Künftig bezahlt das Auto selbst

Parkgebühren, Essensbestellungen, Online-Shopping: Rechnungen übernimmt das vernetzte Auto.

Die Mobilität von morgen baut auf das autonome Fahren. Die Zukunft besteht aus Tüfteln und Testen, die das Auto nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auf dem Weg mit der künstlichen Intelligenz (KI) sieht. Selbst den Hype der Digitalisierung verfolgende Jugendliche sind überfordert und können die Ergebnisse der KI ohne intensive Kenntnisse der Physik nicht erahnen.

Autos werden in der Zukunft nicht nur selbständig fahren, sondern Aufgaben übernehmen, die bis jetzt dem Fahrer obliegen oder mit dem Fahren gar nichts zu tun haben. Es gibt noch Parkhäuser, an deren Einfahrt Scheine gezogen, verwahrt und an Kassen im Gebäude zurückgegeben werden müssen. Erst wenn die verlangte Zahl von Münzen eingeworfen wurde, wird der Schein bestätigt zurückgegeben. Der Nutzer kann ihn an der Ausfahrt in den dort stehenden Automaten einschieben, damit sich danach die Schranke öffnet. Ach – der geneigte Leser kennt das nicht anders?

Nun, die Technik ist schon weiter – an den Parkhäusern qualifizierter Universitäten zum Beispiel! Kreditkarte rein, Kreditkarte raus, Schranke hoch – rein ins Parkhaus! Später an der Ausfahrt ohne vorherigen Besuch einer Kasse: Kreditkarte rein, Kreditkarte raus, Quittung raus, Schranke hoch – raus ins freie Straßenleben! Knopfdruck für Eingabewahl (was denn?), PIN-Abfrage? Fehlanzeige! Geht auch mit im Ausland ausgestellten Karten! Administration klein geschrieben! Das Risiko einer nicht vorhandenen PIN wird ignoriert. Wie geht es noch besser?

Ein Auto kann selbständig in ein Parkhaus fahren, sich dort einen freien Platz suchen und einige Zeit später – vom Besitzer über ein digitales Signal gerufen – zum Ausgang fahren. Dort muss es bezahlen können. So schön die Vorstellung ist, dass ein Auto selbständig in ein Parkhaus fährt, sich dort einen freien Platz sucht und einige Zeit später wieder wie gerufen wegfährt, ist es nicht. Das Fahrzeug kann das Parkhaus so lange nicht verlassen, bis es für den Aufenthalt bezahlt hat. In der TU Berlin wurde dafür 2011 der Lebensassistent kreiert (vgl. Kurz, Constanze)  Der Begriff „Mobile Payment“ war bisher nur fürs Bezahlen mit dem Smartphone geläufig. Durch Integration der Zahlungsfunktion als Form des Befehlens durch das intelligente Auto  gewinnt es neue Bedeutung.

Wie das Handy, wird das vernetzte Auto zur digitalen Geldbörse. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich über die Vernetzung eines Fahrzeugs künftig mehr Geld verdienen lässt als über den Verkauf des Autos selbst. Bis zum Jahr 2020 sollen laut der Marktforschungsfirma Gartner 250 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen der Welt unterwegs sein. Das autonome Fahren mit zunächst bis zu 60 km /h gehört dazu. Spätestens wenn der Wagen von allein fährt, hat der Fahrer viel Zeit, um nebenbei allerlei Dinge zu erledigen oder sich zu zerstreuen – und dabei Geld auszugeben.

Das betrifft bei der genannten maximalen Geschwindigkeit vorzugsweise Staus, während denen der Fahrer im Internet einkaufen, Filme leihen und diese anschauen kann. Im Auto werden wir durch die häufigeren Staus viel Zeit verbringen. Musik könnte heruntergeladen werden, Bankdienstleistungen in Anspruch genommen oder Parkplatz bzw. Tankrechnung bezahlt werden. JP Morgan sieht diese Zukunft in Deutschland als Basis für den Bereich Treasury Service. Menschen sollen einfache administrative Vorgaben so einfach wie möglich gestalten können. Das betrifft auch Befehlsgewalten der Kommunikation und langfristige Planungen, die als Ergebnis der aktuellen Autofahrt gestaltet werden müssen.

Dazu meldet sich der Fahrzeughalter in seinem Auto-System an und registriert sich mit seiner Kreditkarte bzw. seinem virtuellen Konto, für dessen Zugang keine Karte mehr erforderlich ist. Alles weitere erledigt das vernetzte Auto automatisch: Sobald es erkennt, dass sich die Tankfüllung leert, steuert es die nächstgelegene – günstigste – Tankstelle oder eine andere nach individueller Vorgabe an. Am Ende übernimmt das smarte Auto die Bezahlung, ohne dass der Fahrer aussteigen und zur Kasse gehen muss. In der Vergangenheit der Gegenwart Lebende glauben, dass das Auto den Menschen braucht, um den Zapfhahn zu bedienen. Die bisherige Technik des Tankens kann abgelöst werden. Jeder Fahrer muss dies immer noch selbst tun, wenn er ein noch nicht vollständig technisiertes Auto besitzt oder Bewegung braucht.

Automobilhersteller und ihre Technikpartner haben sich bisher nur darauf konzentriert dem Kunden das Parken einfacher zu machen. In Städten mit knappem Parkraum wird es künftig kaum noch kostenlose Parkplätze geben, wenn das Zahlsystem nicht integriert sein wird. Eine Park-App ist ein Bezahlsystem. Der Fahrer soll mit dem Bezahlvorgang so gut wie nichts mehr zu tun haben. Von den Parkgebühren wird der Fahrer erfahren, wenn er am Ende jedes Monats eine Abrechnung bekommt.

Daimler, Porsche und Volkswagen haben Start-ups gekauft, um Kunden das Bezahlen übers „ältere“ Smartphone oder virtuelle Konten zu ermöglichen. Damit ersparen sie ihnen den leidigen Gang zum Kassenautomaten und das Kramen nach Kleingeld – es sei denn, der Parkplatzsucher besucht schon jetzt ein intelligentes Parkhaus! Einen Schritt weiter ist ParkNow, der digitale Parkservice. Dessen Bezahlsystem ist voll in die Software neuer Fahrzeuge integriert. Dabei werden Parkgebühren nicht mehr übers Smartphone beglichen, sondern automatisch aus dem Auto heraus. Über das GPS-System erkennt das Fahrzeug von selbst, ob es sich in einer gebührenpflichtigen Parkzone befindet. Voraussetzung ist ein modernes Parksystem, das am Straßenrand oder im Parkhaus die Voraussetzungen geschaffen hat. Mit einem Klick am Armaturenbrett löst der Fahrer seinen Parkschein, sobald er weiterfährt, werden die Parkgebühren abgerechnet. Die Zeitersparnis hat ihren Preis: 25 Cent verlangt ParkNow für jedes Parken oder pauschal 2,99 Euro im Monat. Das ist noch nicht der „letzte Schrei“. Neuerungen können täglich präsentiert werden.

Das Kreditkartenunternehmen Visa, verfolgt das Konzept „Connected Car Commerce“. Nachdem es zusammen mit Honda schon ein Bezahlsystem fürs Tanken und Parken entwickelt hat, arbeitet Visa daran, das Auto auch für andere Leistungen bezahlen zu lassen – Essensbestellungen, Einkäufe ohne Aussteigen, Bankbesuche – so noch erforderlich. Über den Bildschirm des Armaturenbretts kann der Fahrer Bestellungen aufgeben oder Leistungen fordern. Das Bezahlen oder an Drive-in Bankschaltern das Auszahlen von Geld wickelt Visa über seinen Online-Dienst ab, ohne dass der Fahrer Geldbörse oder Kreditkarte zücken muss. Um vor Hackern zu schützen, werden im Auto keine Kontodaten gespeichert, sondern jeder einzelne Bezahlvorgang wird zur Sicherheit verschlüsselt.

Ohne die erforderliche Infrastruktur können Tankstellen, Mautstationen, Waschstraßen und Restaurants die genannten Leistungen nicht erbringen, bei denen sie sich mit dem Auto verknüpfen. Damit ein automatisches Park- und Bezahlsystem in den Städten funktioniert, müssen moderne Parkhäuser erstellt oder ausgebaut werden. An deren Ein- und Ausfahrten müssen Sensoren jedes Nummernschild identifizieren können. Das vernetzte Fahrzeug nützt nichts, wenn es in einer Stadt nur zwei Parkhäuser mit einem innovativen Service gibt und der Fahrer von dort aus noch weit zu Fuß gehen muss. Parkhausbetreiber rüsten bereits auf und machen nicht nur am Eingang zu Universitäten Kassenautomaten überflüssig.

Automobilhersteller und ihre Handelspartner müssen weiter sicherstellen, dass vernetzte Fahrzeuge auch im Ausland funktionieren und grenzüberschreitend zahlen. Auch während einer Urlaubsreise sollen Filme heruntergeladen und automatisch bezahlt werden können (vgl. Klemm, Thomas).

Nicht nur das Bezahlen, sondern auch die Kontoführung – wie oben angedeutet –  kann im vernetzten Auto zur Normalität werden. Die Bank „Wells Fargo“ bietet Autofahrern in den USA ein „In-Car-Banking“ an, das über Sprachsteuerung ermöglicht auf Konten zuzugreifen und Bankgeschäfte auf dem Rastplatz oder an der roten Ampel erledigen. Somit wird das Auto nicht nur zur fahrenden Geldbörse, sondern ersetzt Bankfilialen.

 

 

 

 

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