Ein spektakulärer Fall aus der internationalen Kunstwelt zeigt, wie stark sich der Wert bedeutender Kunstwerke über Jahrzehnte verändern kann. Ein Gemälde von Wassily Kandinsky, das die Guggenheim-Stiftung 1964 für umgerechnet rund 62.000 US-Dollar verkaufte, soll am 17. November 2026 erneut versteigert werden. Der geschätzte Erlös liegt zwischen 60 und 80 Millionen Dollar.
Das Werk trägt den Titel „Betonte Ecken“ und entstand zwischen Dezember 1922 und Januar 1923. Es gehört zu einer besonders bedeutenden Schaffensphase Kandinskys, in der der Künstler nach Deutschland zurückgekehrt war und am Bauhaus in Weimar lehrte.
Die abstrakte Komposition verbindet geometrische Formen, kräftige Farben und komplexe Strukturen. Kunstexperten betrachten diese Periode heute als einen Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens.
Ein Verkauf, der rückblickend Millionen kostete
1964 entschied sich die Solomon R. Guggenheim Foundation, insgesamt 50 ihrer damals rund 170 Kandinsky-Werke zu verkaufen. Begründet wurde die Entscheidung mit begrenzten Ausstellungskapazitäten.
Die Verantwortlichen wollten verhindern, dass bedeutende Kunstwerke dauerhaft in Museumsdepots verschwanden.
Bei der damaligen Auktion in London erzielten sämtliche 50 Gemälde zusammen rund 1,5 Millionen Dollar. Das Bild „Betonte Ecken“ wechselte für umgerechnet etwa 62.000 Dollar den Besitzer.
Heute könnte allein dieses eine Kunstwerk mehr als das Tausendfache seines damaligen Verkaufspreises erzielen.
Neuer Auktionsrekord praktisch sicher
Das Auktionshaus Christie’s erwartet für das Gemälde einen Verkaufspreis zwischen 60 und 80 Millionen Dollar.
Bereits jetzt steht nach Angaben des Auktionshauses ein Garantiegebot fest, das den bisherigen Kandinsky-Auktionsrekord übertrifft.
Dieser wurde 2023 aufgestellt, als das Gemälde „Murnau mit Kirche II“ für rund 44,55 Millionen Dollar verkauft wurde.
Max Carter, internationaler Experte für moderne Kunst bei Christie’s, bezeichnet „Betonte Ecken“ als ein besonders charakteristisches Werk des Künstlers.
Was Anleger aus diesem Fall lernen können
Die außergewöhnliche Wertentwicklung zeigt, welches Potenzial Kunstwerke international anerkannter Künstler besitzen können. Allerdings wäre es falsch, daraus eine allgemeine Renditeerwartung für Kunstinvestments abzuleiten.
Der Kunstmarkt ist wenig liquide, Bewertungen hängen stark von Nachfrage, Provenienz, Zustand und Seltenheit ab. Hinzu kommen erhebliche Kosten für Versicherung, Lagerung und Handel.
Außerdem handelt es sich beim geschätzten Auktionserlös noch nicht um einen tatsächlich realisierten Verkaufspreis.
Der Fall Kandinsky verdeutlicht dennoch eindrucksvoll, wie unterschiedlich der Kunstmarkt den Wert eines Werkes im Laufe der Jahrzehnte beurteilen kann.
Fazit: Was 1964 offenbar als sinnvolle Entscheidung zur Neuordnung einer Museumssammlung galt, könnte sich rückblickend als einer der teuersten Verkäufe der Guggenheim-Geschichte erweisen. Ob tatsächlich 80 Millionen Dollar erzielt werden, entscheidet sich bei der Auktion am 17. November.
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