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Grindr zahlt Millionen: Beim Datenschutz war offenbar mehr los als beim ersten Date

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay
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Dating-Apps versprechen Nähe, Diskretion und manchmal sogar die große Liebe.

Bei Grindr ging es zuletzt allerdings weniger um Matches als um eine andere Frage:

Wer hatte eigentlich alles Zugriff auf die Daten?

Die Dating-App hat einem Vergleich über rund 26 Millionen Pfund, umgerechnet gut 30 Millionen Euro, zugestimmt. Damit soll eine Gruppenklage in Großbritannien beigelegt werden.

Der Vorwurf: Grindr soll persönliche und teils hochsensible Nutzerdaten an Drittunternehmen weitergegeben haben – ohne die dafür notwendige Zustimmung der Betroffenen.

Mit anderen Worten:

Manche Nutzer wollten vielleicht nur wissen, wer gerade in der Nähe ist.

Offenbar wussten am Ende deutlich mehr Leute Bescheid.

„Höchst sensible Informationen“

Besonders brisant ist, um welche Daten es gegangen sein soll.

Die britische Kanzlei hinter der Sammelklage spricht von personenbezogenen Informationen, die unter Umständen weit über normale Profildaten hinausgingen.

Dazu soll sogar der HIV-Status einzelner Nutzer gehört haben.

Und damit hört der Spaß dann ziemlich schnell auf.

Denn zwischen „Ich mag lange Spaziergänge“ und „mein Gesundheitsstatus wurde möglicherweise weitergegeben“ liegt datenschutzrechtlich doch ein gewisser Unterschied.

Grindr bestreitet die Vorwürfe

Grindr weist die Anschuldigungen zurück.

Das Unternehmen erklärt zugleich, man erkenne die Belastung und den Vertrauensverlust an, den einige britische Nutzer im Zusammenhang mit dem Zeitraum vor 2020 empfunden hätten.

Das ist eine bemerkenswerte Formulierung.

Sinngemäß:

Wir sagen nicht, dass wir das getan haben – aber wir verstehen, dass Sie darüber ziemlich sauer sind.

Juristisch wahrscheinlich sinnvoll.

Kommunikativ irgendwo zwischen Entschuldigung und „war alles ganz anders“.

Damals war alles chinesisch

Grindr verweist außerdem darauf, dass das Unternehmen damals noch einem chinesischen Eigentümer gehört habe.

Heute gehöre Grindr einem internationalen Investorenkreis.

Das soll offenbar beruhigen.

Denn nichts vermittelt Datenschutzvertrauen so zuverlässig wie der Satz:

„Keine Sorge, heute sind es andere Eigentümer.“

Ob das die Nutzer tatsächlich entspannt, bleibt abzuwarten.

30 Millionen Euro für verlorenes Vertrauen

Der Vergleich ist jedenfalls teuer.

Rund 30 Millionen Euro sind selbst für eine große Dating-Plattform kein Trinkgeld.

Und er zeigt, wie wertvoll Vertrauen bei digitalen Diensten inzwischen geworden ist.

Gerade Dating-Apps sammeln zwangsläufig besonders sensible Daten.

Sexuelle Orientierung.

Standort.

Kontakte.

Vorlieben.

Manchmal Gesundheitsinformationen.

Kurz gesagt:

Dinge, bei denen Nutzer davon ausgehen dürfen, dass sie nicht wie Werbeprospekte durch die digitale Nachbarschaft gereicht werden.

Datenschutz ist eben kein Flirt

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dem Fall.

Bei einer Dating-App darf vieles locker sein.

Der Ton.

Die Profile.

Die Erwartungen.

Der Datenschutz gehört allerdings nicht dazu.

Denn wer intime Informationen preisgibt, tut das in der Annahme, dass die Plattform damit verantwortungsvoll umgeht.

Und wenn dieses Vertrauen verloren geht, hilft am Ende auch der schönste Algorithmus nicht mehr.

Dann wird aus:

„It’s a Match!“

schnell:

„It’s a Sammelklage!“

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