Eigentlich sollte der Handelskrieg die amerikanische Wirtschaft stärken. Stattdessen produziert nun ein US-Schnapshersteller lieber direkt in Kanada, um überhaupt noch verkaufen zu können. Willkommen in der modernen Wirtschaftspolitik.
Besonders betroffen ist der Likör „Sour Puss“, ein grellbuntes Getränk mit Katzenlogo, das in Kanada offenbar Kultstatus genießt – vor allem bei Studenten. Das Problem: Die Marke stammt aus Minnesota. Und nachdem mehrere kanadische Provinzen amerikanischen Alkohol aus Protest gegen US-Zölle aus den Regalen verbannten, brachen die Verkäufe dramatisch ein.
Der Hersteller Phillips Distilling verlor nach eigenen Angaben rund 70 Prozent seines Kanada-Geschäfts. Firmenchef Andy England nannte die Situation schlicht „eine Katastrophe“. Eine eher ungewöhnliche Beschreibung für das Ergebnis patriotischer Handelspolitik.
Die Lösung war ebenso pragmatisch wie ironisch: Produktion verlagern. Statt weiterhin alles in den USA herzustellen, produziert das Unternehmen inzwischen teilweise in Montreal. Plötzlich galt der amerikanische Likör offiziell als „kanadisch genug“, um wieder verkauft zu werden.
Und siehe da: Die Flaschen kehrten zurück in die Regale. Kanadische Fans feierten die Rückkehr ihres Lieblingsgetränks beinahe wie ein nationales Ereignis. Manche posteten triumphierend Fotos ihrer neu erstandenen Flaschen auf Instagram – als wäre der internationale Handelskonflikt erfolgreich mit Himbeerlikör gelöst worden.
Das Ganze zeigt vor allem eines: Handelskriege klingen in politischen Reden oft deutlich heroischer als in der Realität. Dort führen sie manchmal schlicht dazu, dass Unternehmen ihre Fabriken ins Ausland verlagern, um wirtschaftlich zu überleben.
Besonders bemerkenswert ist, dass Kanada den Verkauf amerikanischen Alkohols weitgehend zentral über staatliche Stellen kontrolliert. Als mehrere Provinzen beschlossen, US-Produkte aus den Regalen zu entfernen, hatte das unmittelbare Folgen – nicht nur symbolisch, sondern wirtschaftlich messbar.
Experten weisen allerdings darauf hin, dass nicht jede Marke einfach umziehen kann. Ein Kentucky Bourbon bleibt eben nur dann Kentucky Bourbon, wenn er tatsächlich aus Kentucky kommt. Fruchtlikör mit Katzenlogo ist da deutlich flexibler.
Inzwischen scheint sich das Unternehmen mit seiner neuen Realität arrangiert zu haben. Der Handelsstreit hat offenbar weniger zu wirtschaftlicher Abschottung geführt als zu einer neuen internationalen Produktionsstrategie.
Oder anders gesagt: Manchmal endet Wirtschaftsnationalismus damit, dass amerikanischer Alkohol in Kanada hergestellt wird, damit Kanadier ihn wieder trinken dürfen.
Wer im Alter fit bleiben möchte, denkt meist an Kraft, Beweglichkeit und...
BeiDie RedaktionMontag, 03.08.2026In den USA breitet sich derzeit ein außergewöhnlich großer Ausbruch von Cyclosporiasis...
BeiDie RedaktionMontag, 03.08.2026Das US-Militär sucht offenbar nach neuen und ungewöhnlichen Möglichkeiten, den Druck auf...
BeiDie RedaktionMontag, 03.08.2026Der Bundesgerichtshof hat eine frühere Thüringer Proberichterin vom Vorwurf der Rechtsbeugung freigesprochen....
BeiDie RedaktionMontag, 03.08.2026
Kommentar hinterlassen