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Kommentar: Typisch deutsch? Erst Helden feiern – dann Köpfe fordern

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Deutschland ist raus. Wieder einmal endet eine Weltmeisterschaft früher als erhofft. Die Enttäuschung sitzt tief, die Emotionen kochen hoch und wie so oft beginnt unmittelbar nach dem Schlusspfiff die große Suche nach Schuldigen.

Julian Nagelsmann? Weg.

Trainerteam? Austauschen.

Neuanfang? Sofort.

Es gehört inzwischen fast schon zur deutschen Fußball-DNA, nach einer Niederlage alles infrage zu stellen. Dabei lohnt sich gerade jetzt ein Moment der Nüchternheit.

Natürlich war das Ausscheiden gegen Paraguay eine riesige Enttäuschung. Natürlich muss sich die Nationalmannschaft kritische Fragen gefallen lassen. Und selbstverständlich trägt auch der Bundestrainer Verantwortung für taktische Entscheidungen, Personal und Spielweise.

Aber macht eine Niederlage automatisch einen schlechten Trainer?

Wohl kaum.

Fußball ist manchmal brutal. Ein verschossener Elfmeter, eine VAR-Entscheidung, ein einziger Moment können über Triumph oder Heimflug entscheiden. Zwischen Held und Versager liegen oft nur wenige Zentimeter.

Trotzdem ist Deutschland ein Land, das im Fußball selten Maß hält. Gewinnt die Mannschaft, wird der Trainer zum Genie erklärt. Verliert sie, beginnt sofort die öffentliche Demontage.

Genau diese Schnelllebigkeit hilft niemandem.

Allerdings gibt es auch die Realität des Spitzenfußballs.

Der öffentliche Druck ist inzwischen enorm. Nach den WM-Pleiten 2018, 2022 und nun dem Aus gegen Paraguay dürfte Julian Nagelsmann kaum noch die notwendige Ruhe bekommen, um langfristig weiterzuarbeiten. Ob das sportlich gerechtfertigt ist oder nicht, spielt im Profifußball oft nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die Diskussionen werden in den kommenden Tagen immer lauter werden. Sponsoren, Fans, Medien und Funktionäre werden Antworten verlangen. Erfahrungsgemäß endet ein solcher Sturm selten mit einem klaren Bekenntnis zum Trainer.

Deshalb spricht vieles dafür, dass Nagelsmann trotz Vertrag nicht mehr zu halten sein wird.

Nicht unbedingt, weil er allein schuld wäre.

Sondern weil im deutschen Fußball nach großen Turnierenttäuschungen fast immer ein personeller Neuanfang als einfachste Lösung verkauft wird.

Ob das am Ende tatsächlich die richtige Lösung ist, bleibt offen.

Denn eines sollte man nicht vergessen: Die Probleme des deutschen Fußballs haben nicht erst gegen Paraguay begonnen. Sie reichen deutlich tiefer als die Frage, wer an der Seitenlinie steht.

Vielleicht wäre genau das die eigentliche Diskussion, die Deutschland jetzt führen sollte. Statt reflexartig den Trainer auszutauschen, müsste endlich ehrlich analysiert werden, warum eine Fußballnation mit so viel Potenzial seit Jahren immer wieder an denselben Schwächen scheitert.

Denn eines ist sicher: Ein neuer Bundestrainer allein wird diese Probleme nicht im Alleingang lösen.

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