht vernünftig, nicht jeden Euro panisch auszugeben, nur damit am Jahresende irgendwo eine Excel-Tabelle schöner aussieht.
Denn genau das ist eigentlich die Aufgabe eines Finanzministers:
Nicht möglichst schnell möglichst viel Geld verbrennen, sondern prüfen, ob Projekte überhaupt sinnvoll, umsetzbar und vorbereitet sind.
Deutschland kennt schließlich genügend Beispiele dafür, was passiert, wenn Milliarden einfach hektisch verteilt werden:
Flughäfen ohne Flugzeuge, Bahnhöfe ohne Fertigstellung, Digitalisierung mit Faxgerät und Straßenbaustellen, die länger laufen als manche Ehe.
Insofern wirkt die Meldung fast schon erfrischend unspektakulär:
Man hat offenbar nicht sofort angefangen, jeden verfügbaren Euro mit maximaler Geschwindigkeit in irgendwelche Prestigeprojekte zu katapultieren.
Besonders schön ist die Empörung darüber, dass erst 26 von 109 „Meilensteinen“ erreicht wurden. Willkommen in Deutschland – dem Land, in dem schon die Planung einer Planung ungefähr drei Gutachten, vier Ausschüsse und einen Bürgerdialog benötigt.
Und trotzdem zeigen die Zahlen ja durchaus Fortschritte:
- Krankenhäuser und Sportstätten liegen bei 90 Prozent Zielerreichung,
- Wohnungsbau immerhin bei 66 Prozent,
- Digitalisierung bei 57 Prozent.
Für deutsche Verhältnisse ist das praktisch Lichtgeschwindigkeit.
Dass ausgerechnet bei Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur „noch keine messbaren Fortschritte“ festgestellt wurden, überrascht dagegen niemanden. Vermutlich diskutiert man dort aktuell noch darüber, welche Arbeitsgruppe zuerst das Konzeptpapier für den Runden Tisch formulieren darf.
Am Ende gilt aber:
Nicht ausgegebenes Geld ist nicht automatisch verlorenes Geld. Gerade bei staatlichen Milliardenprogrammen wäre manchmal weniger hektischer Aktionismus und etwas mehr nüchterne Kontrolle vermutlich genau das, was Steuerzahler eigentlich erwarten sollten.
Denn ein Finanzminister ist schließlich kein Influencer auf Shoppingtour – sondern derjenige, der im Idealfall auch mal sagt:
„Nein, wir kaufen jetzt nicht sofort alles.“
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