Die Bilder erinnern viele an die ersten Monate der Corona-Pandemie: Schutzanzüge, Masken, abgesperrte Bereiche und medizinische Spezialtransporte. Nach dem Ausbruch des seltenen Hantavirus auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff „MV Hondius“ bringen die USA ihre Bürger nun unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen zurück ins Land.
17 amerikanische Passagiere sowie ein in den USA lebender Brite wurden nach dem Ende der Kreuzfahrt von Teneriffa aus ausgeflogen – direkt in die National Quarantine Unit im US-Bundesstaat Nebraska. Dort befindet sich die einzige staatlich finanzierte Quarantäneeinheit der Vereinigten Staaten für hochgefährliche Infektionskrankheiten.
Drei Menschen sind inzwischen im Zusammenhang mit dem Ausbruch gestorben, darunter ein deutsches und ein niederländisches Ehepaar. Mehrere weitere Passagiere gelten als infiziert oder stehen unter Beobachtung.
Alarm wegen möglicher Mensch-zu-Mensch-Übertragung
Besonders brisant: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält es für möglich, dass sich das sogenannte Andes-Hantavirus an Bord von Mensch zu Mensch übertragen hat – eine extrem seltene Entwicklung.
Normalerweise wird Hantavirus über Nagetiere, deren Urin oder Kot übertragen. Die jetzt betroffene Virusvariante aus Südamerika gilt jedoch als eine der wenigen Formen, bei denen enge zwischenmenschliche Kontakte ebenfalls zur Ansteckung führen können.
Die Sorge der Behörden ist entsprechend groß.
Spezialtransport in Biocontainment-Kapseln
Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums wurde ein amerikanischer Passagier bereits positiv getestet, zeigt bislang aber keine Symptome. Eine weitere Person weist leichte Krankheitsanzeichen auf.
Beide wurden vorsorglich in sogenannten Biocontainment-Einheiten transportiert – hermetisch abgeschirmten Spezialkapseln, die verhindern sollen, dass mögliche Krankheitserreger nach außen gelangen.
Alle übrigen Passagiere werden zunächst in Nebraska medizinisch untersucht und überwacht.
Die Quarantäne-Einheit in Nebraska
Die Einrichtung an der University of Nebraska Medical Center gilt weltweit als eine der modernsten Anlagen für gefährliche Infektionskrankheiten.
Bereits während der Ebola-Krise 2014 sowie zu Beginn der Corona-Pandemie wurden dort Patienten isoliert und behandelt.
Die Station verfügt über 20 Spezialzimmer mit Unterdrucksystemen, die verhindern, dass Viren aus den Räumen entweichen können. Trotz der Hochsicherheitsbedingungen erinnern die Räume eher an kleine Hotelzimmer – mit eigenem Bad, Internetzugang und Fitnessmöglichkeiten für längere Aufenthalte.
42 Tage Überwachung
Nach der ersten Untersuchung könnten symptomfreie Passagiere unter Auflagen nach Hause zurückkehren. Dort sollen sie jedoch 42 Tage lang täglich überwacht werden – so lange kann die Inkubationszeit des Virus dauern.
Die Gesundheitsbehörden wollen damit verhindern, dass mögliche Infektionen unbemerkt weitergegeben werden.
WHO beschwichtigt – „nicht das nächste Covid“
Trotz der dramatischen Bilder bemühen sich internationale Gesundheitsbehörden um Beruhigung.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte ausdrücklich:
„Das ist nicht das nächste Covid-19.“
Die Zahl der Fälle sei weiterhin begrenzt, das Risiko für die Allgemeinbevölkerung aktuell niedrig.
Dennoch zeigt der Fall, wie nervös Behörden weltweit inzwischen auf mögliche Ausbrüche neuer Infektionskrankheiten reagieren – besonders dann, wenn Kreuzfahrtschiffe, internationale Reisen und eine mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung zusammenkommen.
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