Yan Diomande ist wieder bei RB Leipzig. Zumindest körperlich. Nach seinem WM-Urlaub absolvierte der 19-Jährige am Montag pflichtgemäß den Leistungstest. Laufen, springen, messen – alles wie vorgesehen. Nur für die entscheidende Frage gibt es bislang offenbar kein geeignetes Testgerät: Ist Diomande im Kopf überhaupt noch in Leipzig?
Der Flügelspieler soll bereits mehrfach deutlich gemacht haben, dass er den Verein in diesem Sommer verlassen möchte. Sein Wunschziel heißt Real Madrid. Mit den Königlichen soll er sich angeblich sogar schon über einen Vertrag bis 2031 verständigt haben.
Da darf man sich durchaus fragen, ob Diomande beim Leistungstest noch die Leipziger Trainingsplätze gesehen hat – oder ob ihm längst die aus Madrid heranflatternden Euro-Banknoten den Blick auf seinen gültigen Vertrag vernebelt haben.
Denn der läuft immerhin bis 2030. Ohne Ausstiegsklausel.
Das ist kein unverbindlicher Tischwunsch im Restaurant, sondern ein Arbeitsvertrag. Diomande darf natürlich von Real träumen. Er darf sich gedanklich schon im Bernabéu sehen, neben Weltstars einlaufen und auf dem Handy spanische Immobilienanzeigen studieren. Solange sich die Vereine aber nicht einigen, ist sein sportlicher Arbeitsplatz weiterhin Leipzig.
Romano meldet Vollzug – Leipzig meldet: Moment mal
Transferexperte Fabrizio Romano berichtete bereits von einer Einigung über mehr als 100 Millionen Euro und einem bevorstehenden Medizincheck. Nach anderen Informationen war diese Meldung jedoch verfrüht. RB soll bislang alle Angebote abgelehnt haben und mindestens 120 Millionen Euro verlangen.
Damit ist der Transfer derzeit ungefähr so abgeschlossen wie ein Hauskauf nach dem ersten Besichtigungstermin.
Paris Saint-Germain hat sich derweil aus dem Poker verabschiedet. Ablöse und Gehaltsforderungen seien „völlig unverhältnismäßig“, ließ der Klub wissen. Wenn selbst PSG bei Geldfragen plötzlich die Stirn runzelt, scheint tatsächlich eine bemerkenswerte Größenordnung erreicht zu sein.
Schäfer muss jetzt Klarheit schaffen
Trainer Martin Demichelis plant vorerst weiter mit Diomande. Das ist logisch, solange kein unterschriebener Vertrag und keine ausreichende Ablöse auf dem Tisch liegen.
Doch Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer muss nun rasch eine Entscheidung treffen, die für RB Leipzig vernünftig ist. Entweder Real bezahlt den Preis, den Leipzig für angemessen hält – oder Diomande bleibt, erfüllt seinen Vertrag und konzentriert sich wieder auf Fußball.
Was der Verein nicht gebrauchen kann, ist ein wochenlanges Sommertheater mit täglichen Wasserstandsmeldungen aus Madrid.
Diomande ist ein großes Talent. Aber auch große Talente sind nicht größer als der Klub. Schäfer muss deshalb jetzt für klare Verhältnisse sorgen, damit Ruhe einkehrt.
Und vielleicht sollte beim nächsten Leistungstest neben Sprintwerten und Laktat auch gemessen werden, wie viele Gedanken bereits in Madrid wohnen.
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