Startseite Allgemeines „Trumpapalooza“ in Dallas: Kann Trump die Republikaner retten – oder zieht er sie mit nach unten?
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„Trumpapalooza“ in Dallas: Kann Trump die Republikaner retten – oder zieht er sie mit nach unten?

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Donald Trump hat ein bewährtes Rezept für die Probleme seiner Partei bei den Kongresswahlen: noch mehr Donald Trump. Während die Republikaner mit schlechten Umfragewerten, einer motivierten demokratischen Wählerschaft und wachsender Unruhe in den eigenen Reihen kämpfen, stellt sich der Präsident selbst ins Zentrum des Wahlkampfs.

Am 9. und 10. September veranstaltet die Republikanische Partei in Dallas erstmals einen Parteitag speziell für die Zwischenwahlen. RNC-Chef Joe Gruters nennt das Spektakel „Trumpapalooza“. Trump wird an beiden Tagen teilnehmen und bereits am ersten Abend die Hauptrede halten. Das Ziel ist klar: Seine Anhänger sollen so mobilisiert werden, als stünde er persönlich auf dem Wahlzettel.

Genau darin liegt jedoch das Risiko. Trumps Zustimmungswerte befinden sich auf einem Tiefpunkt seiner zweiten Amtszeit. Viele Wähler kritisieren seinen Umgang mit Inflation, Zöllen und dem Krieg im Iran. Einige republikanische Strategen befürchten deshalb, dass eine vollständig auf Trump zugeschnittene Kampagne besonders in umkämpften Wahlkreisen mehr schaden als nutzen könnte.

Der erfahrene republikanische Berater Charlie Black hält es für klüger, wenn Kandidaten die Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Themen lenken. In vielen Bundesstaaten und Wahlkreisen sei eine gewisse Distanz zum Präsidenten notwendig. Der ehemalige republikanische Abgeordnete Fred Upton sieht das ähnlich: Wer in einem politisch ausgeglichenen Bezirk gewinnen wolle, dürfe nicht den Eindruck erwecken, untrennbar mit Trump verbunden zu sein.

Doch die Parteiführung setzt auf das Gegenteil. Die Republikaner betrachten die Wahl vor allem als Mobilisierungswettbewerb. Eine Umfrage von Economist und YouGov ergab, dass 91 Prozent der registrierten Demokraten sicher wählen wollen, bei den Republikanern sind es lediglich 79 Prozent. Unter den entschlossenen Wählern liegt die Demokratische Partei deutlich vorn.

Trump selbst beklagt seit Längerem, dass viele seiner Anhänger zu Hause bleiben, wenn sein Name nicht auf dem Stimmzettel steht. Deshalb fordert er sie auf, einfach so zu tun, als kandidiere er selbst. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, kündigte an, Trump werde während seiner Rede direkt in die Kamera erklären: „Ich stehe auf dem Wahlzettel.“ Gemeint seien seine Regierung, sein politisches Vermächtnis und die „America First“-Agenda.

Die Idee für den Parteitag stammt ebenfalls vom Präsidenten. Als Trump Mike Johnson im vergangenen Jahr darauf ansprach, erklärte dieser zunächst, einen solchen Kongress gebe es gar nicht. Trumps Antwort lautete sinngemäß: Dann sorgen Sie eben dafür, dass es ihn gibt. So entstand ein politisches Großereignis, das die Partei einen soll, obwohl zahlreiche Kandidaten lieber möglichst weit davon entfernt bleiben möchten.

Mehrere Republikaner in besonders knappen Rennen haben bereits abgesagt. Senatorin Susan Collins bleibt in Maine und verweist auf ihre langjährige Gewohnheit, während eines Wahlkampfs keine Parteitage zu besuchen. Der Abgeordnete Tom Barrett will lieber in seinem Wahlkreis in Michigan um Stimmen kämpfen. Auch Mariannette Miller-Meeks aus Iowa hält ihre Anwesenheit zu Hause für wichtiger als einen Auftritt in Texas.

Eine Befragung von 70 republikanischen Kandidaten und Kongressmitgliedern durch Politico ergab, dass die meisten nicht teilnehmen wollen oder sich noch nicht entschieden haben. Das klingt für einen Parteitag, der Geschlossenheit demonstrieren soll, ungefähr so beruhigend wie eine Hochzeitsgesellschaft, die geschlossen „vielleicht“ angekreuzt hat.

Die Demokraten beobachten das Schauspiel mit sichtbarer Freude. Sie wollen die Zwischenwahlen ohnehin zu einer Abstimmung über Trump machen. Ihre Strategie besteht darin, jeden republikanischen Kandidaten möglichst eng mit dem Präsidenten, der wirtschaftlichen Lage und dem Iran-Krieg zu verbinden. Für Kandidaten in umkämpften Wahlkreisen entsteht dadurch ein Dilemma: Zeigen sie sich mit Trump, könnten sie Wechselwähler abschrecken. Halten sie Abstand, riskieren sie, dass seine Anhänger nicht zur Wahl gehen.

Besonders wichtig ist Texas. Dort hoffen die Demokraten erstmals seit Jahrzehnten wieder auf einen Sieg bei einer Senatswahl. In Umfragen liegt der Demokrat James Talarico vor dem republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton, der sich mit Trumps Unterstützung in den Vorwahlen durchgesetzt hatte. Trump erklärte, Paxtons Kampagne werde bei der Veranstaltung eine zentrale Rolle spielen.

Insgesamt sieht der Präsident etwa 35 entscheidende Rennen, darunter fünf Senats- und 30 Kongressmandate. In der Schlussphase des Wahlkampfs will er nach eigenen Angaben jeden dieser Orte besuchen. Für die Republikaner steht viel auf dem Spiel: Die Demokraten benötigen vier zusätzliche Sitze, um den Senat zu übernehmen, und drei weitere Mandate für eine Mehrheit im Repräsentantenhaus. Ein Machtwechsel würde es ihnen ermöglichen, Trumps Regierung in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit deutlich stärker zu kontrollieren.

Entscheidend wird sein, welche Botschaft von Dallas ausgeht. Republikanische Strategen raten dazu, über Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Belastungen und ein mögliches Ende des Iran-Krieges zu sprechen. Trump setzt dagegen zunehmend auf Angriffe gegen die Demokraten, die er als „Kommunisten“ bezeichnet. Die Parteiführung will deren angeblichen Linksruck zum Hauptthema machen.

Neben politischen Problemen kämpft „Trumpapalooza“ auch um Aufmerksamkeit. Noch ist unklar, welche großen Fernsehsender die Veranstaltung übertragen werden. Gleichzeitig beginnt die neue NFL-Saison. Während Trump in Dallas spricht, läuft auf NBC die Neuauflage des Super Bowls zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots. Am folgenden Abend tritt Vizepräsident JD Vance gegen das Spiel der San Francisco 49ers und der Los Angeles Rams an.

Die Republikaner müssen damit nicht nur die Demokraten schlagen, sondern auch Football. Für eine Partei, die Amerika wieder groß machen will, könnte das die schwierigere Aufgabe werden.

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