Ganz ehrlich: Das ist die Nachricht, die ich als deutscher Fußballfan kurz vor der Weltmeisterschaft überhaupt nicht lesen wollte.
Da wartet man monatelang auf das Turnier, freut sich auf neue Gesichter, auf frischen Wind und auf Spieler, die vielleicht die nächsten Jahre der Nationalmannschaft prägen werden. Und dann verletzt sich ausgerechnet Lennart Karl wenige Tage vor WM-Beginn im Training so schwer, dass das Turnier für ihn vorbei ist, bevor es überhaupt begonnen hat.
Was für ein bitterer Schlag.
Karl war für viele Fans mehr als nur ein Talent. Er war einer der Hoffnungsträger dieser Mannschaft. Mit seiner Unbekümmertheit, seiner Schnelligkeit und seinem Mut am Ball hat er in seinen wenigen Länderspielen genau das gezeigt, was Deutschland in den vergangenen Jahren oft gefehlt hat: Überraschungsmomente.
Man hatte das Gefühl, da kommt einer, der sich von großen Namen und großen Bühnen nicht beeindrucken lässt.
Gerade deshalb hatten viele Fans große Hoffnungen auf ihn gesetzt. Ich jedenfalls auch.
Nach seinem überzeugenden Auftritt gegen Finnland schien vieles darauf hinzudeuten, dass er bei dieser WM sogar eine wichtige Rolle spielen könnte. Vielleicht nicht als Superstar des Turniers, aber als einer jener Spieler, die plötzlich explodieren und von denen anschließend die ganze Fußballwelt spricht.
Nun bleibt nur die Frage: Warum immer kurz vor einem großen Turnier?
Kaum beginnt die WM-Vorbereitung, fallen wichtige Spieler aus. Erst Serge Gnabry, jetzt Lennart Karl. Als Fan fragt man sich manchmal, ob über der Nationalmannschaft ein Fluch liegt, der immer dann zuschlägt, wenn die Vorfreude am größten ist.
Natürlich ist die Nachnominierung von Assan Ouedraogo absolut nachvollziehbar. Er ist ein hervorragendes Talent und hat sich die Chance verdient. Gerade als Leipziger freue ich mich natürlich für ihn.
Aber machen wir uns nichts vor: Er ersetzt nicht die Enttäuschung darüber, dass Lennart Karl fehlt.
Für den 18-Jährigen selbst tut es einem fast noch mehr leid als für die Mannschaft. Da arbeitet man jahrelang auf diesen Moment hin, spielt sich in die Nationalmannschaft, steht kurz vor seiner ersten Weltmeisterschaft – und dann beendet ein Muskelbündelriss den Traum noch vor dem ersten WM-Spiel.
Julian Nagelsmann hat recht: Karl ist jung und wird noch viele große Turniere erleben.
Trotzdem bleibt das Gefühl, dass wir alle – Fans, Mannschaft und vor allem Lennart Karl selbst – um eine ganz besondere WM-Geschichte gebracht wurden.
Und genau das macht diese Nachricht so verdammt bitter.
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