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Mogul-Mathematik unterm Hammer: 400 Jahre alter „Supercomputer“ aus königlichem Besitz kommt bei Sotheby’s unter den Hammer

2541163 (CC0), Pixabay
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Manche Menschen sammeln Uhren. Andere Oldtimer. Und dann gibt es jene Kategorie von Sammlern, die sich offenbar denkt: Warum nicht gleich einen 400 Jahre alten astronomischen Luxus-Rechner aus dem Besitz indischer Royals?

Genau so ein Stück kommt jetzt in London zur Auktion: Ein monumentales Astrolabium aus Messing aus dem 17. Jahrhundert, einst Teil der königlichen Sammlung von Jaipur, wird am 29. April bei Sotheby’s versteigert. Erwartet wird ein Erlös von 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund.

Ein „Supercomputer“ – nur ohne WLAN

Das Instrument gilt als eine Art frühneuzeitlicher Supercomputer für die Hand. Astrolabien waren über Jahrhunderte hinweg wissenschaftliche Präzisionsgeräte – gewissermaßen die Mischung aus Sternkarte, Taschenrechner, Navigationstool und Horoskop-Maschine.

Mit ihnen ließ sich nicht nur die Zeit bestimmen, sondern auch:

  • der Stand der Sterne berechnen
  • Sonnenauf- und -untergang bestimmen
  • Entfernungen und Höhen messen
  • die Tiefe eines Brunnens abschätzen
  • die Gebetsrichtung nach Mekka ermitteln
  • und, mit entsprechendem Almanach, sogar astrologisch in die Zukunft schauen

Kurz gesagt: ein Smartphone des 17. Jahrhunderts – nur deutlich schwerer und mit besserem Stil.

Ein Ausnahmeobjekt aus Lahore

Das nun angebotene Stück ist laut Sotheby’s „vielleicht das größte erhaltene Astrolabium seiner Art“. Es wiegt 8,2 Kilogramm, misst fast 30 Zentimeter im Durchmesser und ist etwa 46 Zentimeter hoch – also rund viermal so groß wie typische Astrolabien aus dem damaligen Indien.

Gefertigt wurde es Anfang des 17. Jahrhunderts in Lahore, damals eines der bedeutendsten Zentren der Astrolabien-Herstellung im Mogulreich. Verantwortlich waren die Brüder Qa’im Muhammad und Muhammad Muqim, Vertreter der berühmten „Lahore School“, deren Werkstätten für technische Präzision und außergewöhnliche Ornamentik berühmt waren.

Besonders bemerkenswert: Weltweit sind nur zwei Astrolabien bekannt, die von diesen beiden Brüdern gemeinsam gefertigt wurden. Das zweite, deutlich kleinere Exemplar befindet sich heute in einem Museum im Irak.

Für einen mächtigen Mogul-Beamten gebaut

Auftraggeber war Aqa Afzal, ein hochrangiger Mogul-Adliger mit Wurzeln in Isfahan im heutigen Iran. Er verwaltete Lahore und diente unter den Kaisern Jahangir und Shah Jahan in wichtigen Positionen. Größe und Prunk des Instruments spiegeln laut Experten direkt seinen Rang wider.

Das Astrolabium vereint dabei nicht nur wissenschaftliche Raffinesse, sondern auch kulturelle Mehrsprachigkeit: Die Sternbezeichnungen sind sowohl auf Persisch als auch mit Sanskrit-Begriffen in Devanagari-Schrift eingraviert – ein außergewöhnliches Zeugnis der intellektuellen Welt des Mogulhofs.

94 Städte, 38 Sternzeiger, fast absurd präzise

Laut Sotheby’s enthält das Instrument:

  • 94 eingravierte Städte mit Längen- und Breitengraden
  • 38 Sternzeiger, verbunden durch filigrane florale Muster
  • fünf präzise kalibrierte Platten
  • Teilungen, die bis auf ein Drittel eines Grades herunterreichen

Für Fachleute ist genau das der eigentliche Wahnsinn: Nicht nur schön, nicht nur groß – sondern erschreckend präzise.

Von Jaipur-Royals in die Londoner Auktion

Später gehörte das Stück zur Sammlung von Maharaja Sawai Man Singh II von Jaipur. Nach seinem Tod ging es an seine berühmte Ehefrau Maharani Gayatri Devi, eine der schillerndsten Royal-Figuren des 20. Jahrhunderts. Noch zu ihren Lebzeiten gelangte das Astrolabium in Privatbesitz.

Jetzt taucht es erstmals öffentlich auf – und wurde noch nie ausgestellt.

Fazit

Es ist eines dieser Objekte, bei denen selbst Menschen ohne Ahnung von Astronomie kurz innehalten:
8,2 Kilo Wissenschaft, Kunst, Macht und Geschichte.

Oder anders gesagt:
Während wir heute mit dem Handy den Wetterbericht checken, berechnete man vor 400 Jahren mit diesem Ding schon Sternpositionen, Himmelswinkel und vermutlich auch das Schicksal der halben Elite.

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