Die Rede von König Charles III. vor dem US-Kongress war nach Einschätzung des britischen Königshauses ein Moment mit hohem Risiko – politisch sensibel, aber bewusst so gesetzt. Ein ranghoher Palastmitarbeiter sprach von einem „High-Stakes“-Augenblick, der zugleich die persönlichen Überzeugungen des Monarchen widerspiegele.
In seiner Ansprache hatte Charles die USA dazu aufgerufen, demokratische Werte zu verteidigen, die Ukraine zu unterstützen und an der Seite der Nato zu stehen. Hinter den klaren Worten stehe, so der Palast, das „Gewissen“ des Königs. Alles, was er gesagt habe, basiere auf „beobachtbaren Fakten“.
Die Rede wurde im Kapitol mit großer Zustimmung aufgenommen. Insgesamt zwölf Mal erhoben sich Abgeordnete zu stehenden Ovationen – ein bemerkenswertes Echo für einen britischen Monarchen in einem politisch aufgeheizten Umfeld.
Der Staatsbesuch fand vor dem Hintergrund spürbarer Spannungen zwischen London und Washington statt. Zuletzt hatte die britische Regierung entschieden, sich nicht am Iran-Krieg zu beteiligen – ein Punkt, der für Differenzen mit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump sorgte.
Umso überraschender bewerten Beobachter die offenbar gute persönliche Atmosphäre zwischen Charles und Trump. Hinter den Kulissen habe es „viel Wärme und auch Lachen“ gegeben, heißt es aus Palastkreisen. Trotz politischer Unterschiede sei das Verhältnis deutlich unkomplizierter gewesen als erwartet.
Ganz ohne Reibung verlief der Besuch jedoch nicht. Für diplomatische Irritationen sorgten Aussagen Trumps, der wiederholt den Eindruck erweckte, der König unterstütze seine Positionen – etwa im Konflikt mit dem Iran. Buckingham Palace bemühte sich um Einordnung und verwies darauf, dass die Haltung des Königs im Einklang mit der britischen Regierung stehe, insbesondere beim Thema nukleare Nichtverbreitung.
Öffentliche Klarstellungen zu späteren Aussagen Trumps blieben jedoch aus.
Der Besuch hatte auch wirtschaftliche Folgen: Kurz vor Ende kündigte Trump an, Zölle auf Whisky-Importe abzuschaffen – ein Schritt, der in Großbritannien, insbesondere in Schottland, positiv aufgenommen wurde. Der US-Präsident erklärte dazu, die Royals hätten ihn dazu bewegt – „ohne überhaupt richtig zu fragen“.
In Großbritannien selbst scheint der Auftritt des Königs die Skepsis vieler Bürger gedreht zu haben. Laut einer YouGov-Umfrage bewerten 74 Prozent den Besuch als gelungen, nur vier Prozent sehen ihn kritisch. Vor der Reise hatte noch deutliche Zurückhaltung überwogen.
Beobachter sprechen inzwischen von einem diplomatischen Erfolg. Der Historiker Andrew Lownie bezeichnete die positive Resonanz als „bemerkenswert“, gerade auch unter republikanisch gesinnten Briten.
Der Staatsbesuch sei, so ein Palastmitarbeiter, letztlich eine Chance gewesen – und der König habe sie „mit beiden Händen ergriffen“.
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