Ein Kommentar aus der Seele eines leidgeprüften Hansa-Fans
Es gibt Dinge, die ändern sich im Leben einfach nicht. Die Ostsee bleibt salzig, das Wetter in Rostock bleibt unberechenbar und unser geliebter FC Hansa schafft es immer wieder, uns Fans innerhalb von 90 Minuten von Hoffnung auf Verzweiflung umzuschalten.
Da führen wir gegen Jahn Regensburg mit 1:0, träumen schon vorsichtig von drei Punkten – und am Ende stehen wir wieder mit leeren Händen da. 1:2 verloren. Platz elf. Vier Punkte aus fünf Spielen. Herrlich! Genau so hatten wir uns den Angriff auf die Aufstiegsplätze vorgestellt. Natürlich nicht!
Herr Breitenreiter, wie lange dauert eigentlich das Kennenlernen?
Unser Vorstandschef Ronald Maul hat jetzt eine klare Ansage gemacht: Bis zur nächsten Länderspielpause am 9. November soll der Kennenlernprozess abgeschlossen sein.
Entschuldigung, aber was lernen wir denn da eigentlich noch kennen? Die Lieblingsspeisen unserer Spieler? Ihre Sternzeichen? Oder wer morgens welchen Kaffee trinkt?
Wir reden hier über Profifußball! Die Spieler sollen miteinander Fußball spielen, keine lebenslange Freundschaft schließen.
Natürlich braucht ein neuer Trainer Zeit. Auch André Breitenreiter kann nicht mit einem Zauberstab aus einer verunsicherten Mannschaft über Nacht einen Aufstiegskandidaten machen. Aber irgendwann müssen sich Fortschritte eben auch auf der Anzeigetafel zeigen.
Und dann kommt Leon Dajaku …
Manchmal könnte man wirklich glauben, unsere Spieler wollen testen, wie belastbar die Nerven ihrer Fans sind.
Leon Dajaku holt sich innerhalb von zehn Minuten zwei Gelbe Karten ab. Erst wird der Ball weggeschossen, dann gibt es ein unnötiges Foul von hinten.
Gelb-Rot. Feierabend.
Lieber Leon, wir brauchen Spieler, die Tore schießen, und keine, die möglichst schnell duschen gehen!
Dass diese Aktion völlig unnötig war, weiß Dajaku vermutlich selbst. Aber solche Aussetzer kosten Punkte. Und Punkte haben wir momentan ungefähr so reichlich wie Strandkörbe im Januar.
Herr Maul, die Winterpause ist kein Freifahrtschein
Bis zur Winterpause soll Hansa wieder in Schlagdistanz zu den oberen Tabellenplätzen sein. Das klingt wunderbar.
Nur müsste man dafür gelegentlich gewinnen.
Wir Hansa-Fans sind ja einiges gewohnt. Wir haben Abstiege erlebt, Aufstiege gefeiert und uns durch Spielzeiten gequält, die selbst hartgesottene Fußballromantiker an ihre Grenzen gebracht haben.
Aber eines erwarten wir: Leidenschaft, Disziplin und den unbedingten Willen, dieses verdammte Spiel zu gewinnen.
Unsere Kogge braucht endlich Rückenwind!
Ich möchte Breitenreiter gar nicht abschreiben. Dafür ist es zu früh. Aber die Schonfrist kann nicht ewig dauern.
Lieber André Breitenreiter, wir wollen keine Tabellenplatz-elf-Romantik. Wir wollen nach oben! Wir wollen wieder Gegner erleben, die mit Respekt ins Ostseestadion kommen.
Und wir wollen am Samstagabend endlich wieder sagen können: Mensch, das war ein richtig gutes Hansa-Spiel!
Denn eines ist sicher: Wir Fans stehen weiter hinter unserer Kogge. Aber Herr Breitenreiter, bitte sorgen Sie dafür, dass wir bald wieder über Siege reden können und nicht ständig über Kennenlernphasen.
Einmal Hansa, immer Hansa! Und jetzt bitte endlich drei Punkte statt drei neuer Ausreden!
Es ist doch nicht der Trainer schuld die Qualität und das kontinuierliche Spiel das muss sich ändern.
Aber eins das ist doch klar: vor Hansa Rostock haben sie alle Schiß! Dieser Spruch ist schon Jahrzehnte her….