Wer Online-Dating nutzt, hat möglicherweise schon einmal die Wahrheit etwas ausgeschmückt. Ein paar Zentimeter mehr bei der Körpergröße, ein älteres Foto oder ein geschönter Lebenslauf – genau für dieses Verhalten gibt es inzwischen einen eigenen Begriff: „Kittenfishing“.
Anders als beim bekannten „Catfishing“, bei dem Menschen eine komplett erfundene Identität vortäuschen, geht es beim Kittenfishing um kleinere Übertreibungen oder Halbwahrheiten. Das Ziel bleibt jedoch dasselbe: attraktiver zu wirken und die Chancen auf ein Match zu erhöhen.
Typische Beispiele sind geschönte Angaben zum Alter, zur Ausbildung oder zum Beruf. Auch stark bearbeitete Fotos oder Bilder, die nicht mehr dem aktuellen Aussehen entsprechen, fallen darunter. Die Täuschungen mögen harmlos erscheinen, können jedoch bereits beim ersten Treffen zu Enttäuschungen führen.
Dating-Coach Amy Chan bezeichnet Kittenfishing als die „jugendfreie Version des Catfishings“. Ihrer Erfahrung nach entstehen solche Übertreibungen meist nicht aus böser Absicht, sondern aus Unsicherheit. Viele Nutzerinnen und Nutzer hätten das Gefühl, sich in der Konkurrenz der Dating-Apps besonders hervorheben zu müssen.
Genau darin liegt jedoch das Problem. Wer mit einer Unwahrheit startet, riskiert, das Vertrauen des Gegenübers schon zu verlieren, bevor überhaupt eine echte Verbindung entstehen kann. Selbst kleine Abweichungen zwischen Profil und Realität werden häufig als Täuschung wahrgenommen.
Auch Dating-Expertin Damona Hoffman warnt vor den Folgen. Wer sich online anders darstelle, als er tatsächlich sei, schüre Erwartungen, die später kaum erfüllt werden könnten. Beim Dating gehe es letztlich nicht darum, möglichst viele Likes zu sammeln, sondern eine echte Beziehung aufzubauen.
Die Versuchung, sich von der besten Seite zu zeigen, sei allerdings nicht auf Dating-Plattformen beschränkt. Soziale Netzwerke fördern generell die Tendenz, nur die positiven und attraktiven Aspekte des eigenen Lebens zu präsentieren. Beim Dating sei Authentizität jedoch besonders wichtig, da nur so festgestellt werden könne, ob zwei Menschen tatsächlich zueinander passen.
Experten empfehlen deshalb, auf Ehrlichkeit statt auf Schönfärberei zu setzen. Fotos sollten die eigene Persönlichkeit widerspiegeln und nicht nur das Aussehen in Szene setzen. Statt einer Reihe perfekt inszenierter Bilder könne etwa ein Foto von einem Hobby oder einer Reise Gesprächsanlässe schaffen und einen authentischeren Eindruck vermitteln.
Für viele Fachleute ist der Trend auch Ausdruck einer wachsenden Frustration auf dem Dating-Markt. Die Suche nach einem passenden Partner wird von vielen Menschen als zunehmend schwierig empfunden. Gerade deshalb könne der Versuch, sich besser darzustellen als man ist, langfristig mehr schaden als nutzen.
Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Wer beim Kennenlernen auf Ehrlichkeit setzt, hat zwar vielleicht weniger Matches – dafür aber bessere Chancen auf eine echte Verbindung.
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