Wenn eine 30-Jährige mit einem 63-jährigen Rockstar zusammen ist, dauert es im Internet bekanntlich ungefähr zwölf Sekunden, bis die Diagnosen verteilt sind: „Daddy Issues“, „Gold Digger“, „cringe“, „midlife crisis“. Eileen Kelly hat darauf offenbar keine Lust mehr – und erklärt jetzt öffentlich, warum ihre Beziehung zu Red-Hot-Chili-Peppers-Sänger Anthony Kiedis für sie schlicht eine ganz normale Liebesgeschichte ist.
In einem persönlichen Essay für die Vogue schreibt die Podcasterin und Sex-Aufklärerin über ihre Beziehung mit einem „deutlich älteren Freund“ – ohne ihn namentlich zu nennen. Dass damit Kiedis gemeint ist, gilt allerdings als offenes Geheimnis. Seit Monaten werden beide gemeinsam in der Öffentlichkeit gesehen.
„Mein Freund ist doppelt so alt wie ich“
Kelly beschreibt die Beziehung erstaunlich nüchtern – und zugleich ziemlich selbstbewusst. Ja, der Altersunterschied sei groß. Ja, ihr Freund sei ungefähr doppelt so alt wie sie. Aber: Sie genieße die Beziehung.
Ihr etwas süffisanter Befund: Ältere Männer hätten oft schlicht den Vorteil, dass sie ihr Chaos bereits hinter sich haben. Oder zumindest professioneller verpacken.
Wörtlich lässt sie durchblicken, dass ihr Freund sich sichtbar freue, mit ihr zusammen zu sein – und eben nicht wirke, als würde er nur warten, bis die nächste jüngere Option auftaucht. Eine Spitze, die man in Los Angeles vermutlich als romantisch versteht.
Kennengelernt zwischen Hawaii-Vibes und Rockstar-Aura
Die beiden sollen sich auf einer Geburtstagsparty kennengelernt haben, kurz nachdem Kelly von einer Solo-Reise aus Hawaii zurückkam. Gemeinsames Gesprächsthema: Hawaii. Er besitzt dort seit über 20 Jahren ein Haus, sie fühlte sich mit der Insel verbunden – und schon war da diese „unsichtbare Schnur“, wie sie es beschreibt.
Das Alter, so Kelly, habe anfangs gar keine große Rolle gespielt. Sie habe zunächst eher gedacht, aus der Begegnung könne eine Freundschaft werden. Dann wurden Nummern ausgetauscht, ein Kaffee verabredet – und daraus wurde mehr.
Gegen die üblichen Klischees
Der eigentliche Kern ihres Essays ist jedoch weniger romantisch als politisch-psychologisch: Kelly wehrt sich entschieden gegen die Reflexe, mit denen Beziehungen mit großem Altersunterschied oft kommentiert werden.
Ihre Kritik:
Ein älterer Mann werde sofort als „creepy“ oder „eklig“ abgestempelt, die jüngere Frau automatisch zur Frau mit Vaterkomplex oder zur Mitgiftjägerin erklärt.
Kelly hält dagegen: Sie habe ihr eigenes Geld, ihre eigene Karriere, ihr eigenes Zuhause. Sie sei nicht abhängig und verliere nicht ihre Existenz, wenn die Beziehung scheitert. Gerade deshalb könne sie ihren Partner lieben, ohne dass sofort ein ökonomisches oder psychologisches Erklärmodell über sie gestülpt werde.
Nicht naiv, aber auch nicht peinlich
Ganz unkritisch verklärt sie die Sache allerdings nicht. Kelly räumt ein, dass Machtgefälle in Beziehungen real seien – nicht nur wegen Geld oder Besitz, sondern auch durch Erfahrung, emotionale Routine und kommunikative Kontrolle. Gerade in Beziehungen mit großem Altersunterschied seien solche Dynamiken leichter sichtbar.
Ihr wichtigster Punkt: Sie sei 30 – nicht 18, nicht 21. Wäre sie deutlich jünger, würde sie die Lage selbst anders bewerten.
Fazit
Eileen Kelly versucht gar nicht erst, ihre Beziehung als große Provokation zu verkaufen. Im Gegenteil: Sie beschreibt sie als ziemlich unspektakulär. Zwei Menschen, unterschiedliche Jahrgänge, gleicher Alltag.
Oder, weniger poetisch gesagt:
Er ist 63, sie ist 30, er ist Anthony Kiedis – und sie möchte bitte nicht jedes Mal gefragt werden, ob das ihr Vater ist.
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