Die NFL hat ihren Spielplan für die Saison 2026 veröffentlicht – ein Ereignis, das in den USA inzwischen ungefähr wie die Oscar-Nacht behandelt wird, nur mit mehr Schulterpolstern und deutlich weniger emotionaler Stabilität.
Zu den großen Gewinnern zählen laut Experten natürlich die Seattle Seahawks. Die amtierenden Super-Bowl-Champions bekommen einen vergleichsweise angenehmen Kalender serviert, reisen weniger als ihre Rivalen und dürfen die Saison mit dem Eröffnungsspiel gegen die Patriots starten. In Seattle nennt man das vermutlich Schicksal. In Los Angeles und San Francisco eher Wettbewerbsverzerrung.
Auch ESPN jubelt. Der Sender zeigt in dieser Saison rekordverdächtige 29 NFL-Spiele – inklusive Super Bowl. Das Netzwerk besitzt inzwischen so viele Football-Rechte, dass manche Fans vermutlich bald auch Wetterberichte nur noch mit Touchdown-Grafiken bekommen.
Besonders glücklich darf sich Joe Burrow fühlen. Der Bengals-Quarterback hatte sich jahrelang darüber beschwert, dass Cincinnati in Primetime-Spielen praktisch ignoriert werde. Jetzt bekommt er gleich mehrere große Abendspiele – inklusive Silvester-Duell gegen Baltimore. Nichts sagt „Happy New Year“ schließlich so sehr wie 140 Kilo schwere Defensive Tackles.
Natürlich gewinnen auch die Dallas Cowboys. Oder zumindest ihre Fans. „America’s Team“ bekommt wieder sechs große Abendspiele, Thanksgiving und internationale Aufmerksamkeit. Die NFL folgt damit ihrer wichtigsten Regel: Egal wie gut oder schlecht die Cowboys sind – sie werden definitiv überall gezeigt.
Verlierer des Spielplans sind dagegen die jungen Quarterbacks und Rookies kleinerer Teams. Die Arizona Cardinals etwa erhalten kein einziges Primetime-Spiel. Die Liga scheint beschlossen zu haben, dass man Jeremiyah Love nur sonntagnachmittags sehen darf – vermutlich direkt zwischen Werbung für Pickup-Trucks und Grillsoßen.
Auch Las Vegas bleibt weitgehend unsichtbar. Wer den Nummer-eins-Draftpick Fernando Mendoza sehen will, muss offenbar entweder lokal wohnen oder zufällig nachts NFL RedZone schauen.
Aaron Rodgers wiederum bekommt zum möglichen Karriereende noch einmal maximalen Stress serviert. Nach der Bye Week warten Ravens, Bengals und mehrere Playoff-Teams auf ihn. Die NFL behandelt alternde Quarterbacks inzwischen ungefähr wie Gladiatoren.
Besonders leid tun dürften vielen allerdings die Familien amerikanischer Football-Fans. Denn die Liga hat inzwischen praktisch jeden Feiertag in ein Football-Event verwandelt: Thanksgiving, Black Friday, Weihnachten, Silvester – überall Spiele. Irgendwann wird vermutlich auch Ostern mit einem Kickoff eröffnet.
Die NFL verfolgt damit weiter konsequent ihren größten Traum: absolute Weltherrschaft. Spiele finden mittlerweile auf vier Kontinenten statt, darunter erstmals in Melbourne, Rio und Paris. Der Tag, an dem jedes Team einmal pro Saison international antreten muss, wirkt nicht mehr besonders weit entfernt.
Kurz gesagt: Die NFL hat ihren Spielplan veröffentlicht. Cowboys-Fans sind begeistert, Rodgers gestresst, Familien genervt – und irgendwo plant ESPN vermutlich schon eine achtstündige Spezialsendung darüber, warum Week 6 historisch wird.
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