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Job weg, Visum weg: Trumps neuer Plan lässt ausländischen Fachkräften kaum Luft

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Wer in den USA mit einem Arbeitsvisum lebt und seinen Job verliert, hat bislang wenigstens etwas Zeit.

Bis zu 60 Tage können viele ausländische Fachkräfte derzeit nutzen, um einen neuen Arbeitgeber zu finden, ihren Aufenthaltsstatus zu ändern oder ihre Ausreise vorzubereiten.

Die Trump-Regierung möchte diese Schonfrist nun streichen.

Dann könnte künftig gelten:

Freitag entlassen, Samstag ohne gültigen Status.

Für hochqualifizierte Arbeitnehmer, die mit H-1B-, L-1-, O-1- oder TN-Visa in den Vereinigten Staaten leben, wäre das eine drastische Verschärfung. Betroffen wären nicht nur sie selbst, sondern häufig auch Ehepartner und Kinder, deren Aufenthaltsrecht an das Visum des Hauptverdieners gekoppelt ist.

Zehn Jahre lang gab es wenigstens 60 Tage

Die derzeitige Regelung stammt aus der Zeit von Präsident Barack Obama.

Seit fast einem Jahrzehnt erhalten betroffene Arbeitnehmer nach einem Jobverlust bis zu 60 Tage Zeit, um ihre Situation zu ordnen.

Das sollte vor allem hochqualifizierten Beschäftigten ermöglichen, innerhalb der USA einen neuen Arbeitgeber zu finden, ohne sofort ihre Aufenthaltsberechtigung zu verlieren.

Gleichzeitig profitierten amerikanische Unternehmen davon, Fachkräfte einstellen zu können, die bereits im Land lebten.

Die Trump-Regierung hält diese Frist nun offenbar für verzichtbar.

Nach dem neuen Vorschlag würde der legale Status eines Arbeitnehmers im Prinzip mit dem Arbeitsverhältnis enden.

Am nächsten Tag könnte er bereits als nicht mehr rechtmäßig im Land gelten.

Kündigung am Montag, Lebensplanung am Dienstag

Was auf dem Papier nach Verwaltungsrecht klingt, kann im Alltag schnell erheblich unübersichtlicher werden.

Wer kurzfristig entlassen wird, müsste möglicherweise innerhalb kürzester Zeit einen neuen Sponsor finden oder die USA verlassen.

Familien könnten gezwungen sein, Wohnungen zu kündigen, Häuser zu verkaufen, Kinder aus der Schule zu nehmen und internationale Umzüge zu organisieren.

Und das nicht innerhalb von zwei Monaten.

Sondern möglicherweise praktisch sofort.

Wer ohne gültigen Status im Land bleibt, könnte eine sogenannte „Notice to Appear“ erhalten – also jenes Dokument, mit dem ein Abschiebungsverfahren beginnen kann.

Man könnte sagen: Die amerikanische Einwanderungsbürokratie soll künftig offenbar noch stärker jene Eigenschaft bekommen, für die Bürokratien selten berühmt sind – Flexibilität.

Besonders H-1B-Beschäftigte wären betroffen

Im Mittelpunkt steht das H-1B-Programm.

Damit können amerikanische Unternehmen ausländische Beschäftigte für spezialisierte Berufe einstellen, für die in der Regel mindestens ein Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation erforderlich ist.

Vor allem Technologieunternehmen greifen stark darauf zurück.

Für die Trump-Regierung ist das Programm allerdings schon länger ein bevorzugtes Reformobjekt.

Die Kosten für bestimmte neue H-1B-Anträge wurden massiv erhöht, die Vergabe verändert und stärker auf besser bezahlte Stellen ausgerichtet.

Nun könnte zusätzlich die 60-Tage-Regel verschwinden.

Für Arbeitnehmer bedeutet das: Wer seinen Job verliert, verliert womöglich nicht nur sein Einkommen, sondern fast gleichzeitig auch die Grundlage für sein Leben in den USA.

„Wie soll ich mein ganzes Leben in einem Tag zusammenpacken?“

Carlos Lemus, ein H-1B-Inhaber, der bei einem Technologieunternehmen in Kalifornien arbeitet, beschreibt die Lage drastisch.

Die vergangenen Monate hätten sich angefühlt, als würde sich eine Schlinge immer enger ziehen.

Gerade die Technologiebranche hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Entlassungswellen erlebt.

Für Visuminhaber bedeutet ein Stellenabbau deshalb wesentlich mehr als für viele amerikanische Kollegen.

Es geht nicht nur um Arbeitslosigkeit.

Es geht möglicherweise um das Aufenthaltsrecht der gesamten Familie.

Lemus fragt deshalb sinngemäß, wie er bei einer Entlassung sein eigenes Leben und das seiner Kinder innerhalb eines einzigen Tages zusammenpacken solle.

Eine Frage, auf die der neue Regelungsvorschlag bislang keine besonders gemütliche Antwort liefert.

Kritiker sagen: H-1B drückt amerikanische Löhne

Die Debatte um H-1B ist allerdings deutlich älter als Trump.

Kritiker des Programms argumentieren seit Jahren, Unternehmen nutzten ausländische Arbeitnehmer, um Personalkosten zu senken.

Dadurch könnten amerikanische Beschäftigte verdrängt und Löhne gedrückt werden.

Befürworter halten dagegen, das Programm helfe Unternehmen, dringend benötigte Spezialisten zu finden und stärke Innovation und Wachstum.

Die Forschung liefert dabei kein vollkommen einheitliches Bild.

Mehrere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass zusätzliche ausländische Fachkräfte in technischen Berufen Produktivität und teilweise auch die Löhne amerikanischer Arbeitnehmer erhöhten, ohne deren Beschäftigung wesentlich zu verringern.

Eine Untersuchung mit Daten des US Census Bureau aus dem Jahr 2024 kam außerdem zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit erfolgreichen H-1B-Anträgen schneller wuchsen, höhere Umsätze erzielten und häufiger am Markt blieben.

Andere Studien kamen allerdings zu kritischeren Ergebnissen und sahen durchaus Verdrängungseffekte.

Die ökonomische Diskussion lässt sich deshalb nicht bequem auf „gut“ oder „schlecht“ reduzieren.

Politisch ist diese Differenzierung allerdings meist weniger attraktiv.

Die Regierung sagt: Job weg bedeutet Status weg

Das Heimatschutzministerium DHS begründet die geplante Änderung vergleichsweise geradlinig.

Das Aufenthaltsrecht eines ausländischen Arbeitnehmers basiert auf seiner Beschäftigung.

Endet die Beschäftigung, soll nach Ansicht der Behörde konsequenterweise auch der Aufenthaltsstatus enden.

Der Kongress habe die 60-Tage-Frist nie ausdrücklich gesetzlich vorgeschrieben, argumentiert das Ministerium.

Deshalb könne der Heimatschutzminister sie auch wieder abschaffen.

Darüber hinaus verweist das DHS auf Verwaltungsaufwand.

Unter der bisherigen Regelung müssen Einwanderungsbeamte bei neuen Anträgen feststellen, wann genau eine Beschäftigung endete und wie viel von der 60-Tage-Frist noch übrig ist.

Das Problem ließe sich durch Abschaffung der Frist zweifellos vereinfachen.

Ebenso ließe sich der Verwaltungsaufwand in Restaurants reduzieren, wenn man keine Gäste mehr hineinließe.

Effizienz allein beantwortet eben nicht jede politische Frage.

Zehntausende Arbeitsplatzwechsel pro Jahr

Nach Berechnungen des Heimatschutzministeriums verloren, verließen oder wechselten zwischen den Haushaltsjahren 2021 und 2025 durchschnittlich fast 66.000 ausländische Arbeitnehmer pro Jahr ihre Stellen.

Rund 3.800 von ihnen erhielten innerhalb der anschließenden 60 Tage einen neuen Arbeitgeber, der einen Antrag für sie einreichte.

Mehr als 99 Prozent dieser Fälle betrafen H-1B-Beschäftigte.

Allerdings räumt das DHS selbst ein, dass diese Zahlen unvollständig sind.

Sie basieren vor allem auf Fällen, in denen Arbeitgeber entsprechende Anträge zurückzogen. Nicht jedes Unternehmen meldet jedoch zuverlässig, wann ein Arbeitnehmer seine Stelle verlässt.

Wie viele Menschen und Familien tatsächlich von der Abschaffung betroffen wären, kann die Behörde daher selbst nicht genau sagen.

Interessant: Die Regierung findet selbst kaum Vorteile für Arbeitnehmer

Besonders bemerkenswert ist die eigene Folgenabschätzung des DHS.

Darin werden laut Vorlage keine direkten Vorteile für Arbeitnehmer oder Arbeitgeber identifiziert.

Stattdessen räumt die Behörde ein, dass Arbeitnehmer Einkommen verlieren könnten, Familien plötzlich hohe Umzugskosten tragen müssten und Unternehmen mit Unterbrechungen sowie vorübergehenden Produktivitätsverlusten rechnen könnten.

Mit anderen Worten:

Selbst die Behörde, die die Regel abschaffen möchte, beschreibt ziemlich ausführlich, wer darunter leiden könnte.

Der unmittelbare wirtschaftliche Nutzen bleibt dagegen eher übersichtlich.

Weniger Bürokratie hier, mehr Abschiebungsverfahren dort

Auch das Argument der Verwaltungsvereinfachung hat einen kleinen Schönheitsfehler.

Wer nach dem Ende seines Arbeitsverhältnisses nicht sofort ausreist, müsste möglicherweise in ein Abschiebungsverfahren überführt werden.

Damit entstünde zusätzliche Arbeit bei der Einwanderungsbehörde USCIS, der Abschiebebehörde ICE und den ohnehin massiv überlasteten Einwanderungsgerichten.

Ein Teil der Bürokratie würde also nicht verschwinden.

Er würde lediglich die Adresse wechseln.

Unternehmen könnten plötzlich noch mehr Macht bekommen

Auch konservative Experten äußern Zweifel.

Daniel Di Martino vom konservativen Manhattan Institute warnt davor, dass die neue Regel ausgerechnet hochqualifizierte Beschäftigte davon abhalten könnte, zu jungen oder riskanteren Unternehmen zu wechseln.

Wer weiß, dass eine Kündigung praktisch sofort den Aufenthaltsstatus gefährdet, dürfte einen sicheren Arbeitsplatz wesentlich ungern verlassen.

Für Start-ups und innovative Technologieunternehmen könnte das zum Problem werden.

Noch heikler ist ein anderer Effekt.

Wenn der Verlust des Arbeitsplatzes gleichzeitig eine mögliche sofortige Ausreise bedeutet, erhält der Arbeitgeber erheblich mehr Macht über den Beschäftigten.

Schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne oder problematische Personalpraktiken könnten schwieriger anzufechten sein, wenn die Alternative lautet:

kündigen – und womöglich das Land verlassen.

Di Martino argumentiert deshalb, dass die Reform sogar Trumps eigenen Zielen widersprechen könnte, Missbrauch im H-1B-System zu reduzieren und wirklich hochqualifizierte Einwanderung zu fördern.

Noch gilt die 60-Tage-Frist

Allerdings müssen H-1B-Beschäftigte ihre Koffer noch nicht vorsorglich neben die Bürotür stellen.

Die geplante Änderung ist bislang nur ein Vorschlag.

Zunächst läuft eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsfrist.

Danach kann das Heimatschutzministerium den Entwurf verändern, vollständig fallenlassen oder als endgültige Regel verabschieden und einen Termin für das Ende der bisherigen Schonfrist festlegen.

Bis dahin gilt die bestehende 60-Tage-Regel weiter.

Ob daraus künftig tatsächlich null Tage werden, ist also noch offen.

Die politische Richtung ist allerdings ziemlich eindeutig.

Trumps Regierung will legale Arbeitsmigration stärker begrenzen und Visainhaber enger an ihre Arbeitgeber binden.

Für ausländische Fachkräfte könnte ein amerikanischer Arbeitsplatz damit künftig noch mehr sein als ein Job.

Er wäre zugleich Aufenthaltsgenehmigung, Lebensgrundlage und – nach einer Kündigung – möglicherweise eine sehr schnell tickende Uhr.

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