Vor der Küste des Jemen haben bewaffnete Angreifer einen Öltanker in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben somalischer Sicherheitskreise wurde das Schiff „MT Eureka“ im Golf von Aden von Piraten überfallen und befindet sich inzwischen auf Kurs in Richtung Somalia.
Demnach ereignete sich der Angriff in den frühen Morgenstunden nahe der jemenitischen Hafenstadt Qana. Das unter der Flagge Togos fahrende Schiff wurde von bewaffneten Männern gestürmt und kontrolliert. Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der Tanker in den kommenden Stunden somalische Gewässer erreichen und dort vor Anker gehen könnte.
Die Angreifer sollen von der nordostsomalischen Küste gestartet sein, aus der Region um die Hafenstadt Qandala. Mehrere Sicherheitsvertreter aus dem halbautonomen Puntland bestätigten entsprechende Hinweise.
Es ist bereits der zweite erfolgreiche Angriff auf einen Öltanker innerhalb von zehn Tagen. Erst am 22. April hatten Piraten das Schiff „Honor 25“ gekapert, das mit rund 18.500 Barrel Öl unterwegs nach Mogadischu war.
Parallel zu dem aktuellen Vorfall meldete die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO eine weitere bedrohliche Situation: Bewaffnete Personen hätten sich einem Frachtschiff nahe der jemenitischen Stadt Al-Mukalla genähert. Auch hier wird ein Zusammenhang mit Piraten aus somalischen Küstenregionen vermutet.
Die jüngsten Vorfälle deuten darauf hin, dass sich die Piraterie entlang der somalischen Küste wieder ausbreitet. Innerhalb von nur zwei Wochen wurden vier erfolgreiche Kaperungen registriert. Experten sehen darin eine besorgniserregende Entwicklung.
Noch vor einigen Jahren galt die Piraterie am Horn von Afrika als weitgehend eingedämmt. Internationale Marineeinsätze hatten seit 2011 für deutlich mehr Sicherheit gesorgt. Doch seit Ende 2023 hat sich die Lage wieder verschärft.
Ein Grund dafür liegt in der veränderten Sicherheitslage im Roten Meer und im Golf von Aden. Angriffe der Huthi-Miliz auf internationale Schiffe haben dazu geführt, dass sich westliche Marinekräfte verstärkt auf diese Bedrohung konzentrieren. Dadurch entstehen offenbar neue Sicherheitslücken, die Piratengruppen gezielt ausnutzen.
„Die Situation ist deutlich ernster, als viele denken“, sagte ein Sicherheitsvertreter aus Puntland. Entlang der Küste gebe es zunehmende Aktivitäten bewaffneter Gruppen.
Offizielle Stellungnahmen der somalischen Behörden oder der EU-Mission EUNAVFOR, die Anti-Piraterie-Einsätze koordiniert, stehen bislang aus.
Die Region bleibt damit ein gefährlicher Knotenpunkt für die globale Schifffahrt – mit potenziellen Folgen für den internationalen Handel und die Energieversorgung.
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