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Kreativräume statt Vermittlung? Der Fall Bremen wirft unbequeme Fragen auf

qimono (CC0), Pixabay
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Wenn ein Jobcenter fast eine Million Euro für einen sogenannten „Kreativraum“ ausgibt, während Arbeitsuchende auf Unterstützung warten und Mitarbeiter über Überlastung klagen, dann läuft etwas gewaltig schief.

Die Abberufung des Bremer Jobcenter-Chefs T. S. ist deshalb mehr als nur eine Personalie. Sie ist ein weiteres Warnsignal für ein System, das offenbar an manchen Stellen den Kontakt zur Realität verloren hat.

900.000 Euro für einen Workshop-Bereich mit Designer-Möbeln. Fast 300.000 Euro für ein Projekt, das deutlich günstiger genehmigt worden war. Gleichzeitig musste das Jobcenter bereits auf Haushaltsmittel des Folgejahres zurückgreifen, weil das Budget für die eigentliche Aufgabe – die Integration von Arbeitslosen – weitgehend aufgebraucht war.

Man muss sich das einmal vorstellen: Die Behörde, die Bürgern wirtschaftliche Vernunft, Mitwirkungspflichten und sparsamen Umgang mit Steuergeld predigt, leistet sich selbst Ausgaben, die selbst in großen Konzernen kritische Nachfragen auslösen würden.

Besonders brisant: Der größte Teil dieser Mittel stammt aus dem Etat der Bundesagentur für Arbeit. Also aus Beiträgen und Steuergeldern der Bürger.

Der Fall wirft deshalb eine viel größere Frage auf als die Zukunft von T. S.: Wie viele ähnliche Fälle gibt es eigentlich noch innerhalb der Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit?

Wie viele Projekte, Beraterverträge, Umbauten, Workshops und Prestigevorhaben werden bundesweit finanziert, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt?

Und wie oft wird erst dann hingeschaut, wenn ein Mitarbeiter Missstände öffentlich macht oder Medien nachfragen?

Der Bremer Fall sollte nicht mit einer Abberufung abgeschlossen werden. Er sollte der Beginn einer umfassenden Prüfung sein. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Kreativräume, sondern durch Transparenz, Wirtschaftlichkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern.

Die Steuerzahler haben ein Recht darauf zu erfahren, ob Bremen ein Einzelfall ist – oder nur die Spitze eines deutlich größeren Eisbergs.

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