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Ost-Ministerpräsidenten erklären dem DFB die Welt

Elionas2 (CC0), Pixabay
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Während in Nordamerika die Fußball-Weltmeisterschaft läuft, sorgt ausgerechnet die deutsche Innenpolitik für eine der bemerkenswertesten Fußballschlagzeilen des Jahres. Die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer haben genug von einem Regionalliga-System, das seit Jahren für Frust bei Vereinen, Fans und Sponsoren sorgt. Gemeinsam fordern sie den DFB auf, endlich das sogenannte Kompassmodell umzusetzen und die Aufstiegsregelung grundlegend zu reformieren.

Der Vorstoß hat es in sich. Schließlich kommt es selten vor, dass sich gleich mehrere Regierungschefs parteiübergreifend mit solcher Deutlichkeit in eine Fußballdebatte einschalten. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sowie Dietmar Woidke aus Brandenburg und Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern sehen die aktuelle Regelung als dauerhaft ungerecht an.

Der Kern des Problems ist schnell erklärt. Deutschland leistet sich fünf Regionalligen, aber nicht fünf direkte Aufsteiger. Während die Meister aus dem Westen und Südwesten direkt in die 3. Liga aufsteigen dürfen, müssen die Titelträger aus Bayern, Nord und Ost regelmäßig in die ungeliebte Relegation. Das führt Jahr für Jahr zu der kuriosen Situation, dass ein Meister am Ende trotzdem in der vierten Liga bleibt.

Besonders deutlich wurde die Problematik am Beispiel von Lok Leipzig. Der Traditionsverein gewann mehrfach die Regionalliga Nordost, investierte Millionen in Infrastruktur, modernisierte sein Stadionumfeld und erfüllte sämtliche Anforderungen des DFB. Trotzdem blieb der sportliche Aufstieg verwehrt. Für viele Fans ist das der Beweis, dass das aktuelle System nicht mehr zeitgemäß ist.

Gerade der Fall Lok Leipzig hat inzwischen auch politische Dimensionen erreicht. Denn höhere Spielklassen bedeuten für viele Regionen mehr als nur Fußball. Sie bringen Besucher in die Städte, füllen Hotels und Restaurants und stärken das regionale Image. Vereine sind häufig ein wichtiger Bestandteil der Identität ganzer Städte und Regionen. Wenn sportlicher Erfolg dauerhaft nicht belohnt wird, trifft das deshalb nicht nur die Klubs selbst.

Besonders absurd wirkte die Situation, als selbst nach Problemen bei der Lizenzierung anderer Vereine kein zusätzlicher Platz für einen Regionalliga-Meister frei wurde. Solche Entscheidungen haben das Vertrauen vieler Fans in die bestehenden Strukturen nachhaltig beschädigt.

Mit dem Kompassmodell soll nun eine Lösung gefunden werden. Die Zahl der Regionalligen würde von fünf auf vier reduziert, sodass künftig jeder Meister direkt aufsteigen könnte. Für viele Anhänger ist das keine Revolution, sondern schlicht eine Frage der sportlichen Fairness.

Der Druck auf den DFB wächst damit erheblich. Wenn inzwischen Ministerpräsidenten eingreifen müssen, entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass die Fußballverbände ein Problem über Jahre verwaltet statt gelöst haben. Die Forderung nach einer Reform kommt längst nicht mehr nur aus den Kurven der Stadien, sondern inzwischen aus den Staatskanzleien.

Der Ball liegt nun beim DFB. Ignorieren kann er die Forderung kaum noch. Denn selten war die politische Unterstützung für eine Reform so geschlossen wie heute. Und selten war die Frage einfacher: Sollte ein Meister tatsächlich Meister sein – oder weiterhin Jahr für Jahr lernen müssen, dass dies im deutschen Regionalliga-System noch lange nicht zum Aufstieg reicht?

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