„Man denkt, jemand ist ein Freund – und dann das …“
„Ich bin einfach sprachlos …“
„Unglaublich, dass du mir DAS angetan hast …“
Kommt dir bekannt vor? Dann wurdest du wahrscheinlich schon mal „vaguebooked“ – also mit einem absichtlich rätselhaften Social-Media-Post geködert, der vor allem eins soll: Aufmerksamkeit erzeugen.
Der Begriff „Vaguebooking“ beschreibt Beiträge, die bewusst unklar formuliert sind, aber emotional genug, damit sofort Kommentare kommen wie: „Alles okay?“, „Was ist passiert?“ oder „Fühl dich gedrückt!“. Experten sagen: Dahinter steckt oft kein echter Informationswille – sondern der Wunsch nach Reaktionen, Mitleid oder Bestätigung.
Autorin Monica Berg bringt es auf den Punkt: Solche Posts seien oft eine Art Hilferuf nach externer Anerkennung. Besonders wenn es um Ex-Partner, Streit oder angebliche Enttäuschungen geht, gehe es weniger um echte Kommunikation – sondern darum, dass andere nachfragen.
Kommunikationsexperte Melvin Williams sieht darin ein größeres Problem: Viele Menschen hätten verlernt, Konflikte direkt anzusprechen. Statt Klartext zu reden, werde lieber kryptisch gepostet. Sein Urteil: Vaguebooking ist passiv-aggressiv – eine digitale Beruhigungspille für Menschen, die ihre Gefühle nicht offen ausdrücken wollen.
Warum machen das so viele? Laut Experten steckt dahinter ein uraltes Bedürfnis: gesehen, gehört und verstanden zu werden. Social Media macht dieses Verhalten nur sichtbarer. Wer geheimnisvoll postet, hofft oft, dass andere „zwischen den Zeilen lesen“ – doch genau das führt selten zu echter Nähe.
Denn: Wer solche Beiträge liest, fängt schnell an zu grübeln. Geht es um mich? Ist etwas passiert? Muss ich reagieren? Genau das kann psychisch belasten – vor allem, wenn man ständig in diese unterschwelligen Dramen hineingezogen wird.
Trotzdem raten Fachleute dazu, nicht sofort genervt abzuwinken. Hinter dem peinlich-kryptischen Post könne durchaus ein echtes Bedürfnis nach Nähe stecken. Wer helfen will, müsse nicht öffentlich kommentieren – oft reicht eine private Nachricht.
Und wenn du selbst dazu neigst, kryptische Andeutungen zu posten, gilt laut Experten: Stopp. Erst nachdenken. Was willst du wirklich sagen? Geht es um Trost, Wut, Streit oder Einsamkeit? Dann sei lieber direkt.
Williams empfiehlt, Gefühle bewusst wahrzunehmen und – wenn nötig – auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Seine klare Botschaft: Klarheit entsteht durch ehrliche Kommunikation, nicht durch nebulöse Online-Andeutungen.
Kurz gesagt: Wer ständig „Ich kann nicht mehr …“ postet, aber nie erklärt warum, will oft vor allem eins: Reaktionen kassieren.
Oder noch direkter: Weniger Drama posten. Mehr Klartext reden.
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