Investoren wollen Rendite erzielen und auch Gutes tun. Ein neues Rating für Fonds!

Wer Geld in Investmentfonds steckt, kann jetzt bei der Auswahl ein neues Rating heranziehen. Dieses soll informieren, wie klimafreundlich das jeweilige Anlageprodukt ist. Die Anzahl der Sterne zeigt die Renditemöglichkeiten und Risiken eines Fonds. Ein Climetrics-Rating soll die Klimafreundlichkeit definieren. Die Klimaschutzinitiative Carbon Disclosure Project (CDP) und andere wollen das mit einem bis fünf grünen Blättern bewerten.

Die Initiative will Daten zur Klimafreundlichkeit von Unternehmen sammeln und Ranglisten führen, wer bei dieser subjektiven Betrachtung der Branchen den Klimaschutz am stärksten unterstützt. Mehr als 5000 Unternehmen sollen untersucht worden sein. Mehr als die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung der Weltbörsen mit 2,5 Billionen Euro Volumen sollen untersucht worden sein und Grundlage für die Fonds-Ratings sein. Die Perspektiven der Initiatoren klingen mehr nach Meinungsbetrachtungen, wenn nicht nur die Klimafreundlichkeit, sondern auch der Einsatz der Fondsmanager für den Klimawandel und deren Abstimmungs-verhalten bei Versammlungen herangezogen werden sollen.

Das klingt eher nach einer neuen Parteiengründung mit dem Einbringen persönlicher Interessen als nach rationalen Betrachtungen. Wenn, wie angekündigt, vorerst nur gute Ratings über vier oder fünf Blätter (Leaves) veröffentlicht werden,  dient das mehr subjektiv gesteuerter  Werbung der Fondsgesellschaften und dem Wunsch der Initiative Bekanntheit bei neuen Anlegern zu erlangen. Ob immer mehr Investoren bei ihrer Geldanlage darauf achten, dass die Unternehmen oder Länder, in die sie primär investieren, Gutes tun, ist eine fromme Annahme. Da hilft auch die „unterstützende“ Behauptung nicht, dass Großanleger wie die Allianz oder der norwegische Staatsfonds umwelt- und klimabezogen negativ besetzte Investments aus ihren Depots geworfen haben.

Der Wunsch institutioneller Investoren nach Informationen über die Klimafreundlichkeit, um die Risiken durch Hurrikans oder Überschwemmungen für ihre Investments abschätzen zu können, sind bei allem Wohlwollen wirtschaftlich orientiert und nehmen den Klimaschutz als „windfall-profit“ gern in Kauf. Neue staatliche Regulierungen zum Klimaschutz können zum Kapitalgewinn ein Übriges bewirken. Das gilt auch dann, wenn der zweitgrößte Rückversicherer der Welt (nach der Munich RE), die SwissRE aus Zürich, plant, dass sie künftig nur noch „verantwortlich investieren“ und ihr gesamtes Anlageportfolio nach ethisch wertvollen Kriterien zusammenstellen wolle. Das kann zu Einnahmeerhöhungen führen.

Grundlage der Motivation ist die Feststellung, dass es am Markt keine gemeinsamen Standards und Richtlinien gäbe, nach denen Art und Grad einer nachhaltigen und ethisch einwandfreien Ausrichtung von Unternehmen beurteilt werden könne. Kurzfristige Ausrichtungen vieler Investoren seien eine Barriere. Da hilft es als Argument nicht, dass viele Unternehmen wie  die ABN Amro ihr Geschäftsmodell an ethische Standpunkte knüpfen wollen. Als Beispiel sei die Tabakindustrie genannt, an die keine Kredite mehr vergeben werden sollen. Damit ist nicht gesagt, dass der Rest der Investitionen in klimafreundliche Aktivitäten erfolgen wird. Unberührt bleiben Anlagen von Kunden über diese und sicher auch andere Banken.

Die Kritik von Anlegern kann umgekehrt sein: Die finden, dass Klimaschutz nicht Sache eines Unternehmens sei – zu großen Deals sei auf Mr. Trump verwiesen, der das wie viele Anleger als einen von China initiierten Fake sieht. Ideen sind schon immer etwas Großartiges auf diesem gebeutelten Planeten gewesen. „Make the planet great again!“

Diese Worte des französischen Präsidenten Macron schließen nichts aus noch ein, zielen aber auf Handeln, was in Frankreich als Folge gern gesehener großer Worte nicht so gern gesehen wird. Die Mehrheit in Europa hat ihre Chance zur Vermeidung von Schäden mitzuwirken. Die Einbindung von Ratings wie „Fünf Blätter für ein gutes Gewissen“ dient nicht mehr als dem Gewissen. Danach gehen die meisten Menschen zur Tagesordnung über – Unternehmer müssen das nach Vorstellung ihrer Shareholder sogar.

Kommentar hinterlassen