Während der Rest der Welt nervös auf die blockierte Straße von Hormus blickt, hat Teheran jetzt offenbar beschlossen: Für China macht man eine Ausnahme. Iranische Medien berichten, dass mehreren chinesischen Schiffen die Passage durch die strategisch wichtigste Wasserstraße der Welt erlaubt wurde. Offenbar gilt inzwischen das Prinzip: Sanktionen für alle, Sonderausgang für den wichtigsten Geschäftspartner.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim formulierte das gewohnt staatsmännisch und sprach von einer Durchfahrt „im Rahmen der vom Iran verwalteten Transitprotokolle“. Übersetzt heißt das ungefähr: Wer nett genug fragt – und genug Öl kauft –, darf durch.
Seit Beginn des Kriegs mit Israel und den USA Ende Februar hatte Iran die Meerenge weitgehend blockiert. Normalerweise läuft dort rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports durch. Entsprechend begeistert reagierten die Weltmärkte auf die Nachricht, dass zumindest ein paar Schiffe wieder fahren dürfen – sofern sie zufällig chinesische Flaggen tragen.
Parallel dazu kündigte Teheran noch eine weitere sensationelle Lockerung an: Das Internet soll Anfang Juni nach mehr als 75 Tagen wieder eingeschaltet werden. Fast drei Monate lang hatten die rund 90 Millionen Iraner praktisch nur Zugriff auf staatlich genehmigte Inhalte. Wer wissen wollte, wie es der Welt geht, musste sich ungefähr auf dieselben Informationsquellen verlassen wie in einem besonders schlecht gelaunten Hotel-TV.
Offiziell begründete die Regierung die Netzsperre mit „Sicherheitsbedenken“. Beobachter vermuten allerdings, dass Teheran vor allem verhindern wollte, dass Bilder von Kriegsschäden, Protesten oder der allgemeinen Stimmungslage im Land unkontrolliert nach außen dringen. Oder schlimmer noch: Memes.
Die wirtschaftlichen Folgen der Abschaltung waren massiv. Besonders betroffen waren Onlinehändler, Influencer und alle, deren Geschäftsmodell darauf beruhte, dass das Internet tatsächlich existiert. Schätzungen zufolge litten mehr als eine Million digitale Unternehmen unter der Blockade.
Nun soll ein eigens eingesetzter Sonderstab die Rückkehr des Netzes organisieren. Für viele Iraner dürfte das die erste gute Nachricht seit Wochen sein – direkt nach „Die chinesischen Schiffe dürfen wieder raus“.
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