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Hormus-Theater: Wer schießt hier eigentlich auf wen?

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Im Persischen Golf wird derzeit wieder das beliebte Strategiespiel „Wer war zuerst schuld?“ gespielt. Die Hauptrollen übernehmen die USA und der Iran, die sich gegenseitig beschießen, bedrohen und anschließend erklären, lediglich auf die Aggressionen der jeweils anderen Seite reagiert zu haben.

Den jüngsten Akt eröffnete das US-Militär mit der Meldung, man habe vier iranische Drohnen abgewehrt, die angeblich eine Gefahr für die internationale Schifffahrt dargestellt hätten. Weil vier Drohnen natürlich niemals allein unterwegs sind, wurden anschließend vorsorglich gleich mehrere iranische Radarstellungen angegriffen.

Die offizielle Begründung: Selbstverteidigung.

Der Iran sah die Sache naturgemäß etwas anders und reagierte mit mehreren ballistischen Raketen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. Sechs Raketen wurden abgefangen, eine weitere verfehlte ihr Ziel. Auch hier lautete die offizielle Begründung selbstverständlich: Selbstverteidigung.

Die Revolutionsgarden gingen sogar noch einen Schritt weiter und erklärten, man habe zusätzlich vier Öltanker beschossen, die versucht hätten, die Straße von Hormus ohne iranische Genehmigung zu durchfahren. Offenbar gilt inzwischen auf Teilen der Weltmeere das Motto: Wer vorbeifahren will, zieht bitte vorher eine Nummer.

Doch damit war die maritime Comedy noch nicht beendet.

Die iranische Armee verkündete stolz, zwei amerikanische Zerstörer durch Warnschüsse, Kamikazedrohnen und Antischiffsraketen zurückgedrängt zu haben. Man stelle sich das kurz vor: Warnschüsse mit Kamikazedrohnen. Früher genügte dafür eine Trillerpfeife.

Besonders interessant ist die iranische Behauptung, die US-Kriegsschiffe hätten versucht, mit ausgeschalteten Navigationssystemen in den Persischen Golf einzulaufen. Das klingt ungefähr so, als würde ein Kreuzfahrtschiff nachts ohne Licht und Radar durch den Hamburger Hafen schleichen wollen.

Das US-Regionalkommando Centcom dementierte die Darstellung umgehend. Dort dürfte man die Geschichte vermutlich in dieselbe Kategorie eingeordnet haben wie UFO-Sichtungen oder das Ungeheuer von Loch Ness.

Währenddessen schaut die Welt auf die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft. Jeder Zwischenfall sorgt für Nervosität an den Märkten, steigende Versicherungsprämien und neue Sorgen über die Stabilität der Region.

Das eigentliche Problem bleibt jedoch bestehen: Beide Seiten betonen ununterbrochen, keinen größeren Krieg zu wollen. Gleichzeitig greifen beide Seiten regelmäßig Ziele der Gegenseite an.

Man könnte also sagen: Niemand will Krieg. Alle üben nur sehr intensiv dafür.

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