Donald Trump hat schon immer ein besonderes Verhältnis zu Namen gehabt, vor allem zu einem ganz bestimmten: seinem eigenen. Wo andere Leute vielleicht ein Hotel bauen und es schlicht Hotel nennen würden, sieht Trump darin vor allem eine freie Fläche für fünf goldene Buchstaben. Ob Hochhaus, Golfplatz, Wein, Steak oder Bibel – Hauptsache, irgendwo steht am Ende groß und möglichst glänzend: TRUMP.
Neu ist nur, dass es inzwischen offenbar nicht mehr reicht, Gebäude, Flugzeuge und Luxusspielzeug nach sich selbst zu benennen. In seiner zweiten Amtszeit scheint Trump das Branding-Konzept aus der Immobilienwelt nun endgültig auf den Staat ausgedehnt zu haben. Aus Geschäftsinteresse wird Staatsästhetik, aus Eigenwerbung ein Regierungsstil. Was früher Trump Tower hieß, heißt heute dann eben Trump-Irgendwas in Washington.
Dass ihn diese Leidenschaft nicht erst seit gestern begleitet, zeigt eine alte Familienanekdote: Als sein Vater einst den privaten Hubschrauber des Sohnes sah, soll ihn vor allem eines beruhigt haben – auf dem Ding stand gut sichtbar „TRUMP“. Damit war offenbar alles gesagt. Andere Väter fragen vielleicht nach Sicherheit, Preis oder Sinn. Hier genügte die Beschriftung. Familienidylle auf Trump-Art.
Schon als Unternehmer hat Trump seinen Namen auf alles geklebt, was nicht schnell genug weglaufen konnte. In New York prangte er an Wolkenkratzern, später auch an Hotels, Residenzen und Flugzeugen. Sogar eine Yacht wurde nach dem Kauf umgetauft. Man könnte sagen: Bei Trump wird nicht investiert, sondern beschriftet. Und falls doch noch irgendwo eine neutrale Wand übrigbleibt, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis jemand einen goldenen Marker zückt.
Nun aber geht es um mehr als nur protzige Fassaden. Laut Bericht taucht Trumps Name inzwischen auch auf staatlichen Einrichtungen, Programmen und politischen Initiativen auf. Ausgerechnet in einem demokratischen System wirkt das auf manche Beobachter weniger wie normales Marketing und mehr wie eine sehr direkte Liebeserklärung an den eigenen Personenkult. Während andere Präsidenten irgendwann Bibliotheken oder Flughäfen nach sich benannt bekommen – meist nach ihrem Tod –, scheint hier das Motto zu gelten: Warum warten, wenn man auch jetzt schon überall draufschreiben kann, wer der Größte ist?
Besonders delikat wird es bei der Symbolik. Wenn staatliche Gebäude mit riesigen Bannern samt Gesicht des amtierenden Präsidenten dekoriert werden, wenn seine Unterschrift auf künftigen Geldscheinen auftauchen soll und wenn Anhänger darüber nachdenken, ihn gleich noch irgendwo in Stein zu meißeln, dann wirkt das weniger wie nüchterne Regierungsarbeit und mehr wie eine Mischung aus Fanartikel-Shop und Herrscherpose. Die Grenze zwischen Amt und Eigenmarke wird dann ungefähr so diskret behandelt wie Goldtapete in einer Trump-Lobby.
Kritiker erinnern daran, dass Demokratien eigentlich anders funktionieren. Dort soll das Amt größer sein als die Person. Der Präsident verwaltet es auf Zeit, er besitzt es nicht wie ein Hotelresort. Genau deshalb tragen öffentliche Einrichtungen traditionell nicht schon während der Amtszeit den Namen desjenigen, der gerade darin sitzt und sich selbst für historisch hält. Es gilt als stillos, aber vor allem als Zeichen dafür, dass ein Staat nicht mit einer einzelnen Person verwechselt werden sollte. In Trumps Welt scheint dieser Unterschied allerdings eher als gestalterisches Hindernis verstanden zu werden.
Besonders komisch ist dabei, wie oft solche Namensideen angeblich immer von anderen kommen. Irgendwer aus dem Umfeld will etwas umbenennen, ein Gremium hat plötzlich eine Eingebung, Unterstützer möchten aus purer Dankbarkeit den nächsten Gebäudeflügel widmen. Trump selbst schaut dann meist so überrascht, als hätte man ihm aus heiterem Himmel eine Statue aus purem Gold vor die Tür gestellt. Dass die entscheidenden Leute vorher oft von ihm selbst ausgesucht wurden, ist dabei natürlich nur ein rein atmosphärischer Zufall.
Falls also demnächst ein neuer Ballsaal am Weißen Haus entsteht, sind Wetten über den Namen wohl relativ risikolos. Die Chancen stehen gut, dass das Wort „Trump“ irgendwo auftaucht – vermutlich größer als der Notausgang. Vielleicht heißt es am Ende nicht einfach Ballsaal, sondern „Trump Grand Patriotic Freedom Ballroom“. Mit goldenen Vorhängen, schweren Kronleuchtern und einem Eingang, der aussieht, als hätte Versailles plötzlich beschlossen, Makler in Florida zu werden.
So bleibt am Ende vor allem ein Eindruck: Während andere Präsidenten Geschichte schreiben wollen, scheint Trump lieber sicherzugehen, dass sein Name in extra großen Buchstaben darübersteht. Nicht nur auf Türmen, nicht nur auf Golfplätzen, nicht nur auf Flugzeugen. Jetzt offenbar auch am liebsten auf dem Staat selbst. Denn Trump Tower war gestern. Die eigentliche Vision scheint zu sein: Trump Amerika – jetzt auch in Papiergeld, Behördenoptik und vielleicht bald als Tanzsaal.
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