Dating war schon immer kompliziert. Früher ging es dabei vor allem um Gefühle, Erwartungen und die Frage, wer nach dem ersten Treffen zuerst schreibt. Heute kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Kann man sich das zweite Getränk überhaupt noch leisten?
Wegen Inflation und steigender Lebenshaltungskosten setzen immer mehr Singles auf günstige Verabredungen. Statt Cocktailbar gibt es Kaffee, statt Restaurant einen Spaziergang und statt Wochenendtrip eine Parkbank mit mitgebrachtem Mineralwasser.
Natürlich braucht auch dieses Phänomen einen modernen Namen. Deshalb heißt Spar-Dating jetzt „Infladating“ oder „Dateflation“. Denn eine einfache Verabredung klingt offenbar erst dann nach Trend, wenn sie wie ein Finanzprodukt klingt.
Datingexperten sehen darin durchaus Vorteile. Viele Menschen verzichten inzwischen ganz auf Verabredungen, weil sie sich teure Abende nicht leisten können. Besonders Männer fühlten sich teilweise unter Druck, beim ersten Treffen ein aufwendiges Essen bezahlen zu müssen.
Dabei möchten viele Singles am Anfang ohnehin lieber etwas Unkompliziertes. Ein Kaffee ist schnell getrunken. Bei fehlender Chemie kann man nach einer Stunde freundlich verschwinden. Bei einem Fünf-Gänge-Menü sitzt man dagegen möglicherweise noch beim Dessert und überlegt, ob ein vorgetäuschter medizinischer Notfall gesellschaftlich vertretbar wäre.
Günstige Dates haben außerdem einen weiteren Vorteil: Ohne Champagner, Kerzenlicht und spektakuläre Kulisse zeigt sich schneller, ob zwei Menschen tatsächlich etwas miteinander anfangen können.
Wer bereits beim ersten Treffen mit Luxusrestaurant, Geschenken und übertriebener Romantik auffährt, sollte nach Ansicht von Experten ohnehin kritisch betrachtet werden. Das könne weniger echte Zuneigung als vielmehr eine sorgfältig inszenierte Vorstellung sein.
Mit anderen Worten: Wer nach zehn Minuten behauptet, man sei die Liebe seines Lebens, hat entweder sehr viel Gefühl oder sehr wenig Geduld.
Infladating könnte deshalb mehr sein als eine Reaktion auf hohe Preise. Es zwingt Singles dazu, weniger mit Geld und mehr mit Persönlichkeit zu beeindrucken.
Und falls das Date schlecht läuft, hat man wenigstens nur einen Kaffee verloren.
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