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KI entschlüsselt mittelalterliche Geheimnisse – und findet Liebesbriefe, Intrigen und fragwürdige Medizin

2541163 (CC0), Pixabay
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Jahrhundertelang lagen in Archiven und Bibliotheken geheimnisvolle Dokumente verborgen, geschrieben in unverständlichen Symbolen und verschlüsselten Zeichen. Nun hilft künstliche Intelligenz dabei, diese historischen Codes zu knacken – und eröffnet damit einen völlig neuen Blick auf die Vergangenheit.

Besonders spektakulär ist der sogenannte „Borg-Code“, ein mehr als 400 Jahre altes Manuskript aus dem Vatikan. Die 408 Seiten bestehen größtenteils aus rätselhaften Symbolen, deren Bedeutung lange unbekannt war. Mit Hilfe von KI und maschinellem Lernen gelang es Forschern nun, große Teile des Textes zu entschlüsseln.

Der Inhalt wirkt heute teilweise kurios: Unter den geheimen Rezepten finden sich Empfehlungen wie Rotwein gegen Beschwerden oder fermentierte Muskatnüsse zur Behandlung von Ruhr. Was damals streng geheim gehalten wurde, klingt aus heutiger Sicht stellenweise eher nach mittelalterlicher Hausapotheke mit experimentellem Charakter.

Historiker schätzen, dass rund ein Prozent aller Archivmaterialien weltweit vollständig oder teilweise verschlüsselt sind. Darunter befinden sich diplomatische Nachrichten, geheime politische Intrigen, medizinisches Wissen, persönliche Briefe und sogar Liebesbotschaften.

Die Entschlüsselung solcher Texte war bislang extrem zeitaufwendig. Oft nutzten Autoren absichtlich verwirrende Systeme: mehrere Zeichen für denselben Buchstaben, bedeutungslose Symbole zur Ablenkung oder längst ausgestorbene Sprachen.

Moderne KI-Systeme können inzwischen Handschriften analysieren, Muster erkennen und sogar unbekannte Verschlüsselungen teilweise selbstständig entschlüsseln. In einem Test benötigte ein KI-System nur rund 30 Minuten, um einen historischen Geheimtext mit 500 Symbolen zu analysieren und zu übersetzen – Aufgaben, für die Experten früher Monate brauchten.

Die Technologie könnte künftig helfen, bislang unlesbare Dokumente der Menschheitsgeschichte zugänglich zu machen. Forscher hoffen sogar, eines Tages vollständig unbekannte Schriftsysteme entschlüsseln zu können.

Damit wird künstliche Intelligenz nicht nur zum Werkzeug der Zukunft, sondern auch zu einem Schlüssel für die Vergangenheit.

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