Startseite Allgemeines Friedensgespräche mit eingebautem Störsender
Allgemeines

Friedensgespräche mit eingebautem Störsender

peacemedia_for_future (CC0), Pixabay
Teilen

Verhandeln, drohen, weitermachen

Die gute Nachricht des Tages lautet: Die USA und der Iran reden miteinander.

Die schlechte Nachricht lautet: Sie reden gleichzeitig auch übereinander.

Während Diplomaten im Schweizer Luxusresort Bürgenstock an einem möglichen Friedensabkommen arbeiten, schickt Washington regelmäßig neue Drohungen in Richtung Teheran. Das Ergebnis erinnert an ein Paar in der Eheberatung, bei dem ein Partner versöhnliche Worte findet, während der andere bereits den Scheidungsanwalt anruft.

Die Schweiz macht, was die Schweiz immer macht

Mitten in den Alpen versuchen Vermittler aus Katar und Pakistan nun, Ordnung in das diplomatische Chaos zu bringen. Nach den ersten Gesprächen wurden sofort weitere Arbeitsgruppen eingerichtet. Es geht um das iranische Atomprogramm, Sanktionen, die Straße von Hormus und die fragile Waffenruhe im Libanon.

Kurz gesagt: um alles, worüber man sich in den vergangenen Jahrzehnten gestritten hat.

Die Schweiz erfüllt dabei ihre traditionelle Rolle perfekt. Sie stellt Räume, Kaffee und Diskretion zur Verfügung und hofft vermutlich, dass niemand auf die Idee kommt, den Weltfrieden auf dem Hotelparkett auszutragen.

Die Straße von Hormus bekommt eine Hotline

Besonders bemerkenswert ist die Einrichtung eines direkten Kommunikationskanals zwischen den Konfliktparteien.

Früher nannte man so etwas Krisendiplomatie.

Heute klingt es eher wie ein Kundendienstcenter.

Wenn künftig irgendwo in der Straße von Hormus ein Tanker falsch abbiegt, soll nicht sofort eine internationale Krise entstehen, sondern zunächst telefoniert werden.

Für den Nahen Osten ist das bereits ein bemerkenswerter Fortschritt.

Arbeitsgruppen retten die Welt

Wer schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet hat, kennt das Prinzip.

Wenn ein Problem besonders kompliziert wird, gründet man eine Arbeitsgruppe.

Wenn es sehr kompliziert wird, gründet man mehrere.

Genau das passiert nun auf dem Bürgenstock.

Experten beraten über Atomfragen, Sanktionen und Sicherheitsmechanismen. Sie analysieren, diskutieren und formulieren Kompromisse.

Währenddessen erklären Politiker vor Kameras, wie entschlossen sie seien.

Die eigentliche Arbeit erledigen wie so oft die Menschen ohne Mikrofon.

Trump sorgt für Spannung

Dass die Gespräche überhaupt ins Stocken gerieten, lag nach Angaben der iranischen Delegation an Donald Trump.

Der US-Präsident hatte Teheran wegen dessen Unterstützung der Hisbollah erneut mit militärischen Konsequenzen gedroht.

Man könnte sagen: Die Diplomaten bauten gerade eine Brücke, während Trump testete, wie belastbar die Fundamente sind.

Die iranische Seite reagierte erwartungsgemäß wenig begeistert. Zeitweise stand sogar die Frage im Raum, ob die Gespräche überhaupt fortgesetzt werden würden.

Die Hoffnung bleibt

Trotz aller Störgeräusche wird nun weiterverhandelt.

Das allein ist bereits eine kleine Erfolgsmeldung.

Denn Frieden entsteht selten durch große Reden, spektakuläre Gipfelbilder oder markige Drohungen. Frieden entsteht meistens durch zähe Gespräche, lange Nächte und Menschen, die bereit sind, dem Gegenüber noch eine weitere Stunde zuzuhören.

Der Bürgenstock wird die Probleme des Nahen Ostens nicht in wenigen Tagen lösen.

Aber vielleicht zeigt dieser Gipfel, dass selbst die härtesten Gegner irgendwann erkennen, dass Reden günstiger ist als Schießen.

Und allein diese Erkenntnis wäre derzeit schon ein bemerkenswerter Fortschritt.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Lemmer bleibt – und Dynamo sendet ein wichtiges Signal

Als Dynamo-Fan muss man in den vergangenen Jahren oft erleben, dass Leistungsträger...

Allgemeines

Ost-Ministerpräsidenten erklären dem DFB die Welt

Während in Nordamerika die Fußball-Weltmeisterschaft läuft, sorgt ausgerechnet die deutsche Innenpolitik für...

Allgemeines

Demichelis startet in Leipzig mit einem Problem: Er ist nicht Ole Werner

Der Trainerwechsel wirft mehr Fragen als Antworten auf RB Leipzig hat Ole...

Allgemeines

Zu viele Krankenhäuser in Leipzig?

Leipzig hat derzeit je nach Zählweise etwa 10 bis 14 Akutkrankenhäuser und...