Ein Kommentar von Thomas Bremer – diebewertung.de
Heute ist also der große Tag der Generation Z. Unter dem Motto „Gen Z regelt“ wollen junge Menschen in zahlreichen deutschen Städten auf die Straße gehen. Für bessere Bildung, bezahlbares Wohnen, mehr Klimaschutz und gegen eine mögliche Wehrpflicht. Alles durchaus berechtigte Anliegen. Aber warum müssen sich Geschäftsleute vorsorglich verbarrikadieren, wenn unsere Jugend demonstrieren möchte?
In Berlin werden Schaufenster mit Holzplatten geschützt, in Frankfurt bereitet sich die Polizei auf mögliche Ausschreitungen vor. Tausende Polizeibeamte werden bundesweit im Einsatz sein. Und in Nordrhein-Westfalen warnt Innenminister Herbert Reul bereits vor einem marodierenden Mob.
Was ist eigentlich aus dem guten alten Demonstrieren geworden?
Früher wollte man mit Argumenten überzeugen. Heute muss offenbar erst einmal die Polizei in Großstärke antreten.
Natürlich wäre es ungerecht, eine ganze Generation unter Generalverdacht zu stellen. Die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen möchte friedlich demonstrieren. Auch die Initiatoren von „Gen Z regelt“ lehnen Gewalt ausdrücklich ab. Und bislang sind Befürchtungen eben noch keine tatsächlichen Ausschreitungen.
Trotzdem muss man fragen dürfen, wie es sein kann, dass gewaltbereite Extremisten solche Veranstaltungen möglicherweise für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen.
Wer für bessere Bildung demonstriert, wird nicht glaubwürdiger, indem er eine Schule verwüstet. Wer bezahlbare Lebenshaltungskosten fordert, erreicht nichts, indem er das Geschäft eines Einzelhändlers zerstört. Und wer gesellschaftliche Gerechtigkeit verlangt, sollte vielleicht damit beginnen, das Eigentum anderer Menschen zu respektieren.
Besonders absurd wäre es, wenn diejenigen, die soziale Gerechtigkeit fordern, am Ende ausgerechnet die Existenz kleiner Geschäftsleute gefährden.
Denn eines wird bei all den emotionalen Debatten gerne vergessen: Hinter einer zerstörten Schaufensterscheibe steht möglicherweise ein Unternehmer, der jeden Monat um seine wirtschaftliche Existenz kämpft. Hinter einem geplünderten Geschäft stehen Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze davon abhängen, dass der Laden am Montag wieder öffnen kann.
Und bezahlen müssen solche Schäden am Ende immer Menschen.
Allerdings sollten wir auch die Politik nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Junge Menschen haben berechtigte Zukunftsängste. Hohe Mieten, steigende Lebenshaltungskosten und unsichere Berufsperspektiven sind keine eingebildeten Probleme.
Wer diese Sorgen ignoriert, darf sich über Proteste nicht wundern.
Mein Wunsch an die Generation Z ist deshalb ganz einfach: Demonstriert, seid laut, seid unbequem und stellt den Politikern unangenehme Fragen. Aber zeigt, dass eure Generation mehr kann als diejenigen, die mit Gewalt Schlagzeilen produzieren wollen.
Vielleicht erleben wir heute ja einen Tag, an dem Zehntausende junge Menschen friedlich ihre Meinung vertreten.
Das wäre tatsächlich eine starke Botschaft.
Und vielleicht wäre das sogar die beste Antwort auf alle, die bereits jetzt von unserer angeblich „gewalttätigen Jugend“ sprechen.
Denn wer wirklich etwas verändern will, braucht keine Pflastersteine. Er braucht Argumente, Ausdauer und Menschen, die ihm vertrauen.
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