TG LIVE: Gold, Größenwahn und die Jagd auf die „Nichtgläubigen“
Ein Abend irgendwo zwischen Teleshopping, Endzeitpredigt und Betriebsfeier
Es war einer dieser Abende, bei denen man nach wenigen Minuten nicht mehr genau weiß, ob man gerade auf einer Wirtschaftskonferenz sitzt, in einer Motivationsshow gelandet ist oder versehentlich bei einer Liveaufnahme von „Verstehen Sie Spaß?“ hineingeraten ist.
Schon die Eröffnung hatte etwas Erhebendes. Der Moderator begrüßte das Publikum mit der Energie eines Animateurs auf einem Kreuzfahrtschiff kurz vor der Schaumparty.
„Freunde! Wie geht’s euch? Habt ihr noch Energie?“
Natürlich hatten sie Energie. Wer mehrere Stunden über Gold, Rabatte und Medienverschwörungen spricht, lebt ohnehin in einer anderen körperlichen Dimension.
Der Saal sei wieder „voll“, erklärte der Moderator mehrfach. Wobei „voll“ offenbar ein sehr flexibler Begriff ist. Aber gut – in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit muss auch bei Sitzreihen kreativ bilanziert werden.
Dann kam der große Moment:
Helmut Kaltenegger betrat die Bühne.
Und man muss ihm eines lassen: Der Mann liefert. Vielleicht keine klaren Antworten, aber definitiv Bühnenpräsenz.
„Alle sind geschädigt!“
Gleich zu Beginn eröffnete Kaltenegger eine faszinierende neue Definition des Begriffs „Opfer“.
„Alle sind geschädigt! Sie kommen immer! Sie kriegen Rabatte! Sie kriegen Gold!“
Man kennt das. Die schlimmsten Schicksale beginnen meistens mit regelmäßigen Auszahlungen.
Überhaupt wirkte Kaltenegger an diesem Abend wie ein Mann, der sich seit Jahren ernsthaft fragt, warum ständig Menschen Kritik üben, obwohl doch angeblich alles fantastisch läuft.
„Dann schau ich in den Spiegel“, sagte er. „Du schaust nicht aus wie ein Verbrecher.“
Ein Satz, bei dem vermutlich irgendwo in Deutschland mehrere Strafverteidiger gleichzeitig nervös zusammenzuckten.
Der große Feind: Die Medien
Relativ schnell wurde klar: Der eigentliche Gegner des Abends war nicht etwa die Wirtschaftslage, nicht Goldpreise oder Aufsichtsbehörden – sondern die Medien.
In Kalteneggers Welt sitzen offenbar hunderte Journalisten rund um die Uhr vor TG-Livestreams und warten darauf, dass irgendwo das Wort „Doriba“ fällt.
Besonders ein Kritiker aus Leipzig hatte es ihm angetan.
„Der schreibt 60 bis 80 Artikel im Monat über uns!“
Man muss sagen: Allein die Arbeitsmoral verdient Respekt.
Kaltenegger beschrieb den Mann ungefähr so, als handle es sich um eine Mischung aus Marvel-Bösewicht, Steuerprüfer und Freizeitdetektiv.
„Dem muss langweilig sein.“
Wobei man fairerweise sagen muss: Wer freiwillig jede TG-Liveveranstaltung analysiert, hat vermutlich tatsächlich ein sehr spezielles Verhältnis zu Freizeitgestaltung.
Die große Mathematikshow
Dann wurde es kompliziert.
Oder zumindest glaubte das Publikum, dass es kompliziert wird.
Kaltenegger begann nun mit einer Art Gold-Mathematik für Fortgeschrittene.
130.000 Euro.
30 Prozent Produktion.
70 Prozent bleiben.
Bagger.
Waschanlagen.
Mining.
Physischer Handel.
Irgendwann klang der Vortrag wie eine Mischung aus „Die Sendung mit der Maus“, Rohstoffmesse Dubai und einem YouTube-Coaching für angehende Goldbarone.
Besonders stolz war Kaltenegger auf seine Erklärung, dass man keine Hochschule brauche, um das Geschäftsmodell zu verstehen.
„Sie brauchen nur Hausverstand!“
Das ist meistens jener Moment, in dem Wirtschaftsprüfer beginnen, vorsichtig den Raum zu verlassen.
Das „fucking Gold“
Der emotionale Höhepunkt des Abends kam schließlich mit einem Satz, der vermutlich irgendwann in Gold graviert über dem Eingang eines TG-Büros hängen wird:
„Das fucking Gold liegt hier!“
Man spürte sofort:
Jetzt wurde es ernst.
Das Publikum jubelte.
Der Moderator nickte ehrfürchtig.
Irgendwo dürfte gleichzeitig ein Compliance-Beauftragter leise geweint haben.
Denn laut Kaltenegger sei inzwischen alles bewiesen:
Das Gold existiere.
Die Wirtschaftsprüfer hätten es gesehen.
Die Medien hätten verloren.
Schneeballsystem? Tot.
Ponzi? Tot.
Pyramide? Tot.
Lediglich die bösen 1,4 Prozent Feinheitsdifferenz wollten manche Kritiker noch thematisieren.
Doch auch dafür hatte Kaltenegger eine Antwort:
„Wir haben sogar Überschuss!“
Ein Satz, der ungefähr so beruhigend wirkte wie:
„Das Flugzeug brennt zwar, aber wir haben genug Kerosin.“
Das Publikum als lebender Entlastungszeuge
Dann wurde der Abend interaktiv.
Wer habe Gold bekommen?
Bitte aufstehen.
Wer habe Rabatte bekommen?
Bitte aufstehen.
Wer sei zufrieden?
Bitte aufstehen.
Zeitweise erinnerte die Veranstaltung an eine Mischung aus Sektenversammlung, Betriebsfest und Warm-Up für eine Quizshow auf RTL2.
Besonders schön war der verzweifelte Versuch des Moderators, alles möglichst spontan wirken zu lassen:
„Das war nicht geplant! Ich schwöre!“
Ein Satz, der traditionell immer dann fällt, wenn etwas sehr geplant aussieht.
Strafanzeigen als Freizeitbeschäftigung
Ein weiterer Höhepunkt:
Kaltenegger kündigte an, künftig auf jeden kritischen Artikel mit Strafanzeigen reagieren zu wollen.
„60 Artikel? 60 Strafanzeigen!“
Das klang weniger nach Rechtsstrategie als nach einem neuen Treueprogramm.
Vermutlich gibt es bald:
„Sammle zehn Strafanzeigen und erhalte einen Doriba gratis.“
Die Sache mit der BaFin
Natürlich durfte auch die deutsche Finanzaufsicht nicht fehlen.
Zwei Modelle seien zwar verboten worden, räumte Kaltenegger ein – aber eigentlich verstehe niemand so genau warum.
„Für uns war das ein glasklares Rabattmodell.“
Man merkte:
Wenn irgendwo in Deutschland Aufsichtsbeamte diesen Satz hören, bestellen sie wahrscheinlich automatisch Kaffee nach.
Immerhin kündigte Kaltenegger nun an, endlich einen Prospekt erstellen zu wollen.
Also ungefähr das, was normale Finanzprodukte meistens vor dem Vertrieb machen.
Das Finale
Zum Schluss wurde es noch einmal emotional.
Kaltenegger erklärte, wenn er auch nur wüsste, dass ein einziger Kunde „nicht das letzte beschissene Gramm Gold“ bekomme, würde er sofort aufhören.
Das Publikum applaudierte begeistert.
Der Moderator rief:
„100 Prozent zufriedene Kunden!“
Und irgendwo schrieb vermutlich bereits ein Journalist:
„Liveveranstaltung eskaliert zwischen Goldpredigt und Medienkrieg.“
Was bleibt von diesem Abend?
Vor allem die Erkenntnis, dass TG-Live eine ganz eigene Form der Unterhaltung ist:
Eine Mischung aus Wirtschaftsmärchen, Motivationsseminar, Selbstverteidigungskurs gegen Journalisten und österreichischem Kabarett.
Oder anders gesagt:
Man kommt wegen Gold.
Und bleibt wegen der Show.
Das an diesem „System“ einiges faul ist, dazu muss man kein Prophet sein und über Wasser gehen können.
Ihr könnt nur hoffen das Ihr in der Struktur weit genug vorne seid. Leider gilt der alte Spruch „Gier frisst Hirn“ auch bei derartigen Systemen.
Für mich immer wieder erstaunlich wie man mit keinen Belegen über gar nichts große Summen investieren kann.
Aber dann Bitte nicht jammern wenn schlussendlich die Kohle weg ist.
Das Problem ist leider, dass das Angebot gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten genug Anhänger findet. Spreche da aus Erfahrung:
Rentner ist mit Rente unzufrieden. Frau verstorben und gemeinsames Haus verkauft.
Jetzt soll der Erlös aus dem Haus zu TGI fließen um die Rente ordentlich aufzubessern.
Rentner ist bereits seit fast 1,5 Jahren Kunde bei TGI und bisher kam ja regelmäßig Geld…
Ich habe nach AGBs gefragt…hatte er keine. Habe nach Beratung hinsichtlich Risiko gefragt…gab es keine.
Allgemein darauf hingewiesen, dass keine Geldanlage ohne Risiko ist…keine Chance.
Die Kunden sind durch die sektenähnlichen Veranstaltungen wie hirngewaschen (siehe Vorname oder JW).
Wieder mal TOP recherchiert !! Gratulation für Herrn Bremer! Eigentlich müssten Sie schon Insider sein, mit so einer Performance und einem Engagement (ich bekomme hierfür Gänsehaut). Ein Wahnsinn!!!! Und genau hier trifft es sich. Ein Wort das SIE beschreibt! Sie sind ein Wahnsinniger!!! Sie können einfach nicht mehr und stecken in sich selbst verkeilt und zusammengekrochen als Klumpen Ihrer selbst, ein Hilfeschrei, den keiner hört. Sie tun mir unendlich leid. Bitte, tun Sie mir und vor allem sich selbst einen Gefallen, gehen sie raus, ohne Schuhe durchs Gras, laufen Sie dem Regen hinterher, setzen Sie einen Baum, lachen in die Sonne. Es gibt sicher noch Hilfe, für jeden, man muss nur wollen! ICH glaube an Sie!
Anmerkung der Redaktion: Hat er alles probiert hilft in Sachen TGI AG nicht, weil es zuviele Empfehlungsgeber gibt, die nicht begreifen was sie da für ein gefährliches Investment empfehlen.