Die Enttäuschung sitzt tief. Wieder einmal ist der 1. FC Lok Leipzig in der Relegation zur 3. Liga gescheitert. Wieder einmal war der Traum vom Profifußball zum Greifen nah – und am Ende doch unerreichbar. Umso überraschender kam für viele Fans die Nachricht, dass Trainer Jochen Seitz seinen Vertrag nicht antreten und den Verein verlassen wird. Doch bei aller Anerkennung für seine Verdienste: Die Entscheidung ist nachvollziehbar und vielleicht sogar notwendig.
Niemand kann Jochen Seitz absprechen, dass er in Probstheida hervorragende Arbeit geleistet hat. Zwei Meisterschaften in der Regionalliga Nordost, der Sachsenpokalsieg und unvergessliche Momente wie das DFB-Pokalspiel gegen Schalke sprechen für sich. Dafür gebührt ihm Respekt und Dankbarkeit.
Trotzdem muss man sich als Lok-Fan ehrlich machen. Wer die Leistungen der Mannschaft in den vergangenen Wochen gesehen hat, muss die unangenehme Frage stellen: Hätte das wirklich für die 3. Liga gereicht?
Gerade in den entscheidenden Spielen wirkte Lok nicht wie eine Mannschaft, die bereit ist für den nächsten Schritt. Es fehlte häufig an Durchschlagskraft, an Ideen im Offensivspiel und vor allem an der Fähigkeit, in den entscheidenden Momenten den berühmten letzten Meter zu gehen. Die Aufstiegsspiele gegen Würzburg haben die Schwächen schonungslos offengelegt.
Natürlich trägt dafür nicht allein der Trainer die Verantwortung. Fußball ist immer eine Gemeinschaftsleistung. Aber nach zwei gescheiterten Relegationen in Folge ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem neue Impulse notwendig werden. Nicht aus Undankbarkeit, sondern weil Stillstand selten der Weg zum Erfolg ist.
Der Rückzug von Seitz wirkt deshalb wie eine konsequente Entscheidung. Vielleicht hat auch er selbst erkannt, dass nach den emotionalen Rückschlägen ein Neuanfang für beide Seiten sinnvoll ist. Die Belastung der vergangenen Wochen war ihm deutlich anzumerken.
Jetzt beginnt für Lok Leipzig die nächste wichtige Phase. Die Verantwortlichen müssen die richtigen Lehren aus der Saison ziehen und einen Trainer finden, der neue Ideen, neue Energie und vielleicht auch eine andere Spielphilosophie mitbringt. Der Kader muss kritisch analysiert werden. Denn eines sollte klar sein: Nur Meister der Regionalliga zu werden, reicht nicht mehr. Das Ziel muss sein, auch die Relegation erfolgreich zu bestehen.
Jochen Seitz hinterlässt keinen Scherbenhaufen, sondern ein stabiles Fundament. Dafür verdient er Anerkennung. Aber genauso verdient der Verein nach zwei verpassten Aufstiegen die Chance auf einen echten Neustart.
Der Schmerz über Würzburg wird noch eine Weile bleiben. Doch wenn Lok eines aus dieser Enttäuschung mitnehmen kann, dann die Erkenntnis, dass es manchmal Mut zur Veränderung braucht, um das große Ziel doch noch zu erreichen. Probstheida braucht jetzt keine Schuldzuweisungen – Probstheida braucht einen Neuanfang.
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