Startseite Allgemeines Studie: Pflanzliche Ernährung könnte Demenzrisiko senken – aber nicht jede „vegane“ Kost schützt das Gehirn
Allgemeines

Studie: Pflanzliche Ernährung könnte Demenzrisiko senken – aber nicht jede „vegane“ Kost schützt das Gehirn

geralt (CC0), Pixabay
Teilen

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung liefert einen weiteren Hinweis darauf, dass die Qualität der Ernährung einen erheblichen Einfluss auf die geistige Gesundheit im Alter haben könnte. Demnach scheint eine hochwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen das Risiko für Alzheimer und andere Demenzformen zu senken – und zwar selbst dann, wenn Menschen erst in ihren späten 50ern oder 60ern damit beginnen, ihre Ernährung umzustellen.

Besonders bemerkenswert: Laut der Studie hatten ältere Erwachsene, die im Verlauf von zehn Jahren ungesunde Lebensmittel konsequent reduzierten, ein um rund 11 Prozent niedrigeres Risiko, an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken, als Personen, deren Essverhalten sich nicht verbesserte. Umgekehrt zeigte sich jedoch auch die andere Seite: Wer zwar stärker auf „pflanzlich“ setzte, dabei aber vor allem zu minderwertigen Produkten wie raffiniertem Getreide, stark zuckerhaltigen Lebensmitteln oder stark verarbeiteten Ersatzprodukten griff, hatte am Ende des Beobachtungszeitraums ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko.

Damit bestätigt die Studie etwas, das im allgemeinen Ernährungstrend gern untergeht: Pflanzlich ist nicht automatisch gesund. Auch eine Ernährung ohne Fleisch, Milch oder Eier kann am Ende aus Zucker, Weißmehl, billigen Fetten und industriell verarbeiteten Fertigprodukten bestehen – und dann ist sie für Stoffwechsel, Herz und offenbar auch für das Gehirn alles andere als ein Schutzschild.

Untersucht wurden fast 93.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Die Teilnehmer machten zu Beginn Angaben zu ihrem Ernährungsverhalten, ein Teil von ihnen wurde zehn Jahre später erneut befragt. Die Forscher unterschieden dabei zwischen drei Qualitätsstufen: Am unteren Ende lagen tierische Fette, Fleisch, Milchprodukte, Eier und Fisch. In der mittleren Kategorie wurden weniger gesunde pflanzliche Lebensmittel wie Fruchtsäfte, Kartoffeln, raffiniertes Getreide und zugesetzter Zucker erfasst. Als besonders günstig galten Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, pflanzliche Öle, Nüsse, Hülsenfrüchte sowie Tee und Kaffee.

Gerade diese letzte Gruppe schnitt in Bezug auf die Gehirngesundheit am besten ab. Innerhalb der Gruppe mit besonders hochwertiger pflanzlicher Ernährung hatten diejenigen mit dem höchsten Anteil solcher Lebensmittel ein um rund 7 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als jene, die davon am wenigsten konsumierten. In der Gruppe mit vielen minderwertigen pflanzlichen Produkten stieg das Risiko dagegen erneut an.

Die Studie zeigt damit vor allem eines: Wer sich auf das Schlagwort „plant-based“ verlässt, ohne auf die tatsächliche Qualität der Lebensmittel zu achten, könnte sich in falscher Sicherheit wiegen. Ein Frühstück aus industriell hergestellten Waffeln mit Sirup, mittags ein stark verarbeitetes Veggie-Fastfood-Menü und abends weiße Pasta mit gezuckerter Fertigsauce mögen formal pflanzlich sein – gesund ist das dennoch nicht.

Auch die Einordnung einzelner Lebensmittel zeigt, wie differenziert das Thema betrachtet werden muss. So wurden etwa Fruchtsäfte und Kartoffeln nicht automatisch als günstige pflanzliche Lebensmittel gewertet. Der Grund: Fruchtsäfte liefern große Mengen Fruchtzucker in kurzer Zeit, ohne die sättigende und blutzuckerbremsende Ballaststoffstruktur der ganzen Frucht. Kartoffeln wiederum können – je nach Zubereitung – schnell zu einem Problem für Blutzucker, Kalorienbilanz und Fettaufnahme werden, insbesondere in frittierter Form oder in Kombination mit Butter, Sahne oder stark salzhaltigen Beilagen.

Aus Sicht der Präventionsmedizin passt die Untersuchung in ein inzwischen breiteres Bild. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass eine hochwertige pflanzliche Ernährung nicht nur mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck verbunden ist, sondern auch mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit. Entscheidend ist aber auch dort stets dieselbe Frage: Was genau landet auf dem Teller?

Für Verbraucher ist die Botschaft daher klarer als viele Ernährungstrends es suggerieren: Nicht der Verzicht auf tierische Produkte allein macht den Unterschied, sondern die tatsächliche Zusammensetzung der Ernährung. Wer mehr Vollkorn, Gemüse, Obst, Nüsse, Bohnen und hochwertige pflanzliche Fette isst und gleichzeitig Zuckerbomben, Weißmehlprodukte und ultraverarbeitete Ersatzkost reduziert, könnte seinem Gehirn im Alter offenbar einen echten Gefallen tun.

Oder anders gesagt:
Nicht jedes vegane Fertigprodukt ist ein Gesundheitsprodukt – manchmal ist es nur Junkfood ohne Kuh.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Trump findet neuen Geheimdienstchef – diesmal mit Lebenslauf

Donald Trump hat einen neuen Kandidaten für den Posten des obersten Geheimdienstkoordinators...

Allgemeines

Nach Klarstellung der FMA Liechtenstein: Stellungnahmen von Härting Rechtsanwälte und Kanzlei Weik angefragt

Die Klarstellung der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) vom 11. Juni 2026 zur TGI...

Allgemeines

Tragischer Einsatz in Toronto: Polizist stirbt bei Razzia – Verdächtiger auf der Flucht

Toronto steht unter Schock. Wenige Stunden vor dem ersten WM-Spiel der kanadischen...

Allgemeines

WM in Kanada: Wenn man gegen sich selbst jubeln muss

Für die meisten Fußballfans ist die Sache bei einer Weltmeisterschaft ziemlich einfach:...