Im Kanzleramt wurde wieder einmal ernsthaft verhandelt. Also dieses politische Ernsthaft, bei dem man sich einigt, dass man sich nicht einigt, aber immerhin gemeinsam weiterverhandelt.
Die Koalitionsspitzen haben sich am Sonntagabend zwar „weitgehend angenähert“, wie es aus Teilnehmerkreisen heißt – was im politischen Deutsch ungefähr bedeutet: Man hat Kaffee getrunken, genickt und die größten Konflikte freundlich in die Zukunft verschoben.
Vor allem die SPD sorgt dabei für Spannung: Steuersenkungen für mittlere Einkommen sollen kommen – irgendwann, irgendwie, vermutlich mit Hilfe von Excel und Hoffnung. Finanzminister Lars Klingbeil arbeitet dabei offenbar mit einem besonders kreativen Haushaltsinstrument: „Luftbuchungen Plus Zukunftsoptimismus“.
Das Problem: Die versprochenen Entlastungen schrumpfen schneller als ein SPD-Umfragewert nach einem harten Nachrichtenwochenende. Statt „mehrere hundert Euro Entlastung“ könnte am Ende nur noch der steuerlich ohnehin vorgeschriebene Standardservice übrig bleiben: Grundfreibetrag hoch, kalte Progression runter, Applaus bitte gedämpft.
Die Union schaut dabei zu wie jemand, der beim gemeinsamen Kochen merkt, dass der andere den Kühlschrank schon halb leer gemacht hat, aber trotzdem „es wird schon reichen“ sagt.
Besonders kreativ wird es beim Haushalt 2027: Dort werden offenbar Rücklagen aus 2028 eingeplant. Ein Konzept, das in der Wirtschaft sonst nur als „Ich leihe mir mein eigenes Weihnachtsgeld von nächstem Jahr“ bekannt ist.
Währenddessen wächst die politische Grundfrage: Kommt die SPD mit solchen Zahlen eigentlich noch sicher über die 5-Prozent-Hürde oder muss der Bundestag bald einen „Teilnahmebonus für Traditionsparteien“ einführen?
Die aktuelle Stimmungslage: viel Reformrhetorik, wenig Spielraum und ein Koalitionsausschuss, der schon vorsorglich seine Kalender blockiert hat – vermutlich für das nächste Kapitel „Wir sind fast fertig, diesmal wirklich“.
Unterm Strich bleibt die große Frage: Ist das schon Regierung oder noch Testbetrieb? Und vor allem: reicht das alles überhaupt noch für einen sicheren Platz im Bundestag – oder wird demnächst auch dort erstmal „kreativ konsolidiert“?
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