Da sitzt man gemütlich vor seinem Computer, schaut auf seine Kryptowährungen und glaubt, sein digitales Vermögen sei sicher. Und plötzlich kommt offenbar ein Hackerkommando aus Nordkorea vorbei und räumt in 20 Minuten mehr als sechs Milliarden Dollar ab. Willkommen in der wunderbaren Welt der Kryptowährungen!
Man muss es sich einmal vorstellen: 6,36 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro, sollen Hacker bei der weltgrößten Kryptobörse Binance erbeutet haben. Nicht mit einem Fluchtwagen, nicht mit einem Bagger vor dem Bankautomaten, sondern ganz bequem per Computer.
Und wer soll dahinterstecken? Ausgerechnet Nordkorea!
Jenes Land, in dem die Bevölkerung wirtschaftlich nicht gerade auf Rosen gebettet ist, scheint zumindest über ausgesprochen talentierte IT-Fachkräfte zu verfügen.
Kim Jong-un braucht offenbar keinen Bankkredit mehr
Die amerikanische Analysefirma TRM Labs vermutet die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor hinter dem spektakulären digitalen Raubzug.
Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnte man fast glauben, Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un habe eine besonders kreative Lösung für seine Staatsfinanzen gefunden.
Andere Regierungen erhöhen Steuern, kürzen Ausgaben oder nehmen neue Schulden auf. In Nordkorea sitzt angeblich jemand am Laptop und klickt sich durch die Milliardenbestände fremder Kryptobörsen.
Natürlich ist das satirisch überspitzt. Die Täterschaft ist bislang nicht abschließend behördlich bestätigt.
Binance verspricht: Keine Sorge, wir bezahlen alles!
Bei Binance bemühte man sich unterdessen um Beruhigung. Die Kundenvermögen seien sicher, sämtliche Verluste würden ersetzt.
Das klingt zunächst erfreulich.
Allerdings darf man durchaus fragen, wie es möglich ist, dass bei einer der größten Kryptobörsen der Welt innerhalb kürzester Zeit Milliardenbeträge verschwinden können.
Vielleicht sollte man dort künftig nicht nur den Bitcoin-Kurs, sondern gelegentlich auch die digitale Hintertür kontrollieren.
Immerhin konnten nach bisherigen Angaben Vermögenswerte in Milliardenhöhe eingefroren werden. Andere Bestände befinden sich weiterhin außerhalb der direkten Zugriffsmöglichkeiten der beteiligten Unternehmen.
Und was macht der Bitcoin? Er bekommt Schnappatmung!
Die Kryptomärkte reagierten nervös. Bitcoin fiel zeitweise unter 77.000 Dollar.
Da dürfte mancher Anleger erstmals überlegt haben, ob das gute alte Sparbuch vielleicht doch nicht die schlechteste Erfindung der Menschheitsgeschichte war.
Währenddessen erklärte die österreichische Kryptoplattform Bitpanda, von dem Vorfall nicht betroffen zu sein.
Wenigstens eine beruhigende Nachricht aus der digitalen Finanzwelt.
Unser Fazit: Vielleicht doch wieder das Geld unter die Matratze?
Natürlich ist auch eine Matratze kein sicherer Aufbewahrungsort für Vermögen. Aber sie hat immerhin einen entscheidenden Vorteil: Ein nordkoreanischer Hacker kann sie nicht einfach über das Internet leerräumen.
Was bleibt, ist eine ziemlich ernste Frage hinter einer beinahe unglaublichen Geschichte:
Wenn selbst ein globaler Kryptogigant Milliarden nicht zuverlässig vor Cyberangriffen schützen kann, wie sicher ist dann eigentlich das digitale Vermögen seiner Kunden?
Und in Pjöngjang? Dort wird man vermutlich bestreiten, irgendetwas damit zu tun zu haben.
Vielleicht sitzt Kim Jong-un auch nur vor seinem Computer und wundert sich, warum plötzlich alle Welt über Binance spricht.
Ein satirischer Kommentar für diebewertung.de
Wer sagt, dass das Nordkorea war?
Ich hörte, ein Goldhändler aus Wien bzw. ehemals Vaduz behauptet, hohe Zahlungen in Kryptowährungen durchführen zu können.
Wenn man da eins und eins zusammenzählt ;-)