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Lässt sich die eigene Persönlichkeit in sechs Wochen verändern?

geralt (CC0), Pixabay
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Lange gingen Psychologen davon aus, dass die Persönlichkeit eines Menschen ab einem bestimmten Alter weitgehend feststeht. Neuere Untersuchungen zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Persönlichkeitsmerkmale verändern sich nicht nur im Laufe des Lebens, sondern lassen sich möglicherweise auch durch gezielte Übungen beeinflussen.

Grundlage vieler wissenschaftlicher Untersuchungen ist das sogenannte Big-Five-Modell. Es beschreibt Persönlichkeit anhand von fünf Dimensionen: Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Letzterer umfasst unter anderem übermäßiges Grübeln, starke Sorgen und emotionale Unsicherheit.

Die Autorin Laurie Clarke wollte ausprobieren, ob sie einige ihrer Eigenschaften innerhalb von sechs Wochen verändern kann. Ein Persönlichkeitstest zeigte zu Beginn einen besonders hohen Wert beim Neurotizismus. Auch Offenheit und Gewissenhaftigkeit waren stark ausgeprägt. Bei Extraversion und Verträglichkeit lagen ihre Ergebnisse dagegen eher im mittleren Bereich.

Ihr Ziel war es, weniger ängstlich und perfektionistisch, dafür kontaktfreudiger und wohlwollender gegenüber anderen Menschen zu werden. Für das Experiment griff sie auf Übungen zurück, die bereits in wissenschaftlichen Studien zur gezielten Persönlichkeitsveränderung eingesetzt worden waren.

Die Annahme hinter diesen Methoden ist einfach: Wer sich verändern möchte, soll regelmäßig so denken und handeln, wie es der gewünschten Persönlichkeit entspricht. Wiederholtes Verhalten kann mit der Zeit das eigene Selbstbild und möglicherweise auch stabile Eigenschaften beeinflussen.

Um ihre Ängstlichkeit und das ständige Grübeln zu reduzieren, begann Clarke fast täglich zu meditieren und ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Negative Gedanken sollte sie bewusst hinterfragen, aufschreiben oder durch eine realistischere Sichtweise ergänzen.

Für mehr Extraversion nahm sie häufiger an Veranstaltungen teil, traf Freunde und führte Gespräche mit unbekannten Menschen. Dabei musste sie sich nicht in eine vollkommen andere Person verwandeln. Schon kleine Handlungen, etwa ein Gespräch im Yogakurs zu beginnen oder bei einer Veranstaltung offen auf andere zuzugehen, galten als Fortschritt.

Auch ihre Verträglichkeit wollte sie erhöhen. Dazu versuchte sie, freundlicher über andere zu denken, kleine Gefälligkeiten anzubieten und ärgerliches Verhalten nicht sofort als Ausdruck eines schlechten Charakters zu bewerten. Stattdessen suchte sie nach äußeren Gründen: Vielleicht hatte die betreffende Person einen schwierigen Tag oder stand unter besonderem Druck.

Einige Übungen erschienen ihr zu künstlich oder unangenehm. Fremden Menschen in einem Café ein Getränk anzubieten, hätte aus ihrer Sicht schnell missverstanden werden können. Auch positive Selbstbekräftigungen kamen ihr zunächst lächerlich vor. Dennoch probierte sie möglichst viele der vorgeschlagenen Aktivitäten aus.

Besonders überraschend war für sie, dass soziale Begegnungen mit der Zeit leichter wurden. Anfangs hatte sie erwartet, nach jeder Veranstaltung eine längere Erholungspause zu benötigen. Stattdessen wuchs ihre Sicherheit mit jedem weiteren Kontakt. Bei einem Zeichenkurs legte sie ihr Smartphone bewusst zur Seite und nahm eine offenere Haltung ein. Später begann sie bei einer Yogastunde spontan ein Gespräch mit einer anderen Teilnehmerin.

Auch die Meditation erwies sich als hilfreich. Zu Beginn fiel es Clarke schwer, den ständigen inneren Gedankenstrom zur Ruhe kommen zu lassen. Nach und nach lernte sie jedoch, die eigenen Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen automatisch große Bedeutung zu geben.

Psychologin Shannon Sauer-Zavala zufolge geht es bei der Arbeit an starkem Neurotizismus nicht darum, unangenehme Gefühle vollständig zu vermeiden. Betroffene sollen vielmehr lernen, Emotionen zuzulassen, ohne sich dafür zu verurteilen oder sofort in Sorgen zu verlieren. Dieser Ansatz wird auch bei der Behandlung verschiedener psychischer Beschwerden untersucht.

Eine übermäßig hohe Gewissenhaftigkeit kann ebenfalls Probleme verursachen, wenn sie sich als Perfektionismus zeigt. Als Gegenübung empfahl Sauer-Zavala, eine Aufgabe bewusst nur zu etwa 80 Prozent des theoretisch möglichen Niveaus zu erledigen und anschließend aufzuhören. Weitere Übungen könnten darin bestehen, pünktlich Feierabend zu machen oder eine Nachricht nicht mehrfach zu kontrollieren.

Für Clarke war gerade das besonders schwierig. Normalerweise überprüfte sie berufliche Texte und E-Mails immer wieder. Während des Experiments versuchte sie, eine Arbeit ohne die üblichen letzten Kontrollrunden abzuschicken. Obwohl sie anschließend eine kleine sprachliche Unsauberkeit bemerkte, hatte diese keinerlei Folgen und war kurze Zeit später vergessen.

Nach sechs Wochen wiederholte Clarke den Persönlichkeitstest. Ihr Wert für Extraversion stieg vom 30. auf das 50. Perzentil. Bei der Verträglichkeit verbesserte sie sich vom 50. auf das 70. Perzentil. Der Neurotizismus sank vom 83. auf das 50. Perzentil. Offenheit und Gewissenhaftigkeit veränderten sich dagegen kaum.

Die Ergebnisse bedeuteten nicht, dass sämtliche Ängste und Selbstzweifel verschwunden waren. Clarke erlebte weiterhin gesundheitliche Sorgen und Phasen des Grübelns. Sie konnte diese Gedanken jedoch besser als vorübergehende Erscheinungen betrachten. Das Dankbarkeitstagebuch erinnerte sie zudem daran, dass belastende Gefühle nicht dauerhaft bestehen bleiben.

Ihr Selbstversuch war keine kontrollierte wissenschaftliche Studie. Die Ergebnisse könnten durch ihre Motivation, ihre Stimmung am Tag des zweiten Tests oder positive soziale Erlebnisse kurz zuvor beeinflusst worden sein. Außerdem ist unklar, ob die Veränderungen erhalten bleiben, wenn sie die Übungen nicht fortsetzt.

Die beobachtete Entwicklung passt jedoch grundsätzlich zu größeren Studien. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2019 wählten Studierende Eigenschaften aus, die sie verändern wollten, und absolvierten 15 Wochen lang entsprechende Aufgaben. Dabei zeigten sich kleine, aber statistisch erkennbare Veränderungen bei Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus. Teilnehmer, die mehr Übungen erledigten, veränderten sich stärker.

Eine weitere Untersuchung nutzte eine Smartphone-App zur Begleitung der Übungen. Dabei konnten neben Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus auch Veränderungen bei der Verträglichkeit festgestellt werden. Ein Teil der Effekte war drei Monate später noch nachweisbar.

Forschende warnen dennoch vor übertriebenen Erwartungen. Selbst die stärksten gemessenen Veränderungen gelten vor allem aus wissenschaftlicher Sicht als bedeutend. Im Alltag bleiben die meisten Menschen trotz erkennbarer Fortschritte im Wesentlichen sie selbst.

Persönlichkeit scheint demnach weder vollkommen unveränderlich noch beliebig formbar zu sein. Kleine, regelmäßig wiederholte Verhaltensänderungen können bestimmte Eigenschaften verschieben. Entscheidend sind realistische Ziele, ausreichende Zeit und die Bereitschaft, neue Gewohnheiten tatsächlich einzuüben.

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