US-Präsident Donald Trump hat ein mögliches Ende des Kriegs mit Iran binnen zwei bis drei Wochen in Aussicht gestellt. Zugleich kündigte das Weiße Haus für Mittwochabend eine Fernsehansprache des Präsidenten an, in der Trump ein „wichtiges Update“ zur Lage geben will.
Die militärische Operation könne „innerhalb von vielleicht zwei Wochen, vielleicht ein paar Tage später“ abgeschlossen sein, sagte Trump am Dienstag im Oval Office. Voraussetzung sei nicht zwingend eine Wiederöffnung der Straße von Hormus, jener strategisch zentralen Meerenge, durch die normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft.
Andere Staaten, die Öl oder Gas benötigten, sollten sich darum selbst kümmern, sagte Trump. Die USA würden mit der blockierten Wasserstraße „nichts zu tun haben“. An anderer Stelle formulierte er es noch schroffer: Andere Länder sollten sich ihr Öl „selbst holen“.
Zwischen Kriegsrhetorik und Verhandlungsangebot
Trump stellte den aktuellen Kurs erneut als militärischen Erfolg dar. Das Ziel, Iran am Besitz von Atomwaffen zu hindern, sei erreicht, sagte er. Zugleich sprach er von einem „Regimewechsel“, betonte aber, dieser sei ursprünglich nicht sein eigentliches Ziel gewesen.
Dennoch ließ Trump die Tür für Gespräche offen. Ein Abkommen sei möglich, sagte er. Iran wolle einen Deal „mehr als ich“. Auch Außenminister Marco Rubio sprach am Dienstagabend von laufenden Kontakten. Es würden „Botschaften ausgetauscht“, sagte er, zudem gebe es die Möglichkeit eines direkten Treffens zwischen Vertretern beider Länder zu einem späteren Zeitpunkt.
Rubio warnte allerdings zugleich vor „Scheinverhandlungen“, mit denen Teheran lediglich Zeit gewinnen wolle.
Washington erklärt sich fast am Ziel
Rubio und andere Regierungsvertreter zeichneten das Bild einer militärischen Kampagne, die schneller vorankomme als geplant. Man sei bei den wesentlichen Zielen „im Zeitplan oder sogar davor“, sagte Rubio. Die iranische Marine und Luftwaffe seien weitgehend ausgeschaltet, ein erheblicher Teil der Raketenabschussanlagen zerstört, ebenso Produktionsstätten für Raketen und Drohnen.
Auch das US Central Command veröffentlichte am Dienstag neues Videomaterial, das angeblich Angriffe auf unterirdische militärische Ziele in Iran zeigen soll.
Wie belastbar die von Washington gezeichnete Erfolgserzählung ist, bleibt allerdings offen. Aus Iran selbst kommen andere Töne. Präsident Massud Peseschkian erklärte laut iranischen Staatsmedien, sein Land sei bereit, die Kämpfe einzustellen – vorausgesetzt, es gebe belastbare Garantien, dass keine weiteren Angriffe folgten.
Hoffnung an den Börsen, Skepsis in der Logistik
Die Aussicht auf ein mögliches Kriegsende binnen Wochen sorgte an den Finanzmärkten für Erleichterung. In Asien legten wichtige Börsenindizes deutlich zu. Der japanische Nikkei 225 stieg um vier Prozent, Südkoreas Kospi sogar um 6,4 Prozent.
Doch die Hoffnung auf eine rasche Normalisierung könnte trügerisch sein. Zwar reagieren Aktienmärkte schnell auf politische Signale, die Realität auf See und an der Zapfsäule folgt jedoch anderen Zeitläufen.
Denn selbst wenn die Kämpfe bald enden sollten, dürfte die Lage rund um die Straße von Hormus nicht sofort stabil sein. Versicherungsprämien für Reedereien sind stark gestiegen, Seeleute meiden die Route aus Sorge vor Minen, Drohnen und weiteren Angriffen. Die Schifffahrt, über die rund 90 Prozent der weltweit hergestellten Güter transportiert werden, reagiert auf solche Risiken träge.
Mehrere Angriffe auf Handelsschiffe haben die Unsicherheit in den vergangenen Wochen weiter verstärkt. Seit Kriegsbeginn wurden laut Berichten mehr als ein Dutzend Schiffe in der Region attackiert, mehrere Seeleute kamen ums Leben.
Benzin in den USA so teuer wie seit 2022 nicht mehr
Innenpolitisch wird der Krieg für Trump inzwischen auch an den Tankstellen sichtbar. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA stieg auf vier Dollar pro Gallone – der höchste Stand seit 2022.
Trump versuchte, die Preissteigerung kleinzureden. Sobald die USA ihre Operation in Iran beendeten, würden die Preise „in sich zusammenfallen“, sagte er. Doch Fachleute warnen vor zu großer Zuversicht. Selbst ein Ende der Kämpfe bedeutet nicht automatisch, dass sich die Preise rasch wieder normalisieren.
Ein Ölmarktanalyst formulierte es einmal so:
Benzinpreise steigen wie eine Rakete und fallen wie eine Feder.
Der Satz beschreibt auch diesmal das Grundproblem: Rohöl kann nach einer Entspannung zwar billiger werden, doch bis sich das in Raffinerien, Transportketten und an den Zapfsäulen niederschlägt, vergeht meist Zeit.
Iran droht US-Technologiekonzernen
Während Washington von einem möglichen Ende des Krieges spricht, verschärft Teheran seine Drohkulisse. Nach Berichten der halbamtlichen Agentur Fars drohte die iranische Revolutionsgarde damit, US-Technologiekonzerne ins Visier zu nehmen, falls weitere iranische Führungspersonen getötet würden.
Genannt wurden unter anderem:
- Apple
- Microsoft
- Meta
- IBM
- HP
- Intel
- Tesla
- Boeing
- JP Morgan
Mitarbeiter amerikanischer Technologiefirmen in der Region wurden demnach aufgefordert, sich von ihren Arbeitsplätzen fernzuhalten; Anwohner in der Nähe entsprechender Niederlassungen sollten diese verlassen.
Die Drohung markiert eine neue Eskalationsstufe. Denn sie zielt nicht nur auf militärische oder staatliche Einrichtungen, sondern auf private Unternehmen, deren Rolle Iran mit amerikanischer Kommunikations- und Überwachungstechnologie verknüpft.
Offene Fragen trotz Trumps Zuversicht
Trumps optimistische Zeitangabe wirft deshalb eine Reihe unbequemer Fragen auf.
Erstens: Was heißt „fertig“?
Geht es um die Zerstörung militärischer Infrastruktur? Um einen politischen Deal? Um ein Ende der aktiven Kampfhandlungen? Oder lediglich um einen Moment, in dem Washington den Einsatz für beendet erklärt?
Zweitens: Was geschieht mit der Straße von Hormus?
Trump hat signalisiert, dass die USA deren Öffnung nicht zwingend zur Bedingung für den Abschluss ihrer Mission machen. Das würde jedoch bedeuten, dass der wirtschaftlich sensibelste Teil des Konflikts womöglich ungelöst bliebe.
Drittens: Wie stabil wäre ein Kriegsende tatsächlich?
Aus Iran kommen einerseits Signale der Gesprächsbereitschaft, andererseits bestreitet Teherans Außenminister weiterhin, dass aktuell direkte Verhandlungen mit den USA stattfänden.
Fernsehansprache als nächster Test
Die angekündigte Ansprache Trumps dürfte daher mehr sein als ein routinemäßiges Update. Sie könnte zeigen, ob das Weiße Haus tatsächlich auf ein baldiges Kriegsende hinarbeitet – oder ob die optimistischen Formulierungen vor allem dazu dienen, einen schwieriger werdenden Konflikt politisch zu rahmen.
Für Trump steht viel auf dem Spiel: die Glaubwürdigkeit seiner Kriegsführung, die Entwicklung der Energiepreise, die Stabilität der Märkte – und nicht zuletzt die Frage, wie weit die USA militärisch noch gehen wollen.
Fazit
Trump verspricht ein Ende des Iran-Kriegs binnen weniger Wochen. Die Märkte reagieren erleichtert, Regierungsvertreter sprechen vom sichtbaren „Zielstrich“. Doch jenseits der politischen Rhetorik bleibt die Lage widersprüchlich.
Die Kämpfe mögen früher enden als befürchtet.
Die wirtschaftlichen und strategischen Folgen werden es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.
Denn selbst wenn Washington bald „fertig“ sein sollte, gilt das noch lange nicht für:
- die Straße von Hormus,
- die Schifffahrt,
- die Energiepreise,
- und die neue Unsicherheit in einer Region, deren Erschütterungen schnell global werden.
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